Wochenupdate

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Seit einigen Tagen lässt der Druck nach, der in den letzten Monaten auf mir lastete. Ich merke, dass Optimismus möglich wird, der vor wenigen Tage und Wochen noch nicht möglich gewesen wäre.

Seit dem Gespräch mit dem Berufsförderungsdienst am 27.03.2015 ist klar, dass die Förderung eines Masterstudiums übernommen wird. Mit der am 26.03.2015 eingetroffenen Gehaltszahlung konnte ich nun die Rechnungen der Therapie- und Coachingmaßnahmen bezahlen.

In diesem Bereich muss ich derzeit noch in Vorkasse gehen, bis die zuständigen Stellen fachlich anerkennen, dass die Kosten für meinen Therapieweg übernommen werden. Auch hier ist noch einiges an Papierkram vor mir, den ich hoffentlich bis nach Ostern langsam abarbeiten kann.

Neuer Fokus

Dringend und drängend wird die Bewerbung für den Masterstudienplatz und natürlich der Abschluss des Bachelorstudiums. Es tut gut, eine Perspektive zu haben, die vorher schlichtweg nicht existierte.

In dieser Woche war ich ausnahmsweise mal ausschließlich redaktionell und an Themen unterwegs. Neben der LiMA-Konferenz stand der NSA-Ausschuss auf dem Plan, der mit 9 Stunden wieder sehr fordernd war. Auch im Bereich IT-Themen kam ich voran. Die Woche schließt mit der Seminarteilnahme beim Arbeitskreis Darmstädter Signal.

Doch bei allem Optimismus: vieles ist noch im argen und nicht in der Waage.

Druck – EntlastungZiele

Der Termin am Freitag zum Berufsförderungsdienst lies mich zunächst schlecht schlafen. Ich rechne immer noch damit, dass Instanzen, die ich in den vergangenen Jahren stark kritisiert habe noch Repressalien auf Lager haben und zur Anwendung bringen könnten.

Doch anders als zu befürchten: ich werde an der Deutlichkeit meiner Worte nichts einschränken.

Der Plan ist, schnellst möglich die Schulden der letzten beiden Jahre abzubauen und nach Abschluss des Masterstudiums sowie einer ausreichenden Arbeitserprobung das Diennstverhältnis “Schutzzeit” zu kündigen, um die Abhängigkeit los zu werden, in der ich mich derzeit befinde.

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Wie der Wehrbeauftragte mein WDB-Verfahren sieht

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Ergänzung:

Es fehlt die Information, dass der erste Antrag (13. Mai 2013) bei der WBV-Süd zunächst eintraf und dann an die WBV-West unvollständig weitergeleitet wurde. Ich musste erneut alle Hergänge der Schädgigung schildern. Es dauerte gut 4 Wochen, bis ich das hin bekommen habe.

Nüchtern heißt es auch in diesem Schreiben: es dauert so lange, wie es dauert. Was in der Zwischenzeit den Bach runter geht: dem Verwaltungsbeamten fordert niemand ab, sich darum Gedanken zu machen.

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Führe zu “erheblichen Such- und Erkennungsdienstlichen Maßnahmen”. Hier bescheinigt der Wehrbeauftragte, dass die Bundeswehr nicht in der Lage ist, mit ehemaligen Soldaten Kontakt zu halten bzw. gezielt wieder aufzunehmen. Gründe dafür gibt es mehrere – ja nach Laufbahn der Zeugen:

Fall 1: Zeuge = (aktiver) Berufssoldat

Der Ermittlungsaufwand bezieht sich dabei auf die Personalakten. Sofern die Namen eindeutig sind, sollte es zu keinen Problemen kommen. Fehlt dem Antragsteller Personenkennziffer (hat niemand von anderen parat) muss das Personalamt anhand von Einsatzzeitraum zurückermitteln, um welchen z.B. “Oberfeldwebel Peter Müller” (Phantasiename) es sich beim Zeugen handelt. Einmal gefunden muss nur noch herausgefunden werden, ob der Soldat auch an dem Standort eingesetzt ist, der in der Personalakte steht UND nicht gerade irgendwo hin abkommandiert ODER erneut im Einsatz ist.

Potential: wenige Wochen bis ein Quartal, bis der Zeuge erreicht wird.

Bearbeitungszeit: beginnt ab erreichen des Zeugen

Fall 2 : Zeuge = ehemaliger Zeitsoldat

Hier beginnen die Probleme. Ausscheidende Zeitsoldaten haben die Wahl, wie mit ihrem Personaldatensatz umgegangen wird. Wer sich als “Reservist” betätigt ist aufgefordert, jeden Umzug zu melden und stets für einen korrekten Datensatz bei der Bundeswehr zu sorgen.

Wer die Bundeswehr ohne Bedürfnis nach irgendeinem späteren Kontakt verlässt, der verschwindet vom Radar. Damit die Bundeswehr gezielt Kontakt aufnehmen kann, ist eine Ermittlung durch die Einwohnermeldeämter erforderlich. Wer nach der Bundeswehrzeit mehrfach umzieht und die Meldungen korrekt vollzieht dürfte schnell aufzufinden sein. Wer schlampt, viele wechselnde Wohnorte hat oder gar ins Ausland umzieht, wird zum Fallstrick für den geschädigten Soldaten.

Potential: wenige Wochen bis mehrere Monate, bis der Zeuge erreicht wird.

Bearbeitungszeit: beginnt ab erreichen des Zeugen

Fall 3: Zeuge = ???

Zeugen, die aus anderen Systemen stammen und mit der Bundeswehr zusammenarbeiten potenzieren die Bearbeitungszeiten der Anfragen. Denkbar sind Polizisten, die im Einsatzland kooperiert haben. Denkbar sind auch Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes oder ziviler Firmen, die Zeugen der Schädigung wurden.

Als hochgradig problematisch würde ich Zeugen bewerten, die z.B. mit einer Tarnidentität beim Bundesnachrichtendienst arbeiten, als Soldaten auftreten und möglicherweise aufgrund ihrer Tätigkeit im Einsatzland  nie wieder mit dem Namen in Deutschland unterwegs sind, mit dem sie im Einsatz gegenüber dem Geschädigten aufgetreten sind.

Wie viele Ebenen sind notwendig, um durch Schutzmaßnahmen durchzudringen oder an den Punkt zu gelangen, dass die Ermittlungen als “erfolglos” und “in dubio pro” Antragsteller eingestellt werden?

Die Folgen der Geheimhaltung muss der geschädigte Antragsteller ausbaden. Allein schon deswegen muss ab Diagnose einer einsatzbedingten Erkrankung oder nur der Vermutung eine entsprechende Absicherung greifen.

Manko in der Veteranenerfassung

Eine direkte Kontaktaufnahme mit ehemaligen Einsatzsoldaten ist auch 2015 nicht gezielt möglich, weil es keinen offiziellen Datensatz gibt, der die Ex-Soldaten für die Bundeswehr erreichbar macht.

Selbst als Reservisten sind die Datenbestände z.B. zwischen Besoldungsstelle und der ehemaligen Kreiswehrersatzamts-Sturktur nicht deckungsgleich. 2014 scheiterte ein Kriegsdienstverweigerungsantrag, weil ein mit Berliner Adresse abgesendeter Antrag im Nirvana ehemaliger Adressen versandete. Dabei bestand zu zahlreichen Bundeswehrstellen – inklusive Besoldung – noch Kontakt und ein aktueller Datensatz.

Klar und deutlich: werden gehäuft Fälle von Gesundheitsbelastungen gemeldet, die auf  ein bestimmtes zurückliegendes Kontingent – z.B. durch belastete Farben – zurückgehen, müsste die Bundeswehr die öffentlichen Medien kontaktieren oder eben wieder monatelang ermitteln, um belastete Ex-Soldaten zu informieren. Der Wehrbeauftrage mahnt seit Jahren – das BMVg verbrennt lieber Geld in Drohnen, statt auf Vorsorge beim Ex-Personal die notwendige Fürsorge walten zu lassen.

Wahnvorstellungen eines Kranken? Nein.

In meiner Tätigkeit in Afghanistan war ich im täglichen Kontakt mit afghanischen Mitarbeitern, hatte ein Massenmedium zu verantworten, mit dem ich jederzeit durch Fehler ein kaum wiedergutzumachendes Chaos hätte anrichten können. Ich muss davon ausgehen, dass

1. meine Arbeit permanent im Monitoring durch den BND gewesen ist,
2. meine Arbeit permanent im Monitoring durch die NATO gewesen ist (Stichwort: “Deutscher General entschuldigt sich für Islamkarrikaturen”),
3. einzelne Kontakte regelmäßig mit Tarnidentitäten oder “Legenden” mit mir im Gespräch waren.

Ich habe mittlerweile mehrere Gespräche identifiziert, die mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Mitarbeiter von Diensten geführt wurden. Einfach nur zum Zweck, einen Eindruck zu bekommen, woran ich arbeite, wie ich ticke und was von mir zu erwarten / zu befürchten ist.

Ständig Gedanken daran verlieren – nein. Aber zwischenzeitlich resümieren, wo Ansatzpunkte waren, mir die Probleme zu bereiten, die in den letzten Jahren aufgetreten sind: ja. Und immer drauf hoffen, dass sich das in den nächsten Jahren niemand erneut erdreisten wird.

Gespräche mit dem Lücking auf dem kleinen Dienstweg anstoßen: forget it. Don’t even think to continue that shit.

 

 

wpid-20150322_090126-1.jpgMitteilungen über den Verlauf habe es nur wenige gegeben. Der Bearbeiter geht hier nonchalant darüber hinweg, dass mein damaliger Anwalt in Monat 12 ohne Rückmeldung über das Verfahren eine Anfrage stellte und abgewiesen wurde. “Das würde auch nichts beschleunigen und man habe genug zu tun!” war die Antwort der offenkundig überlasteten Bearbeiter.

Erst mit der Eingabe an den Wehrbeauftragten kam ab Monat 14 wieder Bewegung in meinen Fall. Mich dafür permanent öffentlich aufstellen und äußern zu müssen war eine weitere Belastung.

Konstruktiv? Kann ich!

Angesichts der Nachteile, die aus den o.g. Prozessen entstehen kann von einem Schutz geschädigter Antragsteller nicht die Rede sein.

Weder die Unterbesetzung der Verwaltung, noch “Besonderheiten” (bewusst) intransparenter Verfahren oder schlecht verwalteter Datensätze sind durch die erkrankten Personen zu verantworten. Die Folgen daraus machen krank, chronifizieren oder führen zum Totalzusammenbruch des Antragstellers oder der jeweiligen sozialen- und wirtschaftlichen Strukturen.

Um diese gravierenden Versäumnisse der letzten Jahrzehnte auszuräumen, braucht es vertretbare Bearbeitungszeiten der Anträge und parallel eine Absicherung der Antragsteller während des Verfahrens. Aktive Soldaten habe diese Probleme nicht – ehemalige Soldaten kollidieren mit zivilen Versorgungsroutinen.

Soldaten, die noch in der beruflichen Förderung nach der Dienstzeit sind und ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen haben riskieren ihre Existenz.

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Frag einen Soldaten: Dankbarkeit? (Frag ein Klischee)

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In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht Hyperbole TV die Beiträge zu “Frag ein Klischee – Frag einen Soldaten”. Die Redaktion hatte mich im Mai 2014 eingeladen und wie haben vor der Kamera eine Reihe von Klischeefragen beantwortet. Für mich war das damals aus mehreren Gründen sehr hilfreich – und es auch bis heute noch.

Zunächst, weil ich in den Gesprächen, die ich mit den Machern geführt habe unvoreingenommen behandelt wurde und auf Menschen getroffen bin, die immer ihr eigenes Bild vom “Soldaten” mit dem abgeglichen haben, was ich erzählte. Immmer im Bewusstsein, dass sie viele Klischeeantworten ohnehin bereits kennen und auch eine eigene vor-geprägte Sichtweise haben. Ich kann nicht sagen, für welche der beiden Seiten die Begegnung spannender war.

Ich schaue in unregelmäßigen Abständen in die Kommentare zu den Videos. Das ist nicht immer leicht, denn verletzende Worte oder sexistische Äußerungen sind immer wieder dabei. Schlimmer noch sind die “Schreihälse” die “echte Soldaten” sehen wollen … und die Vorstellungen, die ich mir über diese “kommentierenden Kampfmaschinen” dann mache.

Warum ich mir das dennoch antue, hat zwei Gründe. Zunächst erinnere ich mich sehr gut, an welchem Punkt der Aufarbeitung ich im Mai 2014 stand, als ich die Kischeefragen beantwortet habe. Seitdem ist viel passiert und ich bin auch in der Therapie gut voran gekommen. Ich würde sicherlich heute noch dieselben Antworten geben – an meiner Position zu den Inhalten hat sich nichts geändert. Aber der Leidensdruck, der damals darin steckte, reduziert sich immer mehr.

Es hilft sehr zu wissen, dass die kritische Position, die ich vertrete eine Öffentlichkeit hat, diskutiert wird und auch mir die Gelegenheit gibt zu sehen, ob ich Aspekte verständlich zum Ausdruck bringen kann, die Teil der Belastung ist. In den letzten zwei Tagen musste ich im Rahmen der Formalien bei der Einstellung in die Schutzzeit wieder auszugsweise über das reden, was die Erkrankung ausmacht und dazu geführt hat.

Es ist eine ganz andere Art von Schwierigkeit, die Themen den aktiven Soldaten zu schildern. Je nachdem, wie gefestigt die Person oder gereift die Persönlichkeit ist, bekomme ich entweder ehrliches Feedback oder eine “militärisch-dienstverhältnis-sozial-erwünschte” neutrale Haltung gespiegelt. Ich bin froh, dass ich die Zeiten in der Kaserne so gering, wie möglich halten kann – das ist alles nicht mehr meine Welt.

Momentan jedoch bin ich auf die Hilfe und die Absicherung durch die Schutzzeit angewiesen – sonst bleiben entweder Therapie oder berufliche Qualifikation auf der Strecke.


Dankbarkeit?

Mörder?

Ich kann die Reihe “Frag ein Klischee” übrigens auch zu vielen anderen Themen empfehlen, denn die Antworten sind nicht nur interessant und machen nachdenklich. Auch beim neuesten Beitrag zum Thema Depressionen kann ich nur sagen: “Authentisch. Echt. Und leider 100% treffend und wahr.”


Frag eine Depressive

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Schwupps… Chefsache

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Es waren mehr als nur gemischte Gefühle beim Weg heute in die Julius Leber Kaserne. Was würde mich erwarten?

„Schutzzeit“ – nicht nur neu für mich, sondern auch für (überwiegend) alle Beteiligten, denen ich heute auf den verschiedenen Stationen begegnet bin. Neben den Regularien der Einstellung und den übliche schriftlichen Belehrungen über korrektes Verhalten war vor allem der Arzttermin und die Station beim Berufsförderungsdienst fordernd.

Zum direkten Ansprechpartner erklärte sich der Chef des Stabes, der sich eine gute Dreiviertelstunde einen Eindruck von mir und meiner Zielsetzung zur Nutzung der Schutzzeit machen konnte.
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Bis um 10:00 Uhr habe ich heute den Personaloffizier beim Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr in der Julius Leber Kaserne aufzusuchen. Ich werde wohl so gegen 9 Uhr da sein, obwohl mir gerade eine Reihe von Alternativen einfällt, die ich jetzt und heute viel lieber erledigen würde. Dazu zählt neben der eigenen Steuererklärung gern auch die von meinen Lesern (gern auch mehrere Jahre) sowie ein paar Zahnwurzelbehandlungen ohne Betäubung.

Heute Abend oder am Nachmittag schreibe ich dann ein Update über die Abläufe des Tages.

Vor ziemlich genau einem Jahr kam es zu einer Diskussion auf Facebook, die just heute ein Like von einem Fremden erhalten hat (was für Zufälle). Das Filmzitat trage ich inhaltlich insoweit mit, als dass die Augen nicht mehr verschlossen werden können vor dem, was man gesehen hat. Interessant ist in der Rückschau, wer und in welchem Zusammenhang er / sie mir geraten hat, genau das zu tun.

Die Diskussion mit einem Freund spiegelt wieder, wie sehr sich die Kriegshandlung von der Wahrnehmung und willentlichen Unterstützung der Bevölkerung abgekoppelt hat.

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Die Bundeswehr, der Journalismus und ich

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Im Jahr 2010 habe ich begonnen das fortzusetzen, was ich in Anteilen schon zu Bundeswehrzeiten (zw. 2002 und 2008) getan habe. Die Arbeit in den Medien war dort bestenfalls PR-Arbeit und auf jeden Fall eine kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten, die der Dienstherr sich wünschte.

Mein Schritt in den Journalismus und die Entscheidung Onlinejournalismus zu studieren war davon geprägt, dass ich im September 2008 zum Schweigen verdonnert worden bin – ein Schweigen, das erst im Mai 2013 gänzlich brach. Der Bruch war ein Teil der Aufarbeitung, die ich in den letzten zwei Jahren ein gutes Stück voran gebracht habe.

Naiv – anders kann ich meinen Glauben daran nicht nennen, dass eine effektive Kontrolle des Parlamentes verhindert, dass die Bundeswehr ihr Handeln im Ausland vertuschen kann. In den Dienst eines Kämpferkultes habe ich mich nie gestellt. Auch nicht „Ja“ dazu gesagt über den Umgang mit Kriegsgefangenen zu schweigen oder mich der kritischen Frage nach ihrem Verbleib willentlich zu verschließen.

Diese Dinge dennoch erleben und durchleben zu müssen hat mich – neben einigen anderen Erfahrungen – geschädigt, traumatisiert und erkranken lassen. Der Friedensaktivist und Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann hat in seinem Buch „Niemals gegen das Gewissen“ eindrucksvoll beschrieben, welchen inneren Kampf, welche Zerissenheit die Folgen eines aufgezwungenen Handelns gegen das Gewissen bedeuten.

Defacto wurde mit dem Grundgesetz bei der Gründung der Bundesrepublik und der späteren Neuaufstellung einer Deutschen Armee ein Anspruch formuliert, dass solches Handeln gegen das Gewissen nie wieder vom Staat auferlegt werden darf. Doch es ist viel grau zwischen dem eindeutigen Schwarz und dem eindeutigen Weiß. Mich selbst darin wiederzufinden, damit auseinander setzen und mich letztlich neu vor mir selbst rechtfertigen zu müssen hat viel Kraft gekostet.

Es wäre unnötig gewesen, hätte es diese Lügen nicht gegeben.

Zum 16.03.2015 trete ich in eine sogenannte Schutzzeit ein. Ein Bundesdienstverhältnis, finanziert aus dem Einzeplan 14 – also dem Wehretat. Ziel dieser Schutzzeit ist es, mir Raum für gesundheitliche Rehabilitation und berufliche Eingliederung zu geben. An meinem Berufsziel hat sich nichts geändert.

Im Rahmen dieser Schutzzeit ist die Bundeswehr in der Pflicht, die beruflichen Qualifikationsmaßnahmen zu finanzieren und für meinen Lebensunterhalt zu sorgen, damit mir im Gegenzug Zeit und Raum bleibt, die gesundheitlichen Folgen aufzuarbeiten, die die letzten Jahre hinterlassen haben.

Formal jedoch gibt es ein Problem: ich unterliege dem Soldatengesetz, gelte als militärischer Vorgesetzter, denn ich bin in eine Hierarchie eingegliedert, die Dienstgrade definiert. Dazu zählen dann gewisse Verschwiegenheits- und Zurückhaltungspflichten in dienstlichen Belangen. Formalkorrekt ist jede Äußerung, die ich zu Bundeswehrthemen ab dem 16.03.2015 mache angreifbar.

Ich muss davon ausgehen, dass es Kräfte in den Reihen der Armee gibt, die darauf setzen werden oder durch „dezente Hinweise“ darauf drängen könnten, ich solle mich zu gewissen Themen nicht äußern.

Nun denn – ich werde es darauf ankommen lassen, denn ich bin nicht Teil des militärischen Apparates und nur zum Zwecke der beruflichen Qualifikation und gesundheitlichen Rehabilitation auf der Payroll.

Die Sorge der letzten Jahre um Genesung und darum, wie ich meine Familie ernähren kann weicht nun der Sorge, welche Repressalien mit der „Schutzzeit“ einher gehen. Wird versucht werden, auf meine laufende Therapie Einfluss zu nehmen? Werde ich – wie schon 2013 geschehen – zur Einnahme von Medikamenten gedrängt oder durch bewusste Falschinformationen über Art und Ablauf von Therapiemaßnahmen getäuscht?

Ich bin entschlossen, positiv und optimistisch zu bleiben. Doch letztlich werde ich keine Eingriffe in meine Autonomie mehr dulden, die politisch oder durch Militärinteressen motiviert sind.

Nötigen Falles erstreite ich mir das Recht auf eine Krankenversicherungslösung, die ohne die militärisch geprägte „Freie Heilfürsorge“ auskommt oder werde mich gänzlich frei finanzieren, wenn es um gesundheitliche Belange geht.

In den letzten zwei Jahren habe ich aufgrund der Kosten für Lebensführung, Therapie und Unterhaltsverpflichtungen Schulden aufgebaut, die ohne die Erkrankung und die damit einhergehenden Einschränkungen nicht entstanden werden. Diese werde ich im Laufe der Schutzzeit auch abbauen können.

Journalistisch werde ich in Bezug auf den Umgang mit mir weiter so öffentlich Verfahren, wie ich das im Blog „Wir-Dienten-Deutschland.de“ bisher getan habe. Demokratie und das Recht auf freie Meinungsäußerung dürften damit kein Problem haben – wenn sich die Bundeswehr dazu als inkompatibel beweisen will, bin ich der Institution dabei gerne behilflich.

Journalistisch werde ich weiterhin die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr, die Rüstungs- und Verteidigungspolitik sowie die damit verknüpften Auswüchse im Blick haben, begleiten und mich kritisch betätigen. Wenn es mir da mit unter an Sachlichkeit mangelt oder die Wut ein schlechter Berater sein möchte, gibt es immer noch das Mittel der Satire – so denn es bei den Entwicklungen entlang der Baustellen der Truppe überhaupt noch Bedarf an Überzeichnung gibt.

Journalistisch wird mein Engagement weiterhin antifaschistisch sein und wie in den Jahren zuvor ohne Gewalt gegen Personen oder Sachen auskommen.

Friedenspolitisch lehne ich Drohnen ebenso ab, wie die derzeitige deutsche Einbindung in das NATO-Bündnis, in dem nationale Alleingänge, die in Afghanistan und Pakistan für mich jegliches Maß verloren haben – so denn jemals maßvoll gehandelt wurde.

Der Apparat wird damit leben müssen einen scharfen Gegner auf der eigenen Payroll zu haben, ohne Einfluss ausüben zu können – es wird eine spannende Schutzzeit.

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Wiedereinstellung schriftlich – es kann besser werden

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Ein bisschen weiter, als bis zum Schnittbild in den 17:00 Uhr-Nachrichten (‪#‎NSAUA‬) muss ich es noch bringen, in diesem Journalismus. In den nächsten fünf bis acht Jahren habe ich nun zumindest die Möglichkeit.

Heute traf nach massivem Druck durch Öffentlichkeit und aus aus Kreisen der Politik nun endlich die schriftliche Bestätigung ein, dass die Schutzzeit am 16.03.2015 beginnt.

Meine Hauptaufgaben sind ab 16.03.2015 wieder der Abschluss des Studiums, sowie die Therapiemaßnahmen. Die normale Qualifikationshöhe für einen Bundeswehroffizier ist “Master-Abschluss”. Diesen werde ich anstreben.

Zeitgleich ist der Bundeswehr zu empfehlen, meine journalistische Arbeit nicht zu kompromittieren oder gar einschränken zu wollen. Der ‪#‎NSA‬-Untersuchungsausschuss wird ebenso Thema bleiben, die die Bereiche Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

Meine klare Positionierung gegen die Drohnenpolitik sowie die Aktivitäten im Bereich Whistleblower-Netzwerk e.V. , Darmstädter Signal e.V. und Veron
werden bleiben.

150305_NSAUA

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Förderlich ? Alles andere als …

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Erneut ist eine Woche vergangen, ohne Rechtssicherheit zu haben.

Klar ist:

Ich habe eine einsatzbedingte Schädigung – 30% – und erhalte eine monatliche Beschädigtenrente i.H.v. 129 Euro. Diese trifft auch ein. Laut telefonischer Vorabmeldung des zuständigen Bearbeiters soll eine Einstellung in die Schutzzeit erfolgen. Ich habe derzeit nichts schriftlich bestätigt bekommen. Weder per eMail, noch per Post.

10Minunten

Entlastung?

Derzeit hoffe ich darauf, dass die Zusage des 16.3.2015 verlässlich ist. Genau sagen kann ich das wohl erst am 17.03.2015 – das ist wohl der Grad an Zuverlässigkeit, der auf Basis meiner Erfahrungen angebracht ist. Auch, wenn sich erste Gedanken mit der Schutzzeit, dem Abschluss des Studiums und den dann folgenden Schritten befassen: ich verbiete mir Optimismus.

Vorabmitteilungen sind nicht bindend – die Inhalte von Telefonaten nicht belegbar und ob Unterlagen an meine richtige Adresse in Berlin gesendete werden oder an irgendeine der ehemaligen Adressen ist auch nicht verlässlich.

Auch der NDR hat es durchblickt und hat den heimlichen Werbefilm der Bundeswehr veröffentlicht mit einem Motto, was es auf dem Punkt bringt. Vom Gegenteil lasse ich mich gerne überzeugen … aber da fehlt noch einiges…

Wir können alles. Außer alles.

Wir können alles. Außer alles.

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Attraktivität, Bundeswehr und Kameradschaft

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Es passiert das, was absehbar war. Aktive und ehemalige Soldaten, sowie deren Angehörige, die sich durch mein Hinterfragen von Einsatzvorfällen in ihrer Welt offenbar empfindlich gestört fühlen gehen mich an.

Teilweise sind es Ehemalige, die nicht einmal offen legen wollen, was sie bei der Bundeswehr mal getan haben.

Teilweise stehen diese Menschen unter dem Eindruck von getöteten Soldaten aus dem direkten Umfeld und scheinen daher keinerlei Interesse mehr an Mitgefühl oder einem rechts-konformen Verhalten (Stichwort Genfer Konvention) gegenüber afghanischen Gefangenen zu haben.

Mit Veteranen jammern ist in Ordnung – Menschenrechtsverletzungen kritisieren ist unerwünscht.

Meine Abkehr von der Bundeswehr war und ist die richtige Entscheidung – dass nun die Therapie und Eingliederung finanziert werden muss ist im Rahmen der Fürsorgeverpflichtung.

Es ist definitiv aber kein Grund, weshalb ich auf Knien danken müsste.

Es ist auch kein Schweigegeld, was die Forderung an mich rechtfertigt die Klappe über Missstände zu halten.

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(unredacted) Entwarnung? Schutzzeit erreicht?

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Heute erfolgte der Anruf vom zuständigen Bearbeiter, der nun die weiteren Verwaltungsschritte einleitet, um mich in die sogenannte Schutzzeit einzustellen. Mir liegt weiterhin nichts Schriftliches vor, aber er kündigte an, die entsprechenden Unterlagen auch vorab per eMail zu übersenden. Angeblicher Einstellungstermin in die Schutzzeit: 16.03.2015

Schutzzeit – was ist das ?

In erster Linie ist es die Zeit, die für die Regeneration, Therapie und berufliche Qualifikation nötig ist. Mir wurde zugesichert, nur dann in „Dienst“ genommen zu werden, wenn ich dass entweder explizit wünsche oder wenn ich gerade nicht in einer beruflichen Qualifikationsmaßname stecke.

Da ich mir kaum eine Konstellation innerhalb der militärischen Strukturen vorstellen kann, die sich förderlich auf meine Gesundheit auswirkt, werde ich die Zeit effektiv nutzen oder gegebenen Falles um eine Krankschreibung bitten.

Stressbilanz

Im Rahmen der Therapiestunden kamen wir heute auf die Belastungen der letzten zwei Jahre zu sprechen:

April 2013
– Diagnose einsatzbedingte Erkrankung
– Beginn der Auseinandersetzung mit den Krankheitssymptomen
– Antragstellung Wehrdienstbeschädigungsverfahren
– Aufarbeitung 27.09.2008 mit Linksfraktion Bundestag

Juni 2013
– Existenzdruck – HARTZ4-Absturz drohte nach Fehlberatung durch Sozialdienst
– Versuch 1 eine stationäre Therapie anzutreten (abgebrochen wegen Falschinfos Bundeswehrarzt)
– Versuch 2 eine stationäre Therapie anzutreten (abgebrochen wegen Falschinfos Bundeswehrarzt)

Juli 2013
– Antritt Stationäre Therapie – Lernprogramm: „Depressionen, dein Leben und Du“
(Entlastung ab August 2013 durch Verlängerung der Förderzeit aufgrund von Erkrankung)

Dezember 2013

– Drohkulisse „Adlongespräch Dezember 2013“
– Themenverbot „Afghanistan“ durch damalige Redaktion,
– spürbare Reduzierung von Aufgaben in der Redaktion

Februar 2014
– Aussprache und Jobverlust Redaktionsjob wegen angeblicher „Befangenheit“

April / Mai 2014
– Jobsuche (Job 1) und Einarbeitung Piratenfraktion
– Therapieabbruch Gesprächstherapie
– Existenzdruck – Krankenversicherung & offenes Wehrdienstbeschädigungsvefahren

Juni 2014
– Scheidung
– Jobsuche (Job2) und Einarbeitung
– Auskunft über Stand des Wehrdienstbeschädigungsverfahrens gegenüber meinem Anwalt wird verweigert („Es wird auch nicht schneller, wenn sie hier anrufen)

September 2014

– Druck vom Unterhaltssicherungsamt (Bewerbungszwang, Abbruch des Studiums drohte)

Dezember 2014

– Jobverlust Job 1 „Piratenfraktion“ mangels Leistungsfähigkeit
– Scheitern des Versuches, an fehlender Kursleistung Studium zu arbeiten

All das wurde dadurch begleitet, dass ich mittels eines Studienkredites der Kreditanstalt für Wiederaufbau dafür sorge getragen habe, weiterhin Unterhalt für die Kinder zahlen zu können oder zumindest im Notfall die Miete für meine Wohnung aufbringen zu können. Dabei steigt der Schuldenstand und ich habe letztlich die Privatinsolvenz riskiert.

In den vorangegangenen drei Jahren nahmen die Depressionen zu, die Ehe scheiterte und der Druck aus „Abschluss schaffen müssen“ und Reaktionen auf Vorfälle in Afghanistan wurde immer größer. Es wurde ab Anfang 2010 immer schwieriger – auslösendes Moment war die steigende Zahl an Vorfällen in Afghanistan, bei denen deutsche Soldaten getötet wurden.

„Nur“ 2 Jahre für ein WDB-Verfahren?

Mir sind keine Statistiken über die Anzahl offener Wehrdienstbeschädigungsverfahren bekannt. Angesichts der Umstrukturierungsmaßnahmen (Bundeswehr übernimmt derzeit die Fälle der Landesversorgungsämter) dürfte es vermutlich auch keinen wirklichen Überblick darüber geben, wie viele Ex-Soldaten momentan um ihre Existenz kämpfen und zwischen Gutachtern und Ämtern zerrieben werden.

Ich landete nur deswegen nicht in HARTZ4, weil ich durch einen anonymen Hinweisgeber im Juli 2013 zunächst von der Möglichkeit der Verlängerung der Förderzeit aufgrund der Erkrankung erfahren habe.

Ohne den öffentlichen Umgang mit der Erkrankung wäre ich an diese Informationen nicht gekommen. Auch die von mir immer wieder herangezogene Unterstützungs-Instanz des Wehrbeaufragten wirkte sich positiv aus.

Nach der öffentlich gemachten Fehlberatung durch den Sozialdienst (Mai 2013) erhielt ich eine Intensivst-Einführung in alle Optionen, die ich noch aus der Berufsförderungsphase hätte ziehen können. Inklusive eines möglichen Einarbeitungszuschuss wurde alles aufgezeigt, was an Anspruch möglich gewesen wäre.

Im Juli / August 2014 wird erneut der PTBS-Beauftragte auf mich aufmerksam, nachdem nun der/die Fallmanager/in des Bund Deutscher Veteranen auf mich aufmerksam geworden ist. Kontakte zum BDV exisitierten zwar seit 2013 – aber wirklich „warm“ wurde ich mit dem Verein nicht.

Die Öffentlichkeit, die ich mit meinem Blog versuchte herzustellen wurde nicht wirklich unterstützt. Mir hätte es gereicht, wenn Beiträge meines Blogs z.B. via Facebook weiterverbreitet worden wären. Gerade ein Beitrag schaffte es in den Blog des BDV.

Auch seitens des Anwalts war wenig Elan erkennbar. Nachdem ich über ein Jahr nach der Antragsstellung im Juni 2014 wohl zur Karteileiche wurde, konnte auf Nachfrage des Anwaltes nicht einmal ein Bearbeitungsstand oder Forderungen zur Mitwirkung an mich in Erfahrung gebracht werden. Die Akte sei unterwegs – nachfragen würde das auch nicht beschleunigen. Erste Spuren der Akte gab es dann Ende Juli 2014. Abhilfe schuf der Wehrbeauftragte.

Im Rahmen des Existenzdrucks wollte ich von dieser Instanz auch wissen, was von der Kritik zu halten ist, die ich am System Bundeswehr seit Jahren übte. Das „dumpfe Gefühl“ das ich an einigen Stellen ausgebremst werde hatte sich seit dem Themenverbot und Jobverlust deutlich verstärkt.

Rückmeldung zu dieser Anfrage: bis heute keine.

Mehr Druck erzeugte dann der PTBS-Beauftragte ab September 2014, erreichte eine zeitnahe Begutachtung und einen zügigen Abschuss des Verfahrens binnen dann doch 22 Monaten bis zur Anerkennung der Einsatzschädigung und 23,5 Monate nach Diagnose die Einstellung in die Schutzzeit.

Öffentlicher Druck als Mittel zu schnellen Anerkennung der WDB ?

Es waren 11 Tage, die ich nach der Diagnose am 3. April 2013 überlegte, bevor ich mich entschloss, die Aufarbeitung öffentlich durch das Blog zu begleiten. Aus den Schilderungen von Andreas Timmermann Levanas und Robert Sedlatzek-Müller wusste ich, was im Laufe der kommenden Jahre auf mich zu kommen würde.

Jeder Soldat der schweigt läuft Gefahr am ausgestreckten Arm der Verwaltung abzurutschen. Insbesondere, wenn der Einsatzunfall erst im Laufe des WDB-Verfahrens festgestellt werden. An der Feststellung der „Kausalität“ hat die Bundeswehr wenig Interesse. Ich sah nach meiner Entlassung aus der stationären Therapie um den 10. August 2013 erst wieder am 10. November 2014 einen Bundeswehrarzt, der an einem Gutachten arbeitete.

Was zwischen diesen Terminen mit meiner Akte lief werde ich wohl nicht erfahren. Vermutlich wäre auch heute noch keine weitere Bearbeitung erfolgt, wenn ich nicht ab Juli 2014 eskaliert hätte.

Hilfreicher, als die Gesprächstherapie, die zwischen Juni 2013 und Mai 2014 gelaufen ist, war die Zusammenarbeit mit Medienmachern hier in Berlin (zB. Kieke Ma-Film oder Hyperbole-TV mit „Frag ein Klischee – Frag einen Soldaten“). Ich wurde mir in den Interviews über vieles bewusst, was vorher stets unausgesprochen blieb.

Das ich zu alldem in der Lage war interpretieren manche Kritiker als „der hat doch gar nichts“. Andere Menschen zeigen sich beeindruckt, sagen deutlich, dass sie das nicht könnten oder schlichtweg für sich nicht wollen.

Auch mir fiel es über Jahre schwer, die Probleme überhaupt zu erkennen, sie mir einzugestehen. Der Druck das Studium abschließen zu müssen verschob den Zeitpunkt des „Hilfe suchens“ von Juli 2012 (Gespräch mit Studiengangsleitung) auf März 2013, als ich mit Angriff auf die Seele Kontakt aufgenommen habe.

Die öffentliche Aufarbeitung muss jedem Betroffenen selbst überlassen sein. Das es in meinem Fall positiv ausging verdanke ich rund 10 Jahren Erfahrung in der Medienarbeit, Grundkenntnissen im Bereich der Psychologie und einem Überblick über das Medium Online, dass ich für diese Aufarbeitung nutzte.

Facebook und Twitter waren aber nicht nur hilfreich. Bedrohungen und das ständige „In-Frage-Stellen“ spielten dabei eine gefährliche Rolle. Wer sich der Mechanismen dieser Medien nicht bewusst ist, geht unter. Auch meine Durchhaltefähigkeit war zuletzt nicht mehr gegeben. Zwischen Ende Dezember 2014 und Anfang Februar 2015 schaltete ich meinen Facebook-Account temporär ab. Ein Mittel, das auch in den kommenden Monaten häufiger zur Anwendung kommen wird.

Sich so öffentlich zu Verhalten kann ich nicht jedem empfehlen – für mich war es der Weg den inneren Druck loszuwerden, an dem ich sonst zerbrochen wäre.

Tun, was gut tut

Ein wichtiger Aspekt war auch die Distanzierung von dem Schweigen, das mir über den 27.09.2008 auferlegt worden ist. Mit offenen Briefen und Videos hatte ich es aus eigener Kraft versucht. Dem wurde mit Schweigen begegnet. Das Urteil anderer zu den Inhalten direkt mit zu bekommen half mehr, als die Therapiesitzungen des vorangegangenen Jahres.

Weder die Bundeswehrärzte wollten über den 27.09.2008 en Detail reden, noch hatte die Therapeutin genügend politisches Interesse, um zu erkennen, welche Probleme mir dieser Tag bereitete. Auch den Aspekt des „einem Vorgesetzen und seiner dummen Willkür ausgeliefert seins im folgneden kurz „eVusdWas“ konnte sie nicht wirklich begegnen.

„eVusdWas“ war und ist ein Problem. Ich bin weiterhin kaum in der Lage autoritäre Einflüsse auf mein Leben zuzulassen. Je größer der Eingriff, desto heftiger meine Reaktion. Immerhin funktioniere ich derzeit im Job und komme Stück-für-Stück auch mit Vorgesetzenreaktionen zu recht. In wieweit ich das im Rahmen der Bachelorarbeit aushalten kann, kann ich derzeit nicht sagen.

In begrenztem Rahmen war ich in den letzten Monaten in der Lage in „Job 2“ zu funktionieren und Weisungen zu akzeptieren. Das erforderte viel Überwindung. In „Job 1“ habe ich das nicht bewerkstelligt.

Finanziell überleben

Vereinzelte Hilfszahlungen (Januar 2014 und Q4/2014) wurden durch Stiftungen aus dem Umfeld der Bundeswehr geleistet. Meist zu Zeitpunkten, an denen ich aus eigener Kraft nur noch in der Lage war, den Grundunterhalt für mich aufzubringen.

Die Finanzspritze im Januar 2014 nutzte ich unter anderem, um die Zeit ohne Job und Einkommen daraus bis Mai 2014 zu überbrücken. Gleichzeitig schaffte ich Computer, Videokamera, Software und Audioaufnahmegerät für eine freie journalistische Tätigkeit an. Doch neben Therapie und dem Druck, den das nicht abgeschlossene Studium auf mich ausübt agierte ich nicht wirklich.

Die finanzielle Unterstützung zwischen Oktober 2014 und Ende Januar 2015 nutzte ich zunächst, um die Arbeitszeit im Oktober, November und Dezember zugunsten von Therapie- und Coachingmaßnahmen zu reduzieren. Die Kosten dafür konnte ich ebenfalls nur aufgrund der finanziellen Unterstützung tragen.

Zwischen Ende Mai 2014, als die Maßnahme „Gesprächstherapie“ scheiterte und Ende September 2014 hatte ich wegen der diffusen Krankenversicherungssituation keine neue Therapie begonnen.

Mit der finanziellen Unterstützung während der Schutzzeit bin ich nun in der Lage den Unterhalt für meine Kinder zu zahlen sowie auch den Studienkredit abzutragen, der ursprünglich mal für 6 bis 8 Monate geplant war, nun aber seit über zwei Jahren läuft.
Ironie: die Bundeswehr lehnte die finanzielle Förderung meines Bachelor-Abschlussprojektes ab und veranlasste mich dazu, das über den Studienkredit lösen zu wollen. Noch vor der ersten Zahlung kamen jedoch die WAZ-Leak zu den Afghanistanpapieren, warfen mich in die Einsatzerlebnisse zurück und hielten mich bis zur Veröffentlichung im Tagesspiegel am 7. Oktober 2014 im Rahmen der „Afghanistan-Connection“ in ihren Bann.

Dieser Kredit war in den letzten sechs Monaten neben Job 2 das finanzielle Rückgrat und im August 2013 zumindest die Gewissheit, dass ich die Wohnung nicht verlieren würde. Ich war nach Abschluss der stationären Therapie kaum in der Lage, meinen Alltag zu bewältigen.

Struktur schaffen

Zwischen September 2013 und Dezember 2013 nutzte ich einen 100-Tage-Protest, um mich täglich eine Stunde dazu aufzuraffen, das Haus zu verlassen. Neben dem damaligen Redaktionsjob, der mich mit rund 2 Stunden forderte war das die einzige Maßnahme, die für einen geregelten Tagesablauf sorgte. Mehr war nach der stationären Therapie nicht drin.

Im Juni 2014 nahm ich das Thema NSA-Untersuchungsausschuss auf, um journalistisch aktiv zu bleiben und in einen Arbeitsrhythmus für die Bachelorarbeit zu gelangen. Die drei bis vier Sitzungs- und Arbeitstage, sowie der Besuch von Veranstaltungen, die mit dem Thema zu tun haben konnte ich im Oktober und November gut bewältigen.

Neben Job 2, der zur Grundsicherung unerlässlich ist war ich zumindest in diesem Bereich auch intellektuell gefordert und belastbar.

2 Jahre und das Studium immer noch nicht fertig?

In den vergangenen zwei Jahren hatte ich zwei Gespräche mit meinem Professor, wie die letzten Leistungen zu erbringen sind und wie die Bachelorarbeit angegangen werden kann. Doch neben der Therapiemaßnahmen und dem beschriebenen Einflussfaktoren schaffte ich es nicht – wie angeraten – mich einfach sechs bis acht Wochen voll auf die Bachelorarbeit zu konzentrieren.

Die finanzielle Grundversorgung wackelte im Mai / Juni 2013 (krankheitsbedingte Verlängerung Förderzeit erst ab August 2013) , Februar 2014 (Jobverlust Redaktionsjob – Folgejob April 2014), Juni 2014 (Unklare Einkommenslage und Krankenversicherung) und zuletzt heftig im Januar / Februar 2015.

Der Existenzdruck wirft mich aus der Bahn. Leider immer noch. Aber glücklicherweise nicht mehr so heftig, wie zuvor.

Im Juni 2013 war ich zeitweise nicht mehr in der Lage, das Haus zu verlassen, lag zitternd und teilnahmslos auf dem Sofa, wenn die Anspannung zu groß wurde. In der Phase der letzten sechs Wochen hielt ich meine Kräfte für den „Job 2“ zurück, der nun der einzige Job ist.

Das Einkommen reicht mit dem Studienkredit für das eigene Überleben. Verzichte ich auf die Zahlung der Krankenversicherung kann ich sogar Unterhalt zahlen. Tragfähig? Nein. Raum für Therapie und Coaching lässt diese Situation ebenso wenig, wie für den geordneten Abschluss des Bachelorstudiums.

Im Januar und Februar 2015 zog ich mich erneut extrem auch von meinem Freundeskreis zurück, um unter dem Druck zu funktionieren. Druck und Funktionieren, dass bedeutete in dieser Zeit die Körperhygiene aufrecht zu erhalten, mit gewaschenen Klamotten rechtzeitig das Haus zu verlassen, um dann zuverlässig zu arbeiten, statt heulend am PC zusammenzubrechen.

Tränendrüse ?

Es geht mir nicht um Mitleid. Mehrfach hörte ich in letzter Zeit, dass Menschen sich schon mit einzelnen Aspekten (z.B. unsicherere Jobsituation) gefordert zeigten. Bis Ende Januar 2015 wackelte nicht nur mein Einkommen, sondern auch der Zugang zur Krankenversicherung. Das ganze ohne Perspektive, weil der Studienabschluss fehlt, eine Therapie mangels Aussicht auf Geld und ohne Anerkennung der Einsatzschädigung nicht mehr zu bezahlen war und zeitgleich Forderungen an mich gestellt wurden, die für einen gesunden Menschen mit Berufsabschluss gedacht sind.

Die vergangenen zwei Jahre, in denen ich mit der Aufarbeitung der Einsätze einen gewaltigen Schritt voran gekommen bin, war die Arbeit an einer tragfähigen Existenz nicht möglich. Auf dem Weg der Behandlung ist zumindest die kognitive Erfassung der belastenden Ereignisse abgeschlossen.

Im Rahmen der laufenden Traumatherapie lerne ich derzeit mit Hilfe von Körperübungen die Auswirkungen des Stresses in den Griff zu bekommen und auch körperlich die Balance zu finden, die ich in Bezug auf die Einsatzzeit erreicht habe.

Wichtig wird auch, wieder Selbstvertrauen in die eigene Arbeit zu erlangen. Den Verlust des Redaktionsjobs im Februar 2014, der bis heute nicht schlüssig erklärt wurde kann ich nur noch als Mobbing deuten.

Inhalte wurden nicht gewünscht, nicht mitgetragen und dann mit „Du bist befangen“ negiert, ohne, dass ich überhaupt auf eine Veröffentlichung bestanden hätte. Präventiv mit Themenverbot belegt zu werden war zu viel.

Ausblick

Im Telefongespräch eröffnete mir der Bearbeiter heute, dass die Einstellung in die Schutzzeit zum 16.03.2015 nicht mit der Teilnahme am militärischen Dienst verbunden ist, solange ich mich in beruflichen Qualifikationsmaßnahmen befinde.

Nach dem Abschluss der Bachelorarbeit werde ich ein Masterstudium aufnehmen. Die Qualifikationshöhe ist nach 12 Jahren Dienstzeit in der Offizierlaufbahn vorgesehen.

Parallel laufen Therapie und Coachingmaßnahmen. Sollte die Bundeswehr die heiltherapeutische Methode nicht unterstützen, die mich seit September 2014 sehr gut voran bringt, ist zumindest mit der verlässlichen Zahlung des Gehalts gesichert, dass ich die Therapie fortsetzen kann.

Diesen Weg werde ich selbstbestimmt gehen – so, wie die letzten zwei Jahre ebenfalls. Auf die Launen des Apparates lasse ich mich nicht ein.

Ziel

In wie weit ich die Stressreaktionen im Bereich von autoritär induziertem oder existenzbedrohendem Stress in den Griff bekomme, kann ich derzeit nicht absehen. Ich entwickele langsam ein Bewusstsein für die Auswirkungen und für hilfreiche Gegenmaßnahmen. Präventiv, wie auch in den Fällen, in denen ich wieder zu lange unter Stress gestanden habe. In den kommenden fünf Jahren gilt es, Reserven aufzufüllen, die sich derzeit anfühlen, als seien sie nicht mehr existent.

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