Attraktivität, Bundeswehr und Kameradschaft

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Es passiert das, was absehbar war. Aktive und ehemalige Soldaten, sowie deren Angehörige, die sich durch mein Hinterfragen von Einsatzvorfällen in ihrer Welt offenbar empfindlich gestört fühlen gehen mich an.

Teilweise sind es Ehemalige, die nicht einmal offen legen wollen, was sie bei der Bundeswehr mal getan haben.

Teilweise stehen diese Menschen unter dem Eindruck von getöteten Soldaten aus dem direkten Umfeld und scheinen daher keinerlei Interesse mehr an Mitgefühl oder einem rechts-konformen Verhalten (Stichwort Genfer Konvention) gegenüber afghanischen Gefangenen zu haben.

Mit Veteranen jammern ist in Ordnung – Menschenrechtsverletzungen kritisieren ist unerwünscht.

Meine Abkehr von der Bundeswehr war und ist die richtige Entscheidung – dass nun die Therapie und Eingliederung finanziert werden muss ist im Rahmen der Fürsorgeverpflichtung.

Es ist definitiv aber kein Grund, weshalb ich auf Knien danken müsste.

Es ist auch kein Schweigegeld, was die Forderung an mich rechtfertigt die Klappe über Missstände zu halten.

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(unredacted) Entwarnung? Schutzzeit erreicht?

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Heute erfolgte der Anruf vom zuständigen Bearbeiter, der nun die weiteren Verwaltungsschritte einleitet, um mich in die sogenannte Schutzzeit einzustellen. Mir liegt weiterhin nichts Schriftliches vor, aber er kündigte an, die entsprechenden Unterlagen auch vorab per eMail zu übersenden. Angeblicher Einstellungstermin in die Schutzzeit: 16.03.2015

Schutzzeit – was ist das ?

In erster Linie ist es die Zeit, die für die Regeneration, Therapie und berufliche Qualifikation nötig ist. Mir wurde zugesichert, nur dann in „Dienst“ genommen zu werden, wenn ich dass entweder explizit wünsche oder wenn ich gerade nicht in einer beruflichen Qualifikationsmaßname stecke.

Da ich mir kaum eine Konstellation innerhalb der militärischen Strukturen vorstellen kann, die sich förderlich auf meine Gesundheit auswirkt, werde ich die Zeit effektiv nutzen oder gegebenen Falles um eine Krankschreibung bitten.

Stressbilanz

Im Rahmen der Therapiestunden kamen wir heute auf die Belastungen der letzten zwei Jahre zu sprechen:

April 2013
– Diagnose einsatzbedingte Erkrankung
– Beginn der Auseinandersetzung mit den Krankheitssymptomen
– Antragstellung Wehrdienstbeschädigungsverfahren
– Aufarbeitung 27.09.2008 mit Linksfraktion Bundestag

Juni 2013
– Existenzdruck – HARTZ4-Absturz drohte nach Fehlberatung durch Sozialdienst
– Versuch 1 eine stationäre Therapie anzutreten (abgebrochen wegen Falschinfos Bundeswehrarzt)
– Versuch 2 eine stationäre Therapie anzutreten (abgebrochen wegen Falschinfos Bundeswehrarzt)

Juli 2013
– Antritt Stationäre Therapie – Lernprogramm: „Depressionen, dein Leben und Du“
(Entlastung ab August 2013 durch Verlängerung der Förderzeit aufgrund von Erkrankung)

Dezember 2013

– Drohkulisse „Adlongespräch Dezember 2013“
– Themenverbot „Afghanistan“ durch damalige Redaktion,
– spürbare Reduzierung von Aufgaben in der Redaktion

Februar 2014
– Aussprache und Jobverlust Redaktionsjob wegen angeblicher „Befangenheit“

April / Mai 2014
– Jobsuche (Job 1) und Einarbeitung Piratenfraktion
– Therapieabbruch Gesprächstherapie
– Existenzdruck – Krankenversicherung & offenes Wehrdienstbeschädigungsvefahren

Juni 2014
– Scheidung
– Jobsuche (Job2) und Einarbeitung
– Auskunft über Stand des Wehrdienstbeschädigungsverfahrens gegenüber meinem Anwalt wird verweigert („Es wird auch nicht schneller, wenn sie hier anrufen)

September 2014

– Druck vom Unterhaltssicherungsamt (Bewerbungszwang, Abbruch des Studiums drohte)

Dezember 2014

– Jobverlust Job 1 „Piratenfraktion“ mangels Leistungsfähigkeit
– Scheitern des Versuches, an fehlender Kursleistung Studium zu arbeiten

All das wurde dadurch begleitet, dass ich mittels eines Studienkredites der Kreditanstalt für Wiederaufbau dafür sorge getragen habe, weiterhin Unterhalt für die Kinder zahlen zu können oder zumindest im Notfall die Miete für meine Wohnung aufbringen zu können. Dabei steigt der Schuldenstand und ich habe letztlich die Privatinsolvenz riskiert.

In den vorangegangenen drei Jahren nahmen die Depressionen zu, die Ehe scheiterte und der Druck aus „Abschluss schaffen müssen“ und Reaktionen auf Vorfälle in Afghanistan wurde immer größer. Es wurde ab Anfang 2010 immer schwieriger – auslösendes Moment war die steigende Zahl an Vorfällen in Afghanistan, bei denen deutsche Soldaten getötet wurden.

„Nur“ 2 Jahre für ein WDB-Verfahren?

Mir sind keine Statistiken über die Anzahl offener Wehrdienstbeschädigungsverfahren bekannt. Angesichts der Umstrukturierungsmaßnahmen (Bundeswehr übernimmt derzeit die Fälle der Landesversorgungsämter) dürfte es vermutlich auch keinen wirklichen Überblick darüber geben, wie viele Ex-Soldaten momentan um ihre Existenz kämpfen und zwischen Gutachtern und Ämtern zerrieben werden.

Ich landete nur deswegen nicht in HARTZ4, weil ich durch einen anonymen Hinweisgeber im Juli 2013 zunächst von der Möglichkeit der Verlängerung der Förderzeit aufgrund der Erkrankung erfahren habe.

Ohne den öffentlichen Umgang mit der Erkrankung wäre ich an diese Informationen nicht gekommen. Auch die von mir immer wieder herangezogene Unterstützungs-Instanz des Wehrbeaufragten wirkte sich positiv aus.

Nach der öffentlich gemachten Fehlberatung durch den Sozialdienst (Mai 2013) erhielt ich eine Intensivst-Einführung in alle Optionen, die ich noch aus der Berufsförderungsphase hätte ziehen können. Inklusive eines möglichen Einarbeitungszuschuss wurde alles aufgezeigt, was an Anspruch möglich gewesen wäre.

Im Juli / August 2014 wird erneut der PTBS-Beauftragte auf mich aufmerksam, nachdem nun der/die Fallmanager/in des Bund Deutscher Veteranen auf mich aufmerksam geworden ist. Kontakte zum BDV exisitierten zwar seit 2013 – aber wirklich „warm“ wurde ich mit dem Verein nicht.

Die Öffentlichkeit, die ich mit meinem Blog versuchte herzustellen wurde nicht wirklich unterstützt. Mir hätte es gereicht, wenn Beiträge meines Blogs z.B. via Facebook weiterverbreitet worden wären. Gerade ein Beitrag schaffte es in den Blog des BDV.

Auch seitens des Anwalts war wenig Elan erkennbar. Nachdem ich über ein Jahr nach der Antragsstellung im Juni 2014 wohl zur Karteileiche wurde, konnte auf Nachfrage des Anwaltes nicht einmal ein Bearbeitungsstand oder Forderungen zur Mitwirkung an mich in Erfahrung gebracht werden. Die Akte sei unterwegs – nachfragen würde das auch nicht beschleunigen. Erste Spuren der Akte gab es dann Ende Juli 2014. Abhilfe schuf der Wehrbeauftragte.

Im Rahmen des Existenzdrucks wollte ich von dieser Instanz auch wissen, was von der Kritik zu halten ist, die ich am System Bundeswehr seit Jahren übte. Das „dumpfe Gefühl“ das ich an einigen Stellen ausgebremst werde hatte sich seit dem Themenverbot und Jobverlust deutlich verstärkt.

Rückmeldung zu dieser Anfrage: bis heute keine.

Mehr Druck erzeugte dann der PTBS-Beauftragte ab September 2014, erreichte eine zeitnahe Begutachtung und einen zügigen Abschuss des Verfahrens binnen dann doch 22 Monaten bis zur Anerkennung der Einsatzschädigung und 23,5 Monate nach Diagnose die Einstellung in die Schutzzeit.

Öffentlicher Druck als Mittel zu schnellen Anerkennung der WDB ?

Es waren 11 Tage, die ich nach der Diagnose am 3. April 2013 überlegte, bevor ich mich entschloss, die Aufarbeitung öffentlich durch das Blog zu begleiten. Aus den Schilderungen von Andreas Timmermann Levanas und Robert Sedlatzek-Müller wusste ich, was im Laufe der kommenden Jahre auf mich zu kommen würde.

Jeder Soldat der schweigt läuft Gefahr am ausgestreckten Arm der Verwaltung abzurutschen. Insbesondere, wenn der Einsatzunfall erst im Laufe des WDB-Verfahrens festgestellt werden. An der Feststellung der „Kausalität“ hat die Bundeswehr wenig Interesse. Ich sah nach meiner Entlassung aus der stationären Therapie um den 10. August 2013 erst wieder am 10. November 2014 einen Bundeswehrarzt, der an einem Gutachten arbeitete.

Was zwischen diesen Terminen mit meiner Akte lief werde ich wohl nicht erfahren. Vermutlich wäre auch heute noch keine weitere Bearbeitung erfolgt, wenn ich nicht ab Juli 2014 eskaliert hätte.

Hilfreicher, als die Gesprächstherapie, die zwischen Juni 2013 und Mai 2014 gelaufen ist, war die Zusammenarbeit mit Medienmachern hier in Berlin (zB. Kieke Ma-Film oder Hyperbole-TV mit „Frag ein Klischee – Frag einen Soldaten“). Ich wurde mir in den Interviews über vieles bewusst, was vorher stets unausgesprochen blieb.

Das ich zu alldem in der Lage war interpretieren manche Kritiker als „der hat doch gar nichts“. Andere Menschen zeigen sich beeindruckt, sagen deutlich, dass sie das nicht könnten oder schlichtweg für sich nicht wollen.

Auch mir fiel es über Jahre schwer, die Probleme überhaupt zu erkennen, sie mir einzugestehen. Der Druck das Studium abschließen zu müssen verschob den Zeitpunkt des „Hilfe suchens“ von Juli 2012 (Gespräch mit Studiengangsleitung) auf März 2013, als ich mit Angriff auf die Seele Kontakt aufgenommen habe.

Die öffentliche Aufarbeitung muss jedem Betroffenen selbst überlassen sein. Das es in meinem Fall positiv ausging verdanke ich rund 10 Jahren Erfahrung in der Medienarbeit, Grundkenntnissen im Bereich der Psychologie und einem Überblick über das Medium Online, dass ich für diese Aufarbeitung nutzte.

Facebook und Twitter waren aber nicht nur hilfreich. Bedrohungen und das ständige „In-Frage-Stellen“ spielten dabei eine gefährliche Rolle. Wer sich der Mechanismen dieser Medien nicht bewusst ist, geht unter. Auch meine Durchhaltefähigkeit war zuletzt nicht mehr gegeben. Zwischen Ende Dezember 2014 und Anfang Februar 2015 schaltete ich meinen Facebook-Account temporär ab. Ein Mittel, das auch in den kommenden Monaten häufiger zur Anwendung kommen wird.

Sich so öffentlich zu Verhalten kann ich nicht jedem empfehlen – für mich war es der Weg den inneren Druck loszuwerden, an dem ich sonst zerbrochen wäre.

Tun, was gut tut

Ein wichtiger Aspekt war auch die Distanzierung von dem Schweigen, das mir über den 27.09.2008 auferlegt worden ist. Mit offenen Briefen und Videos hatte ich es aus eigener Kraft versucht. Dem wurde mit Schweigen begegnet. Das Urteil anderer zu den Inhalten direkt mit zu bekommen half mehr, als die Therapiesitzungen des vorangegangenen Jahres.

Weder die Bundeswehrärzte wollten über den 27.09.2008 en Detail reden, noch hatte die Therapeutin genügend politisches Interesse, um zu erkennen, welche Probleme mir dieser Tag bereitete. Auch den Aspekt des „einem Vorgesetzen und seiner dummen Willkür ausgeliefert seins im folgneden kurz „eVusdWas“ konnte sie nicht wirklich begegnen.

„eVusdWas“ war und ist ein Problem. Ich bin weiterhin kaum in der Lage autoritäre Einflüsse auf mein Leben zuzulassen. Je größer der Eingriff, desto heftiger meine Reaktion. Immerhin funktioniere ich derzeit im Job und komme Stück-für-Stück auch mit Vorgesetzenreaktionen zu recht. In wieweit ich das im Rahmen der Bachelorarbeit aushalten kann, kann ich derzeit nicht sagen.

In begrenztem Rahmen war ich in den letzten Monaten in der Lage in „Job 2“ zu funktionieren und Weisungen zu akzeptieren. Das erforderte viel Überwindung. In „Job 1“ habe ich das nicht bewerkstelligt.

Finanziell überleben

Vereinzelte Hilfszahlungen (Januar 2014 und Q4/2014) wurden durch Stiftungen aus dem Umfeld der Bundeswehr geleistet. Meist zu Zeitpunkten, an denen ich aus eigener Kraft nur noch in der Lage war, den Grundunterhalt für mich aufzubringen.

Die Finanzspritze im Januar 2014 nutzte ich unter anderem, um die Zeit ohne Job und Einkommen daraus bis Mai 2014 zu überbrücken. Gleichzeitig schaffte ich Computer, Videokamera, Software und Audioaufnahmegerät für eine freie journalistische Tätigkeit an. Doch neben Therapie und dem Druck, den das nicht abgeschlossene Studium auf mich ausübt agierte ich nicht wirklich.

Die finanzielle Unterstützung zwischen Oktober 2014 und Ende Januar 2015 nutzte ich zunächst, um die Arbeitszeit im Oktober, November und Dezember zugunsten von Therapie- und Coachingmaßnahmen zu reduzieren. Die Kosten dafür konnte ich ebenfalls nur aufgrund der finanziellen Unterstützung tragen.

Zwischen Ende Mai 2014, als die Maßnahme „Gesprächstherapie“ scheiterte und Ende September 2014 hatte ich wegen der diffusen Krankenversicherungssituation keine neue Therapie begonnen.

Mit der finanziellen Unterstützung während der Schutzzeit bin ich nun in der Lage den Unterhalt für meine Kinder zu zahlen sowie auch den Studienkredit abzutragen, der ursprünglich mal für 6 bis 8 Monate geplant war, nun aber seit über zwei Jahren läuft.
Ironie: die Bundeswehr lehnte die finanzielle Förderung meines Bachelor-Abschlussprojektes ab und veranlasste mich dazu, das über den Studienkredit lösen zu wollen. Noch vor der ersten Zahlung kamen jedoch die WAZ-Leak zu den Afghanistanpapieren, warfen mich in die Einsatzerlebnisse zurück und hielten mich bis zur Veröffentlichung im Tagesspiegel am 7. Oktober 2014 im Rahmen der „Afghanistan-Connection“ in ihren Bann.

Dieser Kredit war in den letzten sechs Monaten neben Job 2 das finanzielle Rückgrat und im August 2013 zumindest die Gewissheit, dass ich die Wohnung nicht verlieren würde. Ich war nach Abschluss der stationären Therapie kaum in der Lage, meinen Alltag zu bewältigen.

Struktur schaffen

Zwischen September 2013 und Dezember 2013 nutzte ich einen 100-Tage-Protest, um mich täglich eine Stunde dazu aufzuraffen, das Haus zu verlassen. Neben dem damaligen Redaktionsjob, der mich mit rund 2 Stunden forderte war das die einzige Maßnahme, die für einen geregelten Tagesablauf sorgte. Mehr war nach der stationären Therapie nicht drin.

Im Juni 2014 nahm ich das Thema NSA-Untersuchungsausschuss auf, um journalistisch aktiv zu bleiben und in einen Arbeitsrhythmus für die Bachelorarbeit zu gelangen. Die drei bis vier Sitzungs- und Arbeitstage, sowie der Besuch von Veranstaltungen, die mit dem Thema zu tun haben konnte ich im Oktober und November gut bewältigen.

Neben Job 2, der zur Grundsicherung unerlässlich ist war ich zumindest in diesem Bereich auch intellektuell gefordert und belastbar.

2 Jahre und das Studium immer noch nicht fertig?

In den vergangenen zwei Jahren hatte ich zwei Gespräche mit meinem Professor, wie die letzten Leistungen zu erbringen sind und wie die Bachelorarbeit angegangen werden kann. Doch neben der Therapiemaßnahmen und dem beschriebenen Einflussfaktoren schaffte ich es nicht – wie angeraten – mich einfach sechs bis acht Wochen voll auf die Bachelorarbeit zu konzentrieren.

Die finanzielle Grundversorgung wackelte im Mai / Juni 2013 (krankheitsbedingte Verlängerung Förderzeit erst ab August 2013) , Februar 2014 (Jobverlust Redaktionsjob – Folgejob April 2014), Juni 2014 (Unklare Einkommenslage und Krankenversicherung) und zuletzt heftig im Januar / Februar 2015.

Der Existenzdruck wirft mich aus der Bahn. Leider immer noch. Aber glücklicherweise nicht mehr so heftig, wie zuvor.

Im Juni 2013 war ich zeitweise nicht mehr in der Lage, das Haus zu verlassen, lag zitternd und teilnahmslos auf dem Sofa, wenn die Anspannung zu groß wurde. In der Phase der letzten sechs Wochen hielt ich meine Kräfte für den „Job 2“ zurück, der nun der einzige Job ist.

Das Einkommen reicht mit dem Studienkredit für das eigene Überleben. Verzichte ich auf die Zahlung der Krankenversicherung kann ich sogar Unterhalt zahlen. Tragfähig? Nein. Raum für Therapie und Coaching lässt diese Situation ebenso wenig, wie für den geordneten Abschluss des Bachelorstudiums.

Im Januar und Februar 2015 zog ich mich erneut extrem auch von meinem Freundeskreis zurück, um unter dem Druck zu funktionieren. Druck und Funktionieren, dass bedeutete in dieser Zeit die Körperhygiene aufrecht zu erhalten, mit gewaschenen Klamotten rechtzeitig das Haus zu verlassen, um dann zuverlässig zu arbeiten, statt heulend am PC zusammenzubrechen.

Tränendrüse ?

Es geht mir nicht um Mitleid. Mehrfach hörte ich in letzter Zeit, dass Menschen sich schon mit einzelnen Aspekten (z.B. unsicherere Jobsituation) gefordert zeigten. Bis Ende Januar 2015 wackelte nicht nur mein Einkommen, sondern auch der Zugang zur Krankenversicherung. Das ganze ohne Perspektive, weil der Studienabschluss fehlt, eine Therapie mangels Aussicht auf Geld und ohne Anerkennung der Einsatzschädigung nicht mehr zu bezahlen war und zeitgleich Forderungen an mich gestellt wurden, die für einen gesunden Menschen mit Berufsabschluss gedacht sind.

Die vergangenen zwei Jahre, in denen ich mit der Aufarbeitung der Einsätze einen gewaltigen Schritt voran gekommen bin, war die Arbeit an einer tragfähigen Existenz nicht möglich. Auf dem Weg der Behandlung ist zumindest die kognitive Erfassung der belastenden Ereignisse abgeschlossen.

Im Rahmen der laufenden Traumatherapie lerne ich derzeit mit Hilfe von Körperübungen die Auswirkungen des Stresses in den Griff zu bekommen und auch körperlich die Balance zu finden, die ich in Bezug auf die Einsatzzeit erreicht habe.

Wichtig wird auch, wieder Selbstvertrauen in die eigene Arbeit zu erlangen. Den Verlust des Redaktionsjobs im Februar 2014, der bis heute nicht schlüssig erklärt wurde kann ich nur noch als Mobbing deuten.

Inhalte wurden nicht gewünscht, nicht mitgetragen und dann mit „Du bist befangen“ negiert, ohne, dass ich überhaupt auf eine Veröffentlichung bestanden hätte. Präventiv mit Themenverbot belegt zu werden war zu viel.

Ausblick

Im Telefongespräch eröffnete mir der Bearbeiter heute, dass die Einstellung in die Schutzzeit zum 16.03.2015 nicht mit der Teilnahme am militärischen Dienst verbunden ist, solange ich mich in beruflichen Qualifikationsmaßnahmen befinde.

Nach dem Abschluss der Bachelorarbeit werde ich ein Masterstudium aufnehmen. Die Qualifikationshöhe ist nach 12 Jahren Dienstzeit in der Offizierlaufbahn vorgesehen.

Parallel laufen Therapie und Coachingmaßnahmen. Sollte die Bundeswehr die heiltherapeutische Methode nicht unterstützen, die mich seit September 2014 sehr gut voran bringt, ist zumindest mit der verlässlichen Zahlung des Gehalts gesichert, dass ich die Therapie fortsetzen kann.

Diesen Weg werde ich selbstbestimmt gehen – so, wie die letzten zwei Jahre ebenfalls. Auf die Launen des Apparates lasse ich mich nicht ein.

Ziel

In wie weit ich die Stressreaktionen im Bereich von autoritär induziertem oder existenzbedrohendem Stress in den Griff bekomme, kann ich derzeit nicht absehen. Ich entwickele langsam ein Bewusstsein für die Auswirkungen und für hilfreiche Gegenmaßnahmen. Präventiv, wie auch in den Fällen, in denen ich wieder zu lange unter Stress gestanden habe. In den kommenden fünf Jahren gilt es, Reserven aufzufüllen, die sich derzeit anfühlen, als seien sie nicht mehr existent.

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Kotzen!!

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Beitrag über Veteranen im ZDF bei Frontal21​. Der Macher Marc Lindemann ist Ex-Soldat. Wird aber so nicht genannt. Der Experte & Journalist Seeliger ist ehemaliger Chefredakteur der Loyal – ein Magazin des Reservistenverbandes.

Journalisten waren beim @ZDF @frontal21 wohl aus – ich kriege das kotzen, wenn Militärbezug nicht kenntlich gemacht wird, wenn es um Militärthemen geht.

Seeliger

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5 Tage

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Heute kam per eMail die “Entwarnung” was die Sanktionen des Unterhaltssicherungsamtes anging, welches trotz ausgeglichenem Unterhaltskonto und insgesamt auch mehr gezahltem Unterhalt, als per Düsseldorfer Tabelle veranschlagt werden könnte mit Sanktionen und Maßnahmen gegen mich vorgehen wollte.

Säumige Väter zum zahlen bewegen – gern. Aber präventiv sanktionieren?

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Auswirkungen

Nach Rücksprache mit meiner Ex-Frau kann ich davon ausgehen, dass diese Maßnahmen auch nicht in ihrem Sinne sind, geschweige denn angefragt wurden. Eine Sensibilität, das sich solche amtlichen Maßnahmen belastend auf das Verhältnis zwischen den Erziehungsberechtigten auswirken kann, ist offenbar nicht vorhanden. Blinder Aktionismus auf Seiten des Unterhaltssicherungsamtes? Scheinbar ist es wohl so.

Mir fallen derweil nur noch markige Worte ein.

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Über siegreiche Rückzüge und Rommel rückwärts

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Seit Monaten, gar Jahren folgte auf eine irr-witzige Meldung zum Zustand der Bundeswehr die nächste. Waffen, die nicht richtig schießen. Drohnen, deren Entwicklung inkompetent begleitet wird, sodass das Endprodukt zwar fertig ist, aber nicht fliegen darf. Kasernen, die schimmeln – Kleidung, die nicht mehr solide finanziert ist von Zulieferern, die eine Pleite hinlegen und deren Verluste der Steuerzahler auffängt.

Zuletzt dann nun Hubschrauber für die Marine, die über Nord- und Ostsee nicht mehr fliegen dürfen. Das tragisch komische Milliardengrab ist mein ehemaliger Arbeitgeber.

Nichts läuft, wie es soll. Milliarden verschleudert – Ziele verfehlt. Weitere Milliarden müssen ran, um Ziele doch noch zu erreichen. Ausgang ungewiss und die Rechnung wächst.

Begleitet wird die Peinlichkeit von einer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die nur als Realitätsverweigerung bezeichnet werden kann. Je mehr der Ausreden ich höre, desto häufiger fühle ich mich an Zeiten erinnert, die eigentlich nicht zu den zulässigen und anerkannten Traditionslinien der Bundeswehr gehören.

Weite Teile der Bundeswehr sind rechtskonservativ geprägt. Soldaten, die einem Kämpferkult huldigen, Sprüche, wie „Treue um Treue“ wiederbeleben und am liebsten in aller Herren Länder per Fallschirm einfallen würden präsentieren sich teils unverblümt mit den soldatentypischen Werten „Kameradschaft“ in den solzialen Netzwerken.

Romane über Gefechtserlebnisse in Afghanistan mögen nicht auf dem Niveau der Landser-Hefte liegen – doch die feuchten Militaristen-Träume dürften auch in den kommenden Jahren weiter gefüttert werden.

Alles, was nicht in das Bild dieser Menschen passt, wird totgeschwiegen oder weg argumentiert.

Narrative der PR-Maschinerie

Alles nicht neu – Ausrüstungsmängel habe es schon immer gegeben. Material nicht einsatzbereit ? Ach, das war doch nur eine Übung. Da reicht auch ein Besenstiel. Selbst die alljährliche Ansprache des Wehrbeauftragten im Rahmen seines Mängelberichtes führt nicht zu Änderungen oder Abhilfe. Die Nachwuchswerbung steht in der berechtigten Kritik über die Risiken des Berufes zu schweigen. Die Fürsorge nach der Dienstzeit ist derzeit schlecht und ineffektiv organisiert.

Die Pressestatements und öffentliche Darstellungen der Bundeswehr sind vor allem für aktive und ehemalige Soldaten mit Hintergrundwissen kaum noch auszuhalten. Wir sehen einen offenkundig „dampfenden Haufen Scheiße“. Nicht nur wir, denn auch die Öffentlichkeit nimmt die Mängel wahr.

Die PR-Maschinerie von Bundeswehr und Bundesregierungen stellt hingegen klar, dass es sich doch eher um eine „minder angenehm duftende Hinterlassenschaft mittelharter Konsistenz handelt“ und dass wir den Aspekt des „dampfens“ doch bitte als „Potential“ wahrnehmen sollten, denn schließlich „expandiert da ja was.“

Zugegeben – das ist sehr bildlich gesprochen und kein Vollzitat. Doch immer öfter gehen Realität und Bundeswehrdarstellung so sehr auseinander, dass ich Analogien zur verzweifelten Kriegspropaganda zu Zeiten des längst verlorenen zweiten Weltkrieges sehe.

Kürzlich stolperte ich in einem Buch über Alltags-Widerstand im dritten Reich über ein Göbbels-Zitat. Die Propagandamaschinerie sprach von einem „siegreichen Rückzug“ der deutschen Armee. Deratig verzerrte Wahrnehmungen wohnen auch der heutigen Öffentlichkeitsarbeit inne.

Rommel und der Nachschub

Was von den fatalen Meldungen, die uns derzeit aus dem Verteidigungsministerium erreichen zu halten ist, ist nicht klar. Wird hier übertrieben, um erhöhten Finanzbedarf bei der Behebung der Mängel zu veranlassen, oder ist es wirklich so schlimm?

Immer drängender auch die Frage: wer hat eine realistische Einschätzung, wenn im „Weißbuch“ neue Ambitionen neidergelegt werden. Luftschlösser und Hirngespinste – doch weil sie aus Händen der Regierung kommen, gelten sie als „Leitlinie“.

Es liegt mir fern, die Wehrmacht und deren Akteure zu glorifizieren oder zu loben. Doch eine Interessante Feststellung machte Rommel zum Thema Materiallage in Kriegszeiten.

Um handlungsfähig zu sein, müsse in Kriegszeiten vier mal so viel an Nachschub gefordert werden. Die Regel sei, es käme grundsätzlich so wie so nur die Hälfte an. Aber mit dieser Taktik habe man dann immer noch doppelt so viel, wie man eigentlich brauchen würde.

Gut – wir wissen, wie das letztlich ausgegangen ist.

Sind die Horrormeldungen also tatsächlich Realität oder nur Grundlage, um mehr Geld zu fordern ? Sei es drum: die Kadenz der Meldungen steigt – wöchentlich neue Desaster und natürlich muss dringend gehandelt werden. Doch wie?

Mein Plädoyer: „Rückwärts … MARSCH!“

Da der Wahrheitsgehalt einer Bundeswehrmeldung über den Zustand des Materials nur noch bis zum notwendigen Dementi reicht, dass nach Spiegel oder anderen Presseenthüllungen publiziert werden muss, zweifele ich an, dass es noch irgendeine Person in der Bundeswehr gibt, die überhaupt einen Überblick hat.

Ich plädiere daher für eine schonungslos Bestandsaufnahme des IST-Stands und darauf folgend dann den Ableitungen, welche Ziele sich im Rahmen von „Weißbüchern“ überhaupt noch gesetzt werden dürfen. Der Politik wird mehr Militär angeboten, als einsatzbereit ist, um auch morgen noch nach mehr Geld jammern zu können.

Im Rahmen einer „Rommel-Rückwärts-Rolle“ sollte zunächst der Bestand an funktionsfähigem Material und ausgebildetem, einsatzfähigen Personal erfasst werden. Im Bereich des Materials dürfte dann z.B. ein Waffensystem erst dann als funktionsfähig gelistet werden, wenn es mindestens vierfach vorhanden ist. Getreu dem Rommel-Prinzip hätten wir dann sogar doppelt so viel, wie eigentlich benötigt.

Gleiches gilt für den Bereich des Personals. Der überlastete Personalkörper wurde durch häufige Einsatzentsendung an die Grenze der Leistungsfähigkeit gebracht. Im Bereich des Personals dürften auf der Angebotsliste demnach nur fertig ausgebildete Soldaten stehen, die nach ihrem Einsatz eine ausreichend lange Regenerationsphase gehabt haben.

Reality bites, Mrs von der Leyen – aber das Hirngespinst „Weißbuch“ und die Falschmeldungen rund um die Bundeswehr nehme ich nicht mehr hin.

Zum Autor:

Durch Überlastung während der Afghanistaneinsätze gelte ich nach fast zwei Jahren des Feststellungsverfahrens als 30% einsatzgeschädigt.

Das ist eine Folge aus zu wenig Ausbildung, zu häufige Einsatzentsendung und dem auferlegten Druck, über eine Falschmeldung der Bundeswehr zu schweigen, die mittlerweile als Vertuschung entlarvt werden konnte. Die vergangenen zwei Jahre habe ich damit verbracht, diese Belastung aufzuarbeiten. In der Zusammenarbeit mit der Linksfraktion im Bundestag konnte die Grundlage geschaffen werde, die Kollegen des Tagesspiegels im Rahmen der „Afghanistan-Connection“ dann veröffentlichten.

Seelisch und moralisch war das eine große Entlastung für mich und ein wichtiger Schritt, mit dem Krankheitsbild „Depression“ klar zu kommen. Ich reagiere auf Stress leider nicht mehr in jeder Lebenslage souverän – aber ich lerne derzeit mühsam, damit umzugehen.

Lerneffekte

Teil der zweijährigen Aufarbeitung war vor allem die Analyse, wie ich in die verfahrene Situation gekommen bin. Welche Halbwahrheiten waren über meine zehnjährige Dienstzeit ins Unterbewusstsein gesickert? Wo war der Wunsch Vater des Gedanken und Taktgeber für die Wahrnehmung ?

Je mehr ich mich mit der Bundeswehr und dem Bild auseinandersetzte, desto mehr bröckelte die Fassade der Werbewelt, der ich schon zu Dienstzeiten immer weniger Glauben schenken konnte und die auch nach meiner aktiven Dienstzeit durch zahlreiche ernüchternde Erkenntnisprozesse begleitet war.

Immernoch habe ich Kontakt zu ehemaligen Wegbegleitern aus der aktiven Zeit. Mein öffentlicher Umgang mit der Erkrankung stößt dabei nicht auf Gegenliebe. Die rechtskonservative Prägung, die bei einigen dieser Menschen vorherrscht, begegnet mir in zahlreichen Kommentaren. Ich solle doch nicht alles schlecht reden, schließlich würde mir geholfen. Doch dass bisher lediglich nur Hilfe angekündigt wurde – die notwendige Therapie gerade erst begonnen hat und von einer Entlastungsphase nicht die Rede sein kann, das soll unerwähnt bleiben.

Mängel dürften nicht kritisiert werden, denn schließlich seien es ja Freiwillige Fallmanager, die sich gerade für mich engagierten und kein hauptamtliches Personal, welches die Veteranenbegleitung durch die undurchsichtigen Verwaltungswege gewährleistet.

Selbst geschädigte Ex-Soldaten, die um die Probleme im Anerkennungsverfahren wissen, gehen mich offensiv an. Ich solle „arbeiten“ und mir nicht „Hobbies“, wie den Journalismus und die Themen setzen, an denen ich arbeite. In jedem Fall aber soll ich über die Missstände schweigen, die im Bereich der Einsatzgeschädigten vorherrschen.

Nicht öffentlich einsehbar, doch mit wissendem Auge und bestehender Vernetzung ist die Nähe dieser Menschen zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für mich deutlich zu erkennen. Für Mitleser wirken meine Facebook-Kommentare mitunter harsch – das Hintergrundwissen über Verbandelungen und die Struktur der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, sowie die Netzwerke aus denen heraus agiert werden fehlt.

Mache ich in Kommentaren Aspekte, wie bestehende aktive Dienstverhältnisse für die Leser sichtbar, dann ernte ich meist vernichtende Kritik. Es würde sich um private Details handeln. Ich würde Grundrechte verletzen und viele andere Begründungen werden herangeführt.

Doch Staatsdiener, die nicht offen zu den Arbeitsbereichen stehen, mit denen sie verbunden sind nehme ich nicht mehr hin. Steht zu dem, was ihr macht. Und macht kenntlich, wenn ihr aus dem Werbebereich der Bundeswehr kommt – oder lebt damit, das ich es tue.

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Zersetzung

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Sehr geehrte *Bearbeiterin* ,

mit Datum vom 18.02.2015 ging mir heute am 19.02.2015 ihr Schreiben zu. Ich antworte im Volltext sowie im Stil eines offenen Briefes. Das wird etwas umfangreicher, damit auch Dritte diesen Brief inhaltlich verstehen können.

Im Juni 2014 wurde absehbar, dass meine finanzielle Situation schwierig werden würde und ich riet meiner Exfrau für die beiden gemeinsamen Kinder frühzeitig Leistungen nach dem Unterhaltsvorschussgesetz zu beantragen. Ziel war es, zumindest den fristgerechten und verlässlichen Eingang des Mindestunterhalts i.H.v. 360 Euro gewährleisten zu können.

Wie ihnen sicher bekannt leide ich an einer Stress-Erkrankung, die das Ergebnis einer Überlastung durch die Personalpolitik der Bundeswehr rund um den Afghanistaneinsatz ist. Ende Januar wurde nach massivem öffentlichen Druck und einer Verfahrensdauer von 22 Monaten nun der Grad der Schädigung mit 30% festgesetzt.

Fatal an der Situation ist, dass ich nach außen hin trotz größtem Stress scheinbar funktioniere. Wie ich das derzeit bewerkstellige verstehe ich selbst kaum. Das es nicht gesund ist und ich mich dabei auch nicht gesund fühle, wird schnell deutlich, wenn ich meinen derzeitigen Tagesablauf schildere.

Einschließlich Arbeitsweg bin ich derzeit täglich rund 10 Stunden außer Haus. Ich gebe mir größte Mühe im Job zuverlässig zu funktionieren, um zumindest meine Wohnung und die Lebenshaltungskosten sichern zu können. Der Kraftaufwand ist enorm und die Zeit zwischen den Arbeitsschichten ist geprägt von Niedergeschlagenheit, Erschöpfung und Schlaf, der kaum noch erholsam ist. Schon das rechtzeitige verlassen des Hauses wird zum Problem. Es ist ein Kraftaufwand, für saubere Kleidung und Körperhygiene zu sorgen, sowie mich regelmäßig zu ernähren.

5 Tage entfallen auf Job 1, ein Tag ist derzeit für die Therapiemaßnahmen reserviert. Und irgendwie kann ich ihnen auch nicht sagen, ob am siebten Tag irgendetwas stattfindet, was mich weiterbringt. Egal, ob in Bezug auf das Studium, was immer noch abzuschließen ist oder in Bezug auf Erholung, die dringend notwendig ist.

Die Rechnung aufmachen

Mit ihrem heutigen Schreiben fordern Sie von mir eine detaillierte Auseinandersetzung mit meiner derzeit sehr fragilen Finanzlage. Darüber hinaus soll ich bis zum 15. März einen Ämtergang absolvieren, um eine Unterhaltsurkunde zu erwirken.

Diese Urkunde ist wichtig in Fällen, in denen der Kindsvater nicht bereit ist zu zahlen und gibt der Kindsmutter die rechtliche Möglichkeit einer Kontopfändung. Sicherlich gibt es viele Fälle in denen das erforderlich ist. Ich zähle nicht dazu.

Hier der Einblick in meine Finanzen:

Derzeit bin ich freiberuflich tätig und schaffe es, mit dem oben beschriebenen Arbeitsaufwand einen Geldeingang zwischen 650 und 850 Euro monatlich zu erwirtschaften. Das liegt unterhalb des Existenzminimus.

Die Einkünfte aus der journalistischen Tätigkeit, die ich vom Berufsziel anstrebe, beschränken sich auf 100 bis 200 Euro. Das liegt derzeit hauptsächlich daran, dass mir der ermüdende Job und der Mangel an Raum für Therapie und Entlastung die Kraft raubt.

Im besten Fall sind also 1050 Euro verfügbar. Mir ist klar, dass das nicht reicht. Darum verschulde ich mich derzeit monatlich mit 650 Euro durch einen Studienkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Diese wachsende Verschuldung ignoriere ich.

In unregelmäßigen Abständen wurde ich zwischen Oktober 2014 und Januar 2015 durch die Zahlung von Geldern aus Stiftungen rund um die Bundeswehr unterstützt. Diese Zahlungen verrechnete ich sofort und leistete entsprechend der Gesamtsumme meiner Eingänge Unterhalt.

Gleichzeitig reduzierte ich aber auch die Arbeit in Job 1 auf rund 400 bis 500 Euro, um die freie Zeit für Therapie und eine Arbeit am Studienabschluss zu haben. Wegen der fehlenden Anerkennung der Erkrankung musste ich darüber hinaus auch Therapie & Coaching-Kosten von 400 bis 500 Euro monatlich aus den Unterstützungsleistungen finanzieren.

In einem zweiten Job, der zwischen September und Dezember monatlich 300 Euro einbrachte und Sozialversicherung, sowie Krankenversicherung gewährleistete konnte ich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr so zuverlässig bedienen. Der Job endete mit der letzten Zahlung im Januar 2015. Auch die Einnahmen aus diesem Job verrechnete ich nach Düsseldorfer Tabelle und zahlte in Richtung ihres Amtes, sowie in Richtung meiner Ex-Frau die entsprechende Unterhaltssumme aus.

Ihre Forderung

Bereits im September 2014 drohten Sie mir an, mich unter Bewerbungszwang zu setzen und eröffneten mir, ich hätte keinen Anspruch mehr darauf, ein Studium abzuschließen. Bitte rechnen Sie sich die Aussichten aus, die ein Abiturient mit Führerschein Klasse 3 hat, einen Job zu finden, der zu ausreichend Unterhaltszahlung führt. Das ist schon rein objektiv als wirtschaftlicher Unfug anzusehen.

Subjektiv – im Hinblick auf die bei mir bestehende Erkrankung – wäre ein Abbruch des Studiums fatal. Es ist nicht davon auszugehen, dass ich mit dem derzeitigen Stand der Erkrankung als Power-Walker bei Amazon oder Zalando oder in einer sonstigen Tätigkeit lange genug durchhalten würde, um Probezeiten zu überstehen.

Im Dezember 2014 und Januar 2015 war ich bereits im Job 1 zeitweise wackelig. Ich konnte zu Schichtbeginn gerade noch genug Selbstbeherrschung aufbringen, um nicht heulend vor dem Computer zusammenzubrechen. Dieser Job verlangt mir nach außen ein freundliches, ruhiges Auftreten ab und ich muss mir mitunter trotz freundlicher Ansprache heftigste Pöbeleien anhören. Wie lange ich das noch durchhalte kann ich derzeit nicht absehen.

Ich weiß nicht, wie es sein würde, den Forderungen nachzukommen, die sie in ihrem Schreiben aufstellen. Mich in der geforderten Detailtiefe mit der problematischen wirtschaftlichen Situation auseinander zu setzen ist mir derzeit unmöglich.

Den Ämtergang vorzunehmen, mit dem das Pfändungs-Instrumentarium möglich und beschleunigt wird, dürfte sich ähnlich zersetzend auf meine derzeit mehr als angeschlagene Stabilität auswirken.

Was lähmt

Wie erwähnt wurde mittlerweile der Grad der Schädigung mit 30 % anerkannt. Das führt zu einer Rentenzahlung von monatlich 130 Euro, die ab März beginnt. Wie im Blog zu lesen erfolgte bereits die Nachzahlung für die vergangenen 22 Monate. Doch das Geld verschwand so schnell, wie es eintraf. Von den rund 3000 Euro musste zunächst der Dispo mit 1000 Euro ausgeglichen werden.

Danach veranlasste ich die Zahlungen von Unterhalt (siehe die von ihnen bescheinigten Eingänge & das ausgeglichene Konto, das sich kaum länger als 16 Tage im „Soll“ befunden haben dürfte. Die Zahlungen der Unterhaltsdifferenz an meine Ex-Frau für Januar und Februar habe ich ebenfalls veranlasst.

Im Februar wurde darüber hinaus der Semesterbeitrag fällig und weitere Rechnungen (Krankenversicherung, Haftpflichtversicherung, Monatsticket usw.) habe ich ebenfalls vorgenommen. Eine Therapierechnung konnte ich ebenfalls noch begleichen.

Es besteht die Chance, zum Monatswechsel einmal nicht an den Rand des Dispos zu gelangen – leider aber wird das Einkommen aus Job 1 immer erst zum 10. des Monats überwiesen. Das macht das erste Monatsdrittel – sagen wir mal – abenteuerlich.

Nicht tragfähiges Konzept

Ja, dass das auf Dauer nicht funktioniert ist mir klar. Mit dem Jobverlust Ende Dezember 2014 wurde der Druck nochmal größer. Um nicht ganz zusammenzubrechen habe ich auf die Aufnahme eines Bewerbungsmarathons für „irgendeinen Job“ verzichtet.

Ich brauche Therapie, Ausgleich und Ruhe, statt den Druck einer Einarbeitungsphase.

Druck sollte ich mir auch nicht machen müssen, ob der bereits im DezemberNovember 2014 ärztlich getroffenen Einschätzung, dass die Schädigung einsatzbedingt ist, sollte zeitnah eine Einstellung in die Schutzzeit erfolgen.

Informell wurde mir diese Einstellung bis Ende Januar 2015 angekündigt. Doch da die Strukturen im Bereich der Veteranenversorgung so zuverlässig funktionieren, wie die Bestellvorgänge von Fluggerät, verstrich der Termin „Ende Januar“ ohne Rechtssicherheit für mich.

In einer weiteren informellen Ankündigung hieß es, bis „Mitte Februar 2015“ wären die Maßnahmen getroffen. Als ich um den 10. Februar 2015 anfragte, hieß es, es würde noch ein Papier fehlen. Dennoch sei nicht damit zu rechnen, dass sich im Laufe der zweiten Februar-Dekade etwas tun würde. Begründet wurde das damit, dass Düsseldorf (Sitz des zuständigen Personalamtes der Bundeswehr) eine Karnevals-Hochburg sei.

Mittlerweile stelle ich mich jedoch darauf ein, dass auch im März keine Wiedereinstellung erfolgt. Das ist so, wie beim Wehrgerät: nur weil es geliefert und verfügbar ist, heißt es nicht, dass es funktioniert.

Auf die Einstellung in die Schutzzeit darf ich mich derzeit leider nicht verlassen. Ich muss derzeit davon ausgehen, dass der Militärische Abschirmdienst (MAD) und andere Instanzen die Wiedereinstellung verhindern. Grund dafür ist, dass ich in den letzten zwei Jahren die Aufdeckung einer Falschmeldung vorangetrieben habe.

Die Vertuschung von Verstößen gegen Genfer Konventionen und die Zuarbeit der Bundeswehr zu Lynchmorden lässt sich nicht abschließend beweisen – aber das dem Parlament die Verhaftung von Angreifern sowie die wahre Intensität des Angriffs vom 27.09.2008 verschwiegen wurden ist mittlerweile öffentlich.

Ich gehe davon aus, dass derzeit meine Einstellung in die Schutzzeit durch die Akteure verhindert wird, die die Falschmeldungen an das Parlament über Jahre hinweg zugelassen haben.

Selbstschutz

Ließe ich es zur Erstellung der von ihnen geforderten Unterhaltsurkunde kommen, dann hätten Sie bzw. meine Ex-Frau das Instrument der Pfändung in der Hand. Derzeit leiste ich mehr Unterhalt, als ich aufgrund meiner finanziellen Situation leisten müsste. Wozu braucht es da also die Anerkennung ?

Gesetz dem Fall, dass ich im März oder April mit der Zahlung in Verzug geraten würde, gäbe es nichts zu pfänden. Ich wurde auch im Rahmen des Scheidungsverfahrens nicht dazu aufgefordert, eine entsprechende Urkunde zu liefern.

Auch seitens meiner Ex-Frau wird bzw. wurde kein Bedarf kommuniziert einen entsprechenden Titel gegen mich zu erwirken.

Zusammenfassung

Ich habe mich mittlerweile soweit auf funktionieren reduziert, dass ich Schreiben und Darstellungen, wie diese nahezu regungslos herunterschreibe. Für den Moment reduziert das sogar in gewisser weise den Stress, den ich kaum noch ertrage und den ich nur durch eine gesicherte Lebensführung dauerhaft reduzieren könnte.

Mein Professor rät mir, während der Dauer der Bachelorarbeitsphase ausschließlich an der Bachelorarbeit zu arbeiten. Ich habe derzeit weder finanziell, noch gesundheitlich die Reserven, um das zu bewerkstelligen.

Die Maßnahmen des Unterhaltssicherungsamtes zersetzen mich weiter. Ich kann ihnen nicht versprechen, dass ich künftige Schreiben überhaupt noch öffnen werde.

Sollte ich im März noch nicht wiedereingestellt sein, bin ich gezwungen statt des Unterhalts von 360 Euro eine volle Summe an privatem Krankenversicherungsbeitrag zu zahlen. Plus vermutlich die Rückrechnung einer vollen Privatversicherung von Januar 2015 und Februar 2015. Leider ist diese Priorisierung notwendig, denn eine Kündigung würde vermutlich dazu führen, dass ich nie wieder privat versichert werde (die Erkrankung gilt als 100%iger Ausschlussgrund).

Einen Anspruch auf freiwillig gesetzliche Versicherung habe ich mangels einer vorangegangenen mindestens zwölfmonatigen Mitgliedschaft in der gesetzlichen Versicherung nicht.

Einen sozialversicherungspflichtigen Job zu finden scheitert an meinem derzeitigen Gesamtzustand. Ich stehe nicht am Anfang einer neuen Tätigkeit und eines neuen Jobabschnitts – ich stehe davor, gänzlich arbeitsunfähig zusammenzubrechen.

Falls sie sich fragen, wie lange ich das noch durchhalten muss, wenden sie sich an folgende Adressen:

1. Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages
Bearbeiter: Hans-Dieter Nißler
Tel: 030 – 227 – 38100

2. Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr – da müssen Sie sich mal durchfragen. War ja Karneval. Und Düsseldorf – sie wissen ja.

Bitte sehen sie mir nach, dass ich schlichtweg nicht mehr anders kann, als mich in jeder Hinsicht öffentlich zu verhalten. Die Wirkung, die ihr Schreiben auf mich hatte ist, dass ich den morgigen Therapietag frei von Internetaktivitäten halten muss, um mich nicht noch weiteren negativen Effekten auszusetzen.

Ob Sie glauben, was ich schreibe ist mir mittlerweile egal. Auf welche Informationen sie setzen, liegt auch außerhalb meines Einflussbereiches.

Und falls sie oder irgendwelche Leser nun meinen: „Ach, schau, schreiben kann er, aber einen Ämtergang und ein Finanzformular ausfüllen klappt nicht“ dann ist ihnen auch nicht mehr zu helfen.

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Interessante Diskussion

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Im Zuge dieser Diskussion erreichen mich Kommentare auf dem Nachrichten-Chat, die mir vorhalten, ich würde nicht arbeiten und mir das “Hobby” Berichterstattung aus dem NSA-Untersuchungsausschuss leisten.

Der Hinweis, dass ich damit journalistisch arbeite und das das Thema Teil der Bachelorarbeit werden wird, wird ignoriert.

Ungeklärt ist weiterhin, in welchem Zusammenhang ein_e Kommentator_in sich hier äußert. Im Rahmen der beruflichen Vernetzung wir mir ein aktiver Bezug zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr angezeigt. Ich prüfe derzeit, was davon zu halten ist:

“Und nun bitte Klartext: warum ist ein aktives Arbeitsverhältnis zur Bundeswehrwerbung bei dir im XING-Profil gelistet ?”
 
 Die direkte Nachfrage führte bisher nur zu ausweichenden Antworten.
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Nachfragen müsste man können

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Schon vor einiger Zeit (23.01.2015) ging ein weitere Teil von “Frag ein Klischee” auf Sendung, in dem ich gefragt wurde: “Bist du ein Mörder?”

Seit dem Tucholsky-Zitat und der Diskussion darum, ist es schwer, differenzierte Äußerungen dazu abzugeben – ob mir das im Video gelang müsst ihr selbst urteilen:

Differenzierter Blick

Ein Soldat kann ein Mörder werden. Aber nicht jeder, der Soldat ist, ist automatisch ein Mörder. Aus Kenntnis des Alltags in Einsätzen muss ich das leider so deutlich sagen. Die Bundeswehr tut viel, um den Eindruck zu vermeiden, dass getötet wird.

Das Kommando Spezialkräfte agiert abgeschottet – nicht alle haben Kontakt zu diesen Kräften. Auch die Kampftruppe agiert und verteidigt. Doch zahlreiche Soldaten leisten Dienst, ohne überhaupt in Kontakt mit der Bevölkerung zu sein  – geschweige denn zu schießen. Ich nenne sie mal “Soldaten light”.

Nun mögen viele argumentieren, dass diese “Soldaten light” ja durch die Übernahme von anderen Aufgaben das morden der Mörder-Soldaten erst möglich machen. Das entspricht dem, was ich dem Tucholsky-Zitat entnehme. Das entspricht auch meiner Auffassung. Nicht nur auf die Beziehung “Soldaten light” und “Mörder-Soldaten”, sondern auch auf das Verhältnis “Bundeswehr” und “US-Armee” oder “NATO-Partner” und “US-Armee”.

Nachfragen müsste man können

Das Tucholsky-Zitat wurde 1931 publik. Tucholsky prägte es und das auf Basis der Weltkriegserfahrung und der bis dahin gelaufenen Zeitgeschichte. Auch andere Autoren griffen zu vor den Gedanken auf.

Doch was würde Tucholsky heute über Soldaten sagen – in der demokratischen Bundesrepublik mit einer Armee, die durch das Parlament entsendet wird?

Sicherlich gewählte Parlamentarier gab es auch zu Tucholskys Zeiten. Doch die Armee war eine grundlegend andere. Eine Armee, die zum Angriff genutzt wurde.

Heute will die Armee von Angriffen nichts mehr wissen. Rekrutiert als “Arbeitgeber”, spricht davon “Führungspersonal” zu qualifizieren und jungen Menschen früh “Verantwortung” zu geben.

Wie würde Tucholsky heute urteilen, angesichts dieser schwammigen Formulierungen, die aus den Bundeswehrmedien zu uns dringen, durch die Werbung transportiert werden und auch Teil der Medien sind.

Humanitäre Einsätze, getragen von einer parlamentarischen Mehrheit – die Politik ist fein raus, wenn beschlossen wird, dass der Mensch in Uniform möglicherweise ein Leben nehmen muss.

“Soldaten-Light” versus “Mörder-Soldaten”

Ich mag diese Diskussion nicht, denn das konsequente zu Ende denken wird von vielen Friedensengagierten leider abgelehnt.

“Soldaten sind Mörder”. Alle. Ausnahmslos. Ich begegne zahlreichen Menschen, deren Weltbild an dieser Stelle mehr als gefestigt ist.

Aber was ist mit den Folgefragen, die aus dieser Haltung erwachsen müssen? Die wichtigste vorweg: wer macht aus einem Menschen einen Soldaten. Sind es die Politiker, die die Soldaten ernennen und entsenden.  Nun gut. Dann sind Politiker Mörder. Quasi aus der dritten Reihe heraus. Oder eben in der ersten Reihe – denn der Mensch der nie getötet hat wurde mit dem “Soldat-sein” quasi ja zum Mörder.

Nun muss aber auch die Frage erlaubt sein, wer die Politiker ermächtigt, Menschen zu Soldaten zu machen und damit zu Mördern – so, wie sie verfassungslegitim genannt werden dürfen.

Ich mag diese Diskussion nicht, denn an dieser Stelle tritt der Wähler ins Spiel, der die Politiker wählt, die Menschen zu Soldaten machen, die dann von Menschen als Mörder betitelt werden.

Ist also der Wähler zu diesem Zeitpunkt nicht ebenso Mörder – Teil der tödlichen Kausalkette, die irgendwann aus einem Menschen einen Soldat und einen Mörder macht ?

Und dann bleibt da die Frage nach dem Nicht-Wähler – dieser wachsenden Mehrheit mit undefinierbarer Meinung … oder einfach keiner Meinung. Politisch desinteressiert und dem Konsum zugewandt?

Fragen über Fragen

Wie würde Tucholsky heute urteilen. Würde er nur Soldaten in den Fokus rücken oder deutlicher die Politik angehen?

 

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Zu weit ? Ja und nein.

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Ich ging zu weit – die letzten Tage machten mir deutlich, wie weit ich gegangen bin und das es schon längst zu weit war. Im Umgang mit der Bundeswehr? Nein. Im Umgang mit mir.

Seit ich im Juni 2014 wieder unter Existenzdruck geraten bin, habe ich alles versucht, diesen zu reduzieren. Was im August 2014 noch zu zahlreichen Blogeinträgen führte, sorgte im Januar / Februar 2015 mit dem erneut ähnlich hohen Druck für einen Rückzug. Einen Rückzug von Freunden und Kontakten – einen Rückzug in die eigenen vier Wände, in denen ich eigentlich nicht sein wollte.

„Funktionieren, um nicht weiter abzurutschen“ – ich arbeite Schicht um Schicht – bemerke immer öfter, wie ich stressbedingt die Konzentration verliere. Schlaf zwischen den Arbeitsschichten – die Tage spielen sich auf der Arbeit und dem Pendelweg ab. Zu Haus angekommen fehlt die Kraft für alles andere.

Vereinzelt „setze“ ich mir Termine, die ich mir als Arbeits- oder Recherchetreffen verkaufen muss. Die Motivation, einfach nur auszugehen fehlte zuletzt ganz. Ich zwinge mich, maximal 4 bis 5 Tage pro Woche zu arbeiten (Telefonjob & NSAUA) – meistens werden 6 daraus und es fällt schwer, den siebten Tag sinnvoll zu füllen. Körperlich fühle ich mich oft schlecht – der Eindruck nach Außen: scheint zu stimmen.

Wie immer in den Phasen, erreichte mich auch dieses mal das Statement aus meinem Umfeld: „Siehst gut aus!“

Bilanz

Mit der angekündigten Rückzahlung von 22 Monaten Beschädigtenrente, die nach der Anerkennung der Schädigung zum Monatswechsel in Aussicht standen, schaffe ich nach einer fast 8-wöchigen Pause nun, das Coaching wieder aufzunehmen. Auch die Traumatherapie hatte ich Anfang Januar 2015 aussetzen müssen.

Die Entspannungsübungen in den 90-minütigen Sitzungen schaffte ich nun auch unter Anleitung nicht mehr. Ziel sollte es sein, diese Übungen in den Alltag zu integrieren – zuletzt gelang mir das im November während des Schottlandurlaubs Ende Oktober / Anfang November 2014.

Die dritte Februar-Woche nun hatte einen Rhythmus, der wieder Coaching und Therapie enthielt, denn ich konnte gewährleisten, die Rechnungen auch spätestens zum Monatswechsel begleichen zu können. Ohne diese Sicherheit, hätte ich keine weiteren Sitzungen in Anspruch genommen.

Zuletzt trug der Verdienst meine Lebenshaltungskosten nicht. Der KfW-Kredit (600 Euro) sicherte die Mietzahlung – der Dispo trug die erste Welle an Abbuchungen und mit Eingang des Geldes aus meiner Tätigkeit als Telefoninterviewer, war zumindest um den 10. des Monats eine weitere kurze Welle an Zahlungen möglich.

In der Priorität achte ich darauf, primär mit den Unterhaltsleistungen an das Unterhalts-sicherungsamt nicht mehr, als einen Monat in Rückstand zu geraten. Ich zahle nach Düsseldorfer Tabelle rund 540 Euro Unterhalt – das entsprechende Einkommen existierte 2015 nur unter Zuhilfenahme des Kredits. Die Kosten für die private Krankenversicherung schiebe ich vor mir her – rechne ich die Monate Januar und Februar auf einem 100%-Privatversicherten-Tarif ab, dann stehen noch einmal rund 300 Euro Nachzahlung an.

Druck – Termine – Symptome

Die Erschöpfungsanzeichen waren vielfältig. Schmerzen in der Brust sicherlich nur durch die Verspannungen aus der sitzenden Tätigkeit zu erklären. Andere Optionen ignorierte ich und weigerte mich vorsichtshalber größere körperliche Belastungen zuzulassen. Zu unsicher angesichts meines Status in der Krankenversicherung.

Ein- und Durchschlafprobleme, unruhiger Schlaf und Konzentrationsprobleme am Tag – ich merke, wie ich im Januar von Tag zu Tag abbaue, ziehe mich aus dem Sozialleben zurück, weil die Kraft fehlt und „funktionieren am Arbeitsplatz“ ansteht.

Mindestens in einer Januarsitzung des #NSAUA gelingt mir das funktionieren nicht mehr – ich gehe mehrere Stunden vor Sitzungsende – schreibe keinen Artikel … oder erst verspätet? … und belasse es bei der dürftigen Livetwitterberichterstattung.

Am ersten Februar ist es der Magen, der mich einen Arbeitstag in meinem Telefoninterviewerjob kostet.

Vorausgegangen war Ende Januar die Veröffentlichung des Jahresbericht des Wehrbeauftragten (27.01.2015) und das Verstreichen des Termins, dass bis Ende Januar die Wehrdienstbeschädigung anerkannt bzw. die Wiedereinstellung in die Schutzzeit veranlasst sei.

Irgendwann am dritten Februar erreicht mich das Schreiben und die Bestätigung, das die Wehrdienstbeschädigung anerkannt wurde (datiert auf den 30.01. – eine eMail vorab zu senden wurde verweigert).

Gegenmaßnahmen der letzten Tage

Freitag
Mit einem unguten Gefühl im Bauch nehme ich das Coaching und die Therapiesitzungen wieder auf – kündige an, dass die Bezahlung der Rechnungen davon abhängen, ob die Rentennachzahlung zum Monatswechsel eintrifft. Die Skepsis ist permanenter Begleiter. Meine Therapeutin meint:

„Wiedereinstellung in die Schutzzeit ab März – na, das ist doch ein Grund aufzuatmen und zur Freude.“

Ich entgegne, dass ich im Dezember 2014 die informelle Ankündigung hatte, es würde im Januar geschehen – Termin verstrichen. Ich entgegene, dass ich im Januar die Ankündigung hatte, es würde bis zur Mitte des Februar geschehen und nun mit „Ende nächster Woche – Düsseldorf (Sitz der Personalbearbeitenden Stelle) ist eben Karnevallshochburg“ schon so viele Anlässe zum „Aufatmen“ hatte, dass es mir nun an „Luft“ fehlt und ich vermeiden will, in Schnappatmung zu verfallen.

Samstag
Um am Sonntag zu funktionieren brauche ich Reserven. Das war mehr als spürbar in den Tagen davor. Ich mache das nötigste in der Wohnung und breche zum Frühstück auf. Die 200 Euro, die den Rest des Monats tragen sollen müssen das zwangsweise hergeben. Am Ende des Tages sind 50 davon ausgegeben – es ist mir egal, ob es unvernünftig ist. Auch 150 würden irgendwie reichen. Zwei Bücher mehr im Schrank – Freunde beim Kaffee getroffen und gut drei Stunden Spaziergang in der sonnigen Kälte sind das, was ich an Ausgleich hinbekomme. Den Rest des Tages verbringe ich zu Haus – es ist eine andere Erschöpfung, als die der letzten Wochen.

Sonntag
Der Arbeitstag läuft zunächst gut. Sonnenschein und Kollegengespräch auf dem Weg zur Schicht. Ruhepausen, während ich auf die Gespräche warte und Zeit, im Buch zu lesen, das ich tagszuvor gekauft habe. Gegen 16 Uhr dann der Stresspeak. Ich gerate an eine cholerische Person, die weder indirekt, noch mit direkter Ansprache zu bremsen ist. Auch die vorgesetzte Ebene gerät heftig mit der Person aneinander – es liegt wohl definitiv nicht an mir.

Der Rest des Tages läuft unter der Anspannung, wieder an diese oder eine ähnliche Person geraten zu können. Akute Stressanzeichen, wie zitternde Hände, Unkonzentriertheit und Übelkeit bleiben eine gute Stunde. Direkt nach dem Gespräch hatte ich zwar per Debriefing an die vorgesetzte Ebene weitergereicht – doch die kurze Pause danach reichte nicht aus, um den Stresspegel abzubauen.

Egal ob die Arbeit passte – der Stress ist auch in den Abendstunden noch nicht verraucht, als ich längst daheim bin.

Montag
Gegen 9 Uhr fange ich an, mich um die notwendige Kommunikation in Richtung Krankenkasse kümmern zu wollen. Beitragstechnisch bin ich zwar ausgeglichen und auf Stand – der Vertrag muss aber noch umgearbeitet werden. In welche Richtung (100% Privat oder 30% Privat / 70% Beihilfe) kann ich nicht sagen – eine Entscheidung im schwebenden Wiedereinstellungsverfahren würde die Richtung vorgeben.
Gegen 10 Uhr werfe ich einen Blick auf mein Konto und sehe, dass meiner Bitte, den Überweisungstermin von März auf Februar vorzuziehen offenbar geglückt ist. Das erste Drittel der Zahlung füllte den Dispokredit auf, der bis zum Anschlag ausgereizt war.

Ich überweise Restunterhalt für Januar, sowie den vollen Unterhalt für Februar, begleiche Rechnungen und stoppe, nachdem das zweite Drittel der Rückzahlung in weniger als einer Stunde verpuffte. Was mache ich hier gerade?

Ich erinnere mich an den Tipp eines Freundes aus dem Dezember, der das Liquidrom empfohlen hat. Ein Spa am Anhalter Bahnhof. Ich frage per eMail eine Hot-Stone-Massage an, mache mich gegen Mittag auf den Weg. Unterwegs erinnere ich mich noch rechtzeitig an den Redaktionstermin, fertige den Wochenrückblick an, sage aber die Teilnahme an der Telefonkonferenz am Abend ab.

Nach dem Spa-Besuch schaue ich kurz auf einen Teller Bolognese in meinem zweiten Wohnzimmer vorbei – falle gegen 22 Uhr vor Erschöpfung ins Bett.

Dienstag
Vor Beginn der Arbeitsschicht und dem verlassen des Hauses um 8 Uhr schaffe ich erstmals seit drei Wochen wieder ein Frühstück, dass nicht aus „ich greife und esse etwas auf dem Weg“ besteht. Sauna und Massage des Vortags zeigen Wirkung – ich fühle mich, wie eine Mischung aus Gummi-Mensch und knarrender Holdiele, schaffe die Arbeitszeit ohne Komplikationen, wenn auch nicht ohne Anstrengung. Dennoch: die Konzentration ist besser, als in den Tagen zuvor.

Gegen 16:30 Uhr nutze ich die verbleibende Stunde Tageslicht, lege mehrer Kilometer zu Fuß durch Berlin zurück und ende in meinem zweiten Wohnzimmer. Livemusik – eine Mischung aus Blues und Jazz. Das letzte Drittel des Buches ist erreicht – Freunde treffen ein. Auch, wenn mir gerade wenig nach Konversation ist und ich diesen Text verfasse: es tut gut, wieder zum festen Termin teil meines gewohnten sozialen Umfeldes zu sein. Zum ersten Mal seit mehr als vier Wochen.

Long Way

Es erfordert Planung und Reflektion, damit ich im Gleichgewicht bleibe – daran hatte ich mich ja bereits gewöhnt. Das ich dazu in der Lage bin stelle ich regelmäßig in den Coachingsitzungen fest, die ich absolviere. Doch die Planbarkeit wurde seit Juni letzten Jahres immer wieder durch Existenzkampf und die Gefährdung durch die unklare Krankenversicherungssituation torpediert.

Die Diagnose ist seit nunmehr 22 Monaten ein Teil, den ich in mein Leben integrieren muss – dabei helfen mir Freunde, Coach und Therapeutin gleichermaßen. Aber sie alle können die Leistungsfähigkeit nicht ausgleichen, die mir momentan für einen Abschluss des Studiums fehlt und auch nicht die finanzielle Absicherung so gestalten, dass ich Raum für die Genesungsphase und Rehabilitation habe.

Zugang zu Krankengeld? Bis zum Verfahrensabschluss nicht vorhanden. Eine Lücke, die durch den Schädiger selbst entstanden ist – und nur durch massiven öffentlichen Druck meinerseits in den letzten Monaten an allen Ecken und Enden geflickt wurde.

Ich Danke all denjenigen, die mich in dieser Zeit unterstützt haben. Freunde, Therapeutin, Coach – Fallmanager/in, Leser. Auch das Engagement von Bundestagsabgeordneten und deren Mitarbeiter unterschiedlicher Fraktionen, das Einwirken auf das Büro des Wehrbeauftragten und die nicht-etablierten Instanzen, die die Bundeswehr im Rahmen der Fürsorge bereithalten sollte – deren Effektivität aber längst nicht erreicht ist.

Druck bleibt

Ungeklärt ist, wie genau sich die Rehazeit gestalten wird, die derzeit eingesteuert werden soll.

Ungeklärt ist, ob ich während dieser Zeit für die Zuarbeit zum Thema 27.09.2008 disziplinar und / oder strafrechtlich belangt werde.

Ungeklärt ist, ob diese Zuarbeit (oder die gesamten Blogaktivitäten) vom Militärischen Abschirmdienst zum Anlass genommen wird, die Einstellung in die Schutzzeit zu verhindern.

141007_ZitatLink zum Download bei Afghanistan-Connection.de

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Verständnis? Wohl nicht.

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Die Einstellung in die Schutzzeit lässt auf sich warten. Die informelle Ankündigung, dass dies bis Mitte Februar bewerkstelligt sei, zerschlägt sich spätestens mit der Meldung von heute.

Ich muss Verständnis haben für “nicht vollständige Unterlagen”, Rücksprachen, die noch gehalten werden müssen und natürlich dafür, dass sich zunächst erst einmal wenig tun wird:

“Da Düsseldorf Karnevalshochburg ist und das närrische Treiben dort morgen beginnt und erst nächsten Mittwoch wieder endet, haben wir uns auf Rücksprache am Freitag geeinigt.”

Derweil summiert sich auf meiner Seite:

– Unklarheit, ob die Einstellung in die Schutzzeit durch den MAD noch torpediert wird, weil ich es wagte mit Hilfe einer Bundestagspartei seltsame Meldewege der Bundeswehr
als Vertuschung zu enttarnen.
– Rücklastschriften
– nicht gezahlter Unterhalt für Februar
– offene Rechnungen

Das geht leider alles nicht weg, wenn ich mich verkleide. Insbesondere der Aspekt “Militärischer Abschirmdienst”, der jede Form von Humbug interpretieren könnte, ist keine unberechtigte Sorge.

Was mich zur Persona non grata macht, habe ich bereits in diesem Beitrag geschildert.

Im Jahr 2013 wurde ohne Angabe von Gründen einen bereits verfügte Wehrübung im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr wenige Tage vor Übungsantritt aufgehoben. Aktives Militärpersonal wendete via Social Media viel angebliche Freizeit auf, um mich als Links zu klassifizieren und mich in den Bereich linksradikal zu argumentieren.

Antworten, was dahinter steckt, gab man mir auch aus dem Hause des Wehrbeauftragten nicht. Ich gehe davon aus, dass ich wohl längst den Stempel “Linksextremist” in irgendwelchen Akten trage, weil ich hinterfragte, was an Falschmeldungen abgesetzt und durch die Bundeswehr geleugnet wird, mich für Chelsea Manning einsetze und Edward Snowden kritisiere, dass die bisherigen Veröffentlichungen nur wenig bis gar keinen Militärbezug haben.

Derweil verkennt die Person Fallmanager/in, die sich entlang des Prozesses für mich einsetzt offenbar wegen ihres eigenen unerschütterten Vertrauens in das “System”, welcher Druck hier derzeit auf mir lastet. Ich kann mir nicht sicher sein, dass mit der Einstellung in die Schutzzeit nicht auch ein Disziplinarverfahren (Stichwort Bundestag und hinterfragen 27.09.2008) verbunden ist.

Auch dazu keine Unterstützung oder Stellungnahme von Seiten des Wehrbeauftragten.

Therapie – Coaching – Studienabschluss ? Warum haben Sie denn dafür keinen Kopf?

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