Blogregeln: offenes Visier

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Schon bei Facebook musste ich mich gegen Kritiker zur Wehr setzen. Ich wurde von aktivem Pressepersonal der Bundeswehr in Beiträgen und Diskussionen als krank dargestellt, die mit der PTBS/Einsatzerkrankung nichts zu tun hatte. Erst, als ich Dienstgrad (ein “junger Spritzer” auf dem Weg zum General) und Funktion innerhalb des Presse-Arms der Bundeswehr offenlegte, endete die Zersetzung.

Nun taucht am Beitrag “Ich brauch da mal Erklärung” ein Kritiker auf, von dem ich bisher nur weiß, dass er beim Militär gewesen ist, aber den ehemaligen dienstlichen Auftrag nicht kenne.

Seine Haltung: Pro Bundeswehr.

Toleranz

Klar kann ich andere Meinungen zulassen. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass das aus der anderen Richtung auch der Fall ist, wenn den Mitlesern vermittelt wird, dass ich völlig absurde Fragen stellen würde und es doch einfach zulassen soll, wenn irgendwelche Stellen die “Pro-Bundeswehr-Linie” verteidigen und mich z.B. nicht zu Wehrübungen im Pressebereich zulassen.

Nicht einmal 5 Tage reinschnuppern ist zu dulden – “Er hat ja schon mal Kritik geäußert”.

Wie ist euer Eindruck vom Verlauf der Diskussion mit Jens in den Blogkommentaren?

Wie steht ihr dazu, dass ich von (Ex-)Militärs verlange, dass sie ihre (ehemalige) dienstliche Funktion offenlegen müssen, wenn sie Kritik an meiner Position äußern und weiterhin im Blog kommentieren wollen?

Mich unterstützt bei anonymen, zersetzenden Kommentaren auch weiterhin mein Mitarbeiter:

Notwendig, wenn ich Kommentatoren, wie diesen hier finde, die mir subtil mit “Einlieferung” drohen, weil ich Fragen stelle…

SPAM

Hier der Diskussionsverlauf:

Jens Weber sagte am 23. August 2014 um 07:48 :

Daniel, jetzt musst du mich aber doch mal aufklären. Du wolltest eine Wehrübung machen. Die allerdings wurde abgelehnt. Weigerst dich aber eine Behandlung seitens der Bundeswehr anzunehmen, weil das kontraproduktiv sei. Sorry, nicht böse sein, aber das erweckt doch einen ganz anderen Eindruck als den von dir erwünschten. Wie soll man das nachvollziehen? Und sehe meine Bedenken nicht als Angriff auf deine Verfassung, sondern als einfache Anmerkung. Ich blicke langsam nicht mehr richtig durch. Ich persönlich finde, dass es einen sonderbaren Eindruck hinterlässt. Gruß, Jens

Daniel Lücking sagte am 23. August 2014 um 12:12 :

Jens, so schwer ist das gar nicht zu verstehen. Das du in deinem Beitrag die Reihenfolge der Ereignisse beliebig interpretierst lässt mich natürlich so wirken, wie du es haben willst.

Ich will schlichtweg wissen, warum so viel passiert, was einfach nicht erklärt wird:

1. Warum wird eine bereits genehmigte und allen Beteiligten gewollte Wehrübung durch jemanden “von oben” abgesägt?

2. Warum informiert ein Bundeswehr-Arzt im Bundeswehrkrankenhaus zwei Mal grob falsch ?

3. Warum dürfen mir Reservisten mit Truppenausweis drohen ?

Ich weiß, dass das nicht in dein heile-Welt-Bild von der Bundeswehr passt und warum du dir das so auffällig bewahren willst. Ich wüsste auch immer noch gern, warum ich angeblich befangen sei und deswegen den Redaktionsjob verloren habe. Die pauschale Ansage “keine Afghanistan-Themen mehr in der Rhein-Zeitung bringen” aus dem Dezember 2013 wurde durch NICHTS begründet, ausser der Behauptung: “Du bist befangen” – was auch immer das heißen soll.

Ich habe nicht darauf gedrängt, dass die Recherche veröffentlicht wird – lediglich zur Prüfung vorgelegt.
Daraufhin zu behaupten, ich sei befangen – aber auf kein Detail einzugehen hat in etwa die gleiche Qualität der Reaktionen der Militärs, die ich auf den 27.09.2008 anspreche. Einfache direkte Fragen führen auch dort nur zu betretenem Schweigen, das nicht begründet wird.

Ich hätte eine klare Ansage der Online- oder Chefredaktion akzeptiert, wie: “Wir sehen das Thema, möchten aber das Risiko nicht eingehen, das wir verklagt werden.” Angesichts der Bundeswehrklage gegen die WAZ-Gruppe hätte ich das verstanden. Aber mich für befangen zu erklären ist bequemer …

Lieber Jens, da wir solche Gesprächsentwicklungen bereits hatten und du hier in meinem Blog bist, bist du jetzt mal aufgefordert deinen militärischen Background zu benennen. Die Freischaltung von künftigen Kommentaren mache ich von Begegnung auf Augenhöhe abhängig – und dazu zählt, dass du mal deinen Militärhintergrund offenlegst. Darf fast jeder Soldat, der nicht beim Kommando-Spezialkräfte war.

Vielleicht bis du ja in deiner täglichen Arbeit genau so befangen, wenn du Bilder von Bundeswehr-Gerätschaften in die Rhein-Zeitung bringst.

Egal ob Bundeswehrstellen oder RZ: ich lasse mich nicht mehr verarschen.

Jens Weber sagte am 23. August 2014 um 13:29

Also Daniel, nein, die Reihenfolge ist nicht von mir beliebig gewählt. Du kritisierst die Bundeswehr doch schon erheblich VOR dieser vermeintlichen Wehrübung, oder etwa nicht? Daher gab es ja auch die Absage, jedenfalls schilderst du es ja selbst so, wenn die Begründung ja offenbar in deinen Ausführungen in den sozialen Medien gegenüber deinem alten Arbeitgeber der Grund sein soll.

Jetzt wundere dich doch bitte nicht, dass das doch irgendwie nicht passt. Und du weißt doch auch, dass ich nicht der einzige Leser bin der das denkt, aber vielleicht nur schreibt.

Und wenn du nur Kommentatoren freischaltest die dir nach dem Mund reden, dann macht das Blog doch gar keinen Sinn, oder?

Und: Ich bin in keinster Weise befangen, weder von der RZ noch von der Bundeswehr. Ich beobachte aus Interesse diese Geschichte und wundere mich nicht warum es so läuft wie es läuft. Die Herangehensweise ist falsch, glaube ich persönlich. Daher lege ich mein (früheres) Privatleben auch nicht in die Öffentlichkeit, weil ich gar keinen Grund dazu habe.

Daniel Lücking sagte am 23. August 2014 um 14:04

Wenn die Bundeswehr nur positive Aspekte hervorhebt, ist das Propaganda. Viele Ex-Soldaten stellen fest, dass die versprochene berufliche Perspektive nicht geboten wird und Vorschriften dem Aspekt der Kostenvermeidung dienen und verhindern, dass das einst zugesagte Ausbildungsbudget sinnvoll für die berufliche Entwicklung eingesetzt wird.

In meinem Fall wurden 50% der Fördergelder durch Vorschriften einbehalten. Zugesagte Fördermaßnahmen während der Dienstzeit waren nicht möglich, weil ich häufiger, als vorgesehen in die Einsätze musste. Jetzt gelte ich als “Zivilversager”.

Zugesagte Fördergelder:

9.000 Euro während der Dienstzeit – 12.186 Euro danach.

Gewährt wurden danach lediglich 6.000 Euro. Kurse während der Dienstzeit brach ich teilweise deswegen ab, was der Arbeitgeber an Einsatz verlangte. Fördermaßnahmen nach der Dienstzeit wurden mit Vorschriften-Auslegungen abgelehnt, die hahnebüchen sind.

Lieber Jens,

lesen darf hier jeder. Wenn aber Ex-Militärs anfangen hier Pro-Bundeswehr zu argumentieren, während Sie ihre Rolle beim Militär nicht offenlegen wollen, dann blocke ich. Ganz einfach.

Ich spekuliere mal und frage:

Warst du in der Bundeswehr-Presse tätig und hattest schon während der Dienstzeit den Auftrag nur positives zu sehen und zu verkaufen?

Warst du am Ende einer dieser Soldaten, die in keinem Einsatz zu finden waren, dafür im Standort “Karriere” machten? Da kenne ich zahlreiche Beispiele?

Einfache Regel: offenes Visier

Schon bei Facebook fand sich ein Kommentatoren ein, der in ähnlichem Stil unterwegs war, wie du jetzt. Das gipfelte darin, dass ich als “Links-Extremist” dargestellt wurde. An diesem Punkt “outete” ich den Herrn dann als “Major im Generalstab” und “Pressearbeiter” einer Bundeswehrdienststelle.

Also Jens: es mag dir aus irgendwelchen Gründen richtig erscheinen, dass die “Bundeswehr” toll ist. Ich sah ja deine Begeisterung für Bilder von Schiffen, Flugzeugen und Militärgerät. Ich akzeptiere auch, falls du das für deine psychische Gesundheit brauchst und dich immer wieder selbst bestätigen willst, dass an deiner Bundeswehrzeit nichts verkehrtes war.

Aber mach mich damit nicht krank. Ich stelle Fragen, erhalte keine Antworten, verliere Jobs und werde bepöbelt – alles ohne Angaben von Gründen.

Du darfst gerne zum Kommentieren hier erscheinen, wenn du zu deiner Militärvergangenheit stehst. Zersetzung lasse ich aber nicht zu.

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Ich brauch da mal Erklärungen

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Nachdem ich im Dezember 2013 durch einen Bundesbediensteten eines Ministeriums, der zeitgleich auch Reservist der Bundeswehr ist und sich mirgegenüber mit dem Truppenausweis ausgewiesen hat bedroht wurde, suche ich nach Erklärungen.

Die Drohnung war, ich solle die Online-Aktivitäten auf Facebook, Twitter und in Blogs einstellen, alles würde ohnehin in einer “Kaderakte” gegen mich gesammelt und nötigenfalls würden auch Dinge hinzuerfunden werden.

Diese Drohung verhindert derzeit, dass ich überhaupt irgendeine Hilfe staatlicherseits zulassen kann. Eigentlich sollte ich das Bundeswehr-Krankenhaus wegen einer Begutachtung zwecks Berufsschadensausgleich aufsuchen. Die Gründe für die PTBS-Erkrankung sind hier im Blog gelistet.

Angesichts der Drohnungen ist das nicht möglich.

Ich frage daher nun nach, was “meinen Journalismus” so unvereinbar mit demokratischen Grundsätzen und Bürgerrechten macht, dass ich derart bedroht werde.

Sehr geehrte Abgeordnete,
sehr geehrter Herr Jürgen Rose (Vorsitzende des Darmstädter Signals e.V.),
sehr geehrter Guido Strack (Vorsitzender des Whistleblower-Network e.V.),
sehr geehrte Damen und Herren im Büro des Wehrbeauftragten,
sehr geehrte Damen und Herren im Büro des PTBS-Beauftragten,
liebe/r Fallmanager/in,

( bitte quittieren Sie den Eingang dieser eMail )

über diverse Kontakte und Kanäle soll ich derzeit dazu bewegt werden,
das Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg zur Begutachtung im Rahmen des
Wehrbeschädigungsverfahrens aufzusuchen.

Ich habe in den letzten Tagen in mehreren Artikeln, Schreiben und
Erklärungen an meine/m Fallmanager/in des Bund Deutscher Veteranen
dargelegt, warum mir das nicht möglich ist
und ich diese Maßnahme als krankheitsverstärkend bewerte.

Ausschlaggebend ist vor allem, dass ich im Dezember 2013 durch einen
Bundesbediensteten (eMail aus einem Bundesministerium), zeitgleich auch
Reservist der Bundeswehr (ausgewiesen durch Truppenausweis) angedroht
bekam, dass ich mit Repressalien in Form von “… Dingen, die man
hinzuerfinden kann” rechnen müsse, wenn ich meine publizistische
Tätigkeit nicht einstellen würde.

Ich muss diese Androhung von nicht-legitimen Maßnahmen sehr ernst nehmen
- schon angesichts des fragwürdigen Verhaltens der Inlandsdienste und
der bisher ungeklärten Rolle des BND im NSA-Überwachungsskandal.

Angesichts der im Artikel beschriebenen und nicht-nachvollziehbaren
Absage einer bereits verfügten Wehrübung im Jahr 2013 gehe ich davon
aus, dass schon dort die Grundlage dafür vorhanden war, dass ich heute
davon ausgehen muss, keine unabhängige Begutachtung zu erhalten.

Anlass für die Drohung im Dezember 2013 waren offenbar meine Artikel mit
Bundeswehrbezug, sowie meine klare Positionierung gegen Missstände im
Berufsförderungsdienst und der Veteranenversorgung.

Ich bitte daher das Büro des Wehrbeauftragten, die im Artikel gelisteten
Aktivitäten zu prüfen und mir zu begründen, wo ich in meinen
Darstellungen abseits einer vertretbaren Meinungsäußerung für einen
Journalisten bin oder Themen aufgreife, zu denen ich mich SO nicht
äußern darf. Weder als Staatsbürger, noch als Journalist.

Bitte sehen Sie mir nach, dass ich ausweichende Schreiben in der
Qualität der letzten Antworten nicht akzeptieren kann. Wir leben in
einem demokratischen Staat. Jede der Instanzen MUSS sich legitime Fragen
stellen lassen.

Darüber hinaus bitte ich mit Fristsetzung 29.08.2014 um Antworten zu
folgenden Fragestellungen:

Fragestellungen für das Büro Wehrbeauftragter:

1. Welchen Grund gab es für die Absage meiner Orientierungswehrübung,
die zum Kennenlernen des Dienstpostens vorgesehen war? (Beschreibung im
Artikel)

2. Welche Verantwortliche Stelle (Name, Funktion) hat die Aufhebung der
Einberufung (im Artikel im Bild vorhanden) damals verfügt?

3. Warum galt die Medienerfahrung als Redakteuroffizier als “Nicht
ausreichend” für den Dienstposten?

4. Welche der im Beitrag getätigten Aussagen stehen im Widerspruch zum
Prinzip Staatsbürger in Uniform oder verstoßen gegen soldatische Grundsätze?

5.Wie ordnen Sie die bekannte Überlastung während der Auslandseinsätze -
Einsatzabstände, Häufigkeit und Ausbildungsdauer berücksichtigen – in
Bezug auf meine Person ein? Wird es seitens des Wehrbeaufragten eine
Stellungnahme geben, wie mit einsatzgeschädigten Soldaten zu verfahren
ist, wenn die 4 Monate Einsatz – 20 Monate Dienst im Inland Forderung
nicht eingehalten wird?

6. Wie gleicht der Dienstherr die Nachteile aus, die entstehen, wenn
Soldaten aufgrund einer häufigen Einsatzbeschickung die berufliche
Förderung während der Dienstzeit nicht sinnvoll nutzen kann?

7. Ich verweise auf die bereits vorliegende Eingabe, die die
Falschinformationen beim Behandlungsantritt im Bundeswehrkrankenhaus
Berlin 2013 thematisiert und bitte auch an dieser Stelle erneut um Klärung.

Fragestellungen für das Büro PTBS-Beauftragter:

1. Wie können Sie angesichts dieser Erfahrungen im und mit dem System
verlangen, dass ich mich nochmal in die Hände dieser Organisation
begebe, um ein psychologisches Gutachten über meine
Wehrdienstbeschädigung anzufertigen?

2. Warum reichen die Befragungen aus dem Aufenthalt im
Bundeswehrkrankenhaus 2013 nicht als Basis für die Beurteilung?

3. Im Blog “Wir.Dienten.Deutschland” bzw. “Aufräumen, Kamerad!” liegen
Beschreibungen der Auswirkungen, der Überlastung sowie der Symptome und
Entwicklungen vor. Warum ist eine erneute Begutachtung notwendig?

4. In den letzten Wochen erstellte ich in zwei Terminen mit einem
Reporterteam ein längeres Interview, welches die Beweggründe der
Berufswahl, den Ablauf der Dienstzeit und Einsätze sowie die Zeit der
Erkrankung thematisiert. Dieses Videomaterial habe ich angeboten und
stimme zu, dass dies als Basis für die Begutachtung fungiert.

Eine erneute Auseinandersetzung in einem autoritäsbelasteten Umfeld
stufe ich als erkrankungsverstärkend ein.

Ich bitte ein letztes Mal darum angesichts der dokumentierten und
ärztlich festgestellten einsatzbedingten Erkrankung um die Aufnahme in
die Schutzzeit.

Angesichts des bereits erreichten Standes der Aufarbeitung möchte ich
nicht erneut in eine stationäre Behandlung in ein Bundeswehrkrankenhaus.

Bisher gab es außer dem Zwang “Bundeswehrkrankenhaus Hamburg zur
Begutachtung aufsuchen” keinerlei Therapie- oder Rehabilitationsagebote
seitens des PTBS-Beauftragten.

Ich benötige die Möglichkeit, die Nachteile aufzuarbeiten, die durch die
Einsatzüberlastung entstanden sind und keine jahrelange Prozessierung,
kein akten- und gutachterlastiges Feilschen um Prozentpunkte im Grad der
Schädigung.

Darüber hinaus benötige ich unabhängige, nicht im System Bundeswehr
verortete Gutachter, sollte eine weitere Begutachtung im Rahmen des
Wehrdienstbeschädigungsverfahrens notwendig sein.

Ich bitte Herrn Jürgen Rose, sowie Herrn Guido Strack darum, den Fall in
den jeweiligen Netzwerken aufzugreifen, sofern Sie das im Rahmen der
Vereinsziele für möglich halten.

Ich bitte die angeschriebenen Abgeordneten der Linkspartei darum, diesen
Fall im Auge zu behalten und im Rahmen ihrer Möglichkeiten um
Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Lücking

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Fragen über Fragen – Persona non grata?

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Im November 2012 schrieb ich meinen ersten ansatzweise kritischen Artikel zum Thema 27.09.2008. Enthüllungen enthielt dieser kurze Onlineartikel nicht – nur etwas Promotion für das WAZ-Leak. Leider ist der Artikel heute nur noch kostenpflichtig zu erreichen, sofern man bereits das Seitenaufruflimit erreicht hat, das die Rhein-Zeitung erst vor kurzem noch restriktiver handhabt.

Die WAZ hat auf Initiative von David Schraven eine mehrere Jahre umfassende Leaking-Platform zum Thema „Deutscher Afghanistaneinsatz“ aufgemacht. Schon am Tag der Veröffentlichung stößt mich mein Kollege in der Rhein-Zeitung darauf. Ich sehe die Schilderungen zum 27.09.2008 und bin entsetzt, wie wenig unsere Parlamentarier über diese Einsätze erfahren und wie weit weg die offiziellen Schilderungen in den jetzt zugänglichen „Unterrichtungen des Parlaments“ von dem abweichen, was ich vor Ort erlebte.

Wehrübung bei Luftlandebrigade 26 in Saarlouis

Im September 2012 hatte ich in Oldenburg beim Airborne Fit Run teilgenommen. Der Organisator des Geländelaufes im Stil der bekannten Tough-Mudder Events schlug mir vor, ich solle mich doch bei einem springenden Verband als Reservist betätigen. Das Hobby Fallschirmspringen hatte ich im Jahr 2011 / 2012 als guten Ausgleich entdeckt und hätte mir gut vorstellen können, auch in militärischem Umfeld diesen Sport zu betreiben.

Mein Ansinnen die Bachelorarbeit mit diesem Hobby zu verknüpfen wurde seitens des ehemaligen Dienstherrn – trotz immer noch ausreichend verfügbarer Mittel im Rahmen der Berufsförderung – abgelehnt.

Die Tätigkeit als Presseoffizier im Inland für die Luftlandebrigade 26 konnte nicht nur ich mir gut vorstellen. Auch der Dienstposteninhaber, den ich vertreten sollte war mehr als begeistert:

„Endlich jemand, der qualifiziert ist! Militärisch bringen Sie Medienerfahrung mit, studieren Onlinejournalismus: ich bekomme endlich einen Vertreter!“

Sinngemäß zitiert drücken die Sätze aus: der Job passt für mich!

Ich schicke eine eMail mit dem Link zum Artikel bei der Rhein-Zeitung und äußere die Befürchtung, das könne falsch aufgefasst werden. Der Presseoffizier antwortet, dass er kein Problem mit dem Artikel habe. Offenbar glaubt auch er an die parlamentarische Kontrolle, die defacto stattzufinden hat, aber offenbar unterwandert wird.

Telefonanruf:

„Herr Oberleutnant, hier Stabsfeldwebel XY … ich muss leider ihre Wehrübung absagen,“ höre ich am Telefon die bekannte Stimme des Personalfeldwebels aus Saarlouis. „Sie haben nicht den notwendigen Lehrgang für den Dienstposten.“

Verwundert entgegne ich:

„Wir hatten doch abgesprochen, dass ich eine 5-tägige Orientierungswehrübung mache, mir zunächst Dienstposten und Aufgaben anschaue und danach entscheide, ob ich die erforderlichen Lehrgänge für einen Reservisten und dauerhaften Vertreter des Presseoffiziers mache.“

Mit Druck in der Stimme kommt die klare, sachliche Ansage des Personalfeldwebels:

„Herr Oberleutnant: das weiß ich. Die Absprache haben Sie ja mit mir gemacht. Ich habe Anweisung von oben, diese Übung abzusagen. Die offizielle Begründung ist der fehlende Lehrgang. Tut mir Leid – ich muss die Wehrübung aufheben.“

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Rund 3 Arbeitstage vor Antritt der Wehrübung. Ich schreibe via Facebook nochmal meinen ehemaligen Kommandeur an und frage, ob er mal nachhaken kann, was da der Grund ist. Eine wirkliche Erklärung gibt es nicht. Schuld seien womöglich meine Onlineaktivitäten.

Ein paar Tage später schildert mein Cousin, der ebenfalls als Soldat unterwegs ist und gerade an einer Karriere im Umfeld des Kommando Spezialkräfte als Waffenmechaniker baut, er sei plötzlich umgeplant worden. Umgeplant heißt in diesem Fall die spontane Ablösung von einem bereits laufenden Einzelkämpferlehrgang und die Versetzung in eine Einheit, die in den kommenden zwei Jahren erst aufgebaut wird. Alles nur Zufall?

Negativliste

Was mich so unhaltbar macht ist online leicht nachzuvollziehen und eigentlich mit dem allem vereinbar, was ein Staatsbrüger in Uniform so tuen darf:

Domain http://wir-dienten-deutschland.de

Ende 2012 registriere ich die Domain “Wir-Dienten-Deutschland.de” und führe dabei – ungewollt – die Unfähigkeit der Bundeswehr vor, wenn es um Öffentlichkeitsarbeit geht. Nur ein Buchstabe mehr öffnet das Tor, die groß angelegte “Wir.Dienen.Deutschland” zu diskreditieren. Dilettantisch, sich die Domain nicht zu sichern, wenn die eigene heile Bundeswehr-Welt doch unter wir-dienen-deutschland.de präsentiert wird. Na gut …

Das Projekt „Wir.Dienten.Deutschland.“ startete ich zunächst nur auf Facebook mit folgendem Missionstatement:

Projekt im Aufbau: Werbeversprechen nicht eingehalten? Falsche Erwartungen geweckt? Absturz nach Ende der Dienstzeit, weil Feststellungsverfahren nicht abgeschlossen wurden?

Via Facebook sammele ich Fälle, die journalistisch aufzuarbeiten sind. Von langwierigen WDB-Verfahren über die Ablehnungsgründe für BFD-Maßnahmen bis hin zu fragwürdigen Anwerbungsversuchen.
Wichtig:
Alle eure Angaben müssen nachprüfbar sein – Beiträge, die offenkundig nur auf Shitstorming abzielen, jedoch nicht durch Schriftverkehr mit BFD, Gutachtern, Wehrbeauftragten oder anderen Stellen zu belegen sind, bitte nicht posten.

Ich zähle zu den Betroffenen. Zunächst musste ich aufgrund der häufigen Einsatzbeschickung rund 9.000 Euro an Maßnahmenbudget während der Dienstzeit verfallen lassen. Ich bemühte mich dabei schon früh darum, diese Budget zu nutzen. Zunächst besprach ich mit dem Berufsförderungsdienst (BfD) 2003 /2004 die Möglichkeit eines Fernstudiums zum Medienbetriebswirt. Dies wäre meinem Berufswunsch nahe gekommen und hätte zeitgleich noch Bezug zum militärischen Werdegang gehabt.

Der BfD will das aus unterschiedlichen Gründen allenfalls nur im Nachhinein aus dem Förderbudget finanzieren. Ich soll in Vorkasse gehen. Umzugbedingt hat meine Frau damals jedoch keinen Job. Mit einem Grad der Behinderung von 50% findet sie nach dem Umzug an meinen neuen Dienstort 2002 keinen Job. Von meinem Gehalt zahle ich daher noch einen Anteil von 150 Euro monatlich für ihre Krankenversicherung. Das Budget für die Vorfinanzierung eines Fernstudiums ist nicht da. Die Finanzierung durch den BfD würde nur bei Erfolg im Nachhinein übernommen werden.

Ich frage wegen Berufsorientierungspraktika an und bekomme die Aussage, dass es dafür noch zu früh sei.

2002 und 2003 verbringe ich auf Offizierlehrgängen – 2004 und 2005 als Gruppenführer, stellvertretender Zugführer und Zugführer in einer Grundausbildungseinheit. Körperlich fordernde 12 Stunden Arbeitstage sind die Regel – nicht die Ausnahme.

Im Oktober 2005 breche ich einen bereits begonnenen Sprachkurs Französisch nach 4 Wochen ab – der Einsatz im November geht nun einmal vor.

2006 ist nahezu unplanbar. Nach Rückkehr im März geht es unmittelbar zur NATO-Response-Force und nach Frankreich, später auf die Kapverdischen Inseln.

2007 breche ich eine Maßnahme im Juni ab. Meine Frau braucht Unterstützung mit unserem wenige Wochen alten zweiten Kind. Mein ältester Sohn ist nicht einmal drei Jahre alt.

Zwischen 2008 und 2010 studiere ich Informationsmangement, scheitere aber wegen der zusammenbrechenden Familiensituation. Meine (jetzt Ex) Frau kämpft mit den Auswirkungen der letzten Jahre. Einsatzstress erreicht auch Familienmitglieder – ein Thema, das der Bild-Zeitung 2014 nun auch auffällt. Rechtzeitig schon 22 Jahre nach Beginn der Auslandseinsätze und wohl kurz vor der heldenhaften – Ursula-rettet-die-Angehörigen-Maßnahme, mit der ich persönlich ab September 2014 rechne. Erzählt sich auch schöner, als der dann wohl aktuelle Kriegseinsatz im Irak oder anderen Ländern.

Heute – 2014 – halten mir angeblich gesunde aktive Soldaten vor, ich hätte meinen Berufsförderungsdienst nicht richtig genutzt und das Einsatzgeld verprasst.

Fakt ist: das Budget während der Dienstzeit ist nur bei normalem 4 Monate Einsatz – 20 Monate Dienst im Inland nutzbar.

Ich schaffe es 2008 noch ein Berufsorientierungspraktikum beim Bundesarchiv in Koblenz zu machen. Ich erhalte 4 Wochen Freistellung und hänge 2 Wochen Urlaubszeit dran. Den nötigen Sprachlehrgang, um mich für den Archivdienst zu bewerben bekomme ich nicht genehmigt. Der BfD fördere nur Gruppenmaßnahmen… die alte Leier an vorschriftenbasierten Ausreden um berechtigte Ansprüche abzuwenden.

Erst lange nach der PTBS-Diagnose verlinke ich die Domain auf meinen PTBS-Blog, füge auch das provokante Titelbild hinzu, das auf der re:publica 2013 entstanden ist.

Im Januar 2013 sind das meine einzigen Aktivitäten mit Militärbezug. In Berlin bin ich jedoch in Richtung typisch linker Themengebiete unterwegs. Für die Bundeswehröffentlichkeitsarbeit schon zu viel? Wovor haben die namenlosen Verantwortlichen „da oben“ eigentlich Angst?


Kritischer Medienkonsument

Zwischen 2010 und 2013 bin ich in meinem Blog Medienkonsument immer mal wieder kritisch am Thema Militär dran. Themen, wie die Schmierenkomödie um Karl Theodor zu Guttenberg kann ich nicht liegen lassen. Lästern ist aber nicht der einzige Grund.

Ich melde mich kritisch zu Wort, weil mir die selektive Pressearbeit der Bundeswehr ins Auge fällt. Ich lese Bücher und habe ziemlich schnell raus, welche Themen von der Bundeswehr gewünscht sind.

In einem Artikel stelle ich gegenüber, dass ein Bild-Redakteur, der fleißig darlegt, warum mehr Waffen und Ausrüstung nach Afghanistan müssen und welche Kräfte dringend aus dem Einsatzführungskommando entfernt werden müssen gern in der Hosentasche des Ministers mitreisen darf. Autor und Coautor schreiben anschließend ein derart umwerfendes Werk, dass der Minister sogar mit dem Fahrrad durch Berlin fährt, um bei der Buchpräsentation auf dem Podium zu sitzen. Meine Rezension zu Ruhet in Frieden, Soldaten

Unbeliebt: Emotionen

Das Maximum an zulässiger Emotionsbekundung ist, den Gefallenen zu Gedenken. Mitgefühl mit der Bevölkerung in den Einsatzländern scheint hingegen nicht gern gesehen. Anders kann ich mir persönlich gewisse Entwicklungen nicht mehr erklären.

Dem Werk des Bild-Redakteur steht die Autorenleistung „Feldpost – Briefe Deutscher Soldaten aus Afghanistan“ gegenüber. Ein Team aus mehreren Redakteuren der Süddeutschen Zeitung beklagt im Vorwort die versagte Unterstützung durch die Presseabteilung der Bundeswehr. Zunächst zugesagte Unterstützung erfolgt nicht.

Das Buch ist authentisch, thematisiert auch, wie Soldaten den Umgang mit Afghanen sehen, erleben und mitfühlen.

Unbeliebt: die Arbeit mit Zahlen und Grafiken

Irgendwann platzt mir die Hutschnur – aber ich komme zu einer neuen Erkenntnis, was den Umgang mit Zahlen angeht. In einer frühen Phase der Traumatisierung setze ich mich noch für mehr Anerkennung für Soldaten ein. Der Bund Deuscher Veteranen bedient diese Linie derzeit ausgiebig – es ist schon länger nicht mehr meine Linie.

Mir fällt auf, dass die Bundeswehr mit einem Personalkörper von damals noch 250.000 Soldaten als unfähig wahrgenommen wird „die Paar Soldaten“ in die Einsätze zu schicken. Ich wundere mich sehr, weil ich aus eigenem Erleben weiß, dass viele Stellen im Einsatz kaum zu besetzen waren und die Soldaten, die ich in drei Einsätzen und dem NRF-Einsatz traf auch sehr oft die gleichen waren, wie aus vorangegangenen Einsätzen. Unterwegs im gleichen Rhythmus, wie ich zwischen 2005 und 2008.

Ich fange an die Zahlen zu betrachten, stelle fest, dass die Augenwischerei mit der Meldung der „Zahl aktuell im Einsatz befindlicher Soldaten beginnt“. 7.000 erscheint angesichts von 250.000 lächerlich. Würde die Bundeswehr das Modell 4 Monate Einsatz – 20 Monate Dienst im Inland aber konsequent umsetzen, so bräuchte es jährlich 21.000 Soldaten und für einen kompletten Umlauf 42.000 Soldaten.

Dinge wie diese fallen mir ins Auge – Dinge wie diese greife ich auf und wundere mich in deutlichen Worten, warum so schräg kommuniziert und gleichzeitig wegen zu wenig Anerkennung gejammert wird.

Unbeliebt? Na dann…

2013 begegne ich einem Journalistenkollegen, der den freundlichen Hinweis bekam, die grafische Darstellung der steigenden PTBS-Erkrankungen doch bitte als Tabelle – wie vom BMVg zur Verfügung gestellt – zu nutzen und von seinen Seiten zu entfernen. Sieht auch gar nicht schön aus, so ein ansteigender Graph.

Unbeliebt: Engagement für afghanische Ortskräfte

Die Uhr tickt. Wenn Ende des Jahres – in etwas mehr als 4 Monaten – die Masse der Truppen aus Afghanistan abzieht, wird es eng für die Verbliebenen der rund 1.700 Ortskräfte der Bundeswehr, die kein Asyl erhalten haben.

Dass die Asyl-Verfahren zu lange dauern ist in diesem Fall mit der Gefahr verbunden, dass die verbliebenen Ortkräfte dem nachrückenden Regime und lokalen Machthabern zum Opfer fallen. So erlebt in zahlreichen Konflikten – bisher sind es kaum 300, die Asyl in Deutschland erhielten.

Interviews zu dem Thema sind derzeit nicht gewünscht. Reinhold Robbe gab der Süddeutschen und dem verbandelten Onlineauftritt jetzt.de Anfang Juni 2014 ein Interview – schon nach vier Wochen verschwindet das Interview hinter der kostenpflichtigen Archiv-Paywall. Öffentlichkeit nicht erwünscht. „Es ist beschämend“ vom 10. Juni 2014 kann nicht mehr abgerufen werden.

Staatsbürger in Uniform?

Klar haben wir das Konzept noch– aber über Missstände soll auch Jahre danach bitte noch die Klappe gehalten werden. Viele Ex-Soldaten zensieren sich zunächst selbst, denn sie befürchten Auswirkungen auf die aktive Truppe.

Wer über die Bundeswehr redet, soll es bitte grundsätzlich mit dem Unterton tun, er/sie vermisse die Zeit, wäre gern wieder dort und Soldaten brauchen so wie so mehr Anerkennung. Wer das tut, der darf Bücher schreiben, spricht auf Podien und darf sich im öffentlich-rechtlichen TV zur Mittagszeit für die Unterstützung der feuchten Träume der Drohnenbeschaffungsabteilung im Ministerium stark machen.

Kritiker, wie ich haben hingegen seltsame Zufallsbegegnungen, bei denen ihnen nahegelegt wird doch das Publizieren einzustellen. Nonchalant wurde mir der Truppenausweis gezeigt und nahegelegt, dass ich selbst für Gründe, die ich nicht selbst online liefere Repressalien zu spüren bekommen könnte „…plus das, was man noch hinzu erfinden kann.“

Selbst Schuld

„Warum machst du den Mund auch auf? Kannst doch die Klappe halten“
„Bist doch freiwillig zur Bundeswehr gegangen.“
„ Netzbeschmutzer.“
„Zivilversager.“

Alles Kommentare, deren Unterton transportiert: Wir wollen es nicht hören. Klar – eine Armee, die solche Missstände aufweist und irgendwann mal mit Reserve-Kräften im Inland eingesetzt wird, die will sich niemand vorstellen.

An diesen Missständen als aktiver Soldat mitzuwirken, weil das Schweigen einfacher ist, als diese verfilzten Strukturen zu bekämpfen ist eine ungeheuerliche Vorstellung. Ignorance is bliss – ignorance is a choice!

Gründe, Gründe, Gründe

Sollten all diese Nennungen und Artikel Gründe dafür sein, dass ich 2013 nicht mehr als Presseoffizier eingesetzt werden kann? Lieber PTBS-Beauftragter, Lieber Wehrbeauftragter: auch dazu hätte ich gerne ihre Stellungnahme. En Detail und bis zum 29.08.2014. Das dürfte schnell gehen, denn eigentlich ist kein Grund enthalten, keine Äußerung, die mich inkompatibel zu den Grundsätzen dieser Armee macht.

Für möglich aber halte ich, dass in irgendeiner Art und Weise Dinge in das herein interpretiert werden. Für möglich halte ich auch, dass schlichtweg mein privates Umfeld überwacht wurde und in Kontakte, die ich in journalistischem Kontext bis 2013 hatte interpretiert wurde, dass ich so unhaltbar für die Armee bin.

Sollten jedoch Anteile meines Privatlebens ungefragt durch dienstliche Tätigkeiten falsch-interpretiert worden sein, sehe ich das als Eingriff in meine staatsbürgerlichen Rechte an.

Falls aber Missstände nicht aufgezeigt werden dürfen, äußern Sie bitte zu jedem dieser Beispiele, was daran so untragbar ist. Gern formuliere ich gemeinsam mit ihren Büros eine “Anleitung zum aufrechten Staatsbürger in Uniform”. Vielleicht gelte ich danach ja auch nicht mehr als “befangen” und darf Themen, wie Afghanistan in einem journalistischen Umfeld begleiten … und könnte davon leben, statt Jobs auf seltsame Weise zu verlieren.

Ja, mir fallen Dinge und Seltsamkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr auf. Ich bin auch schon gespannt auf die Ergebnisse von Anfragen, wie dieser hier:

Kleine Anfrage Linkspartei vom 06.08.2014 “Videoaufzeichnungen in Einsätzen der Bundeswehr”

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Unguided Missile

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Die Trigger-Ereignisse der letzten Tage lassen mich wieder verstärkt an Themen arbeiten, die gerade eigentlich weder dran sind, noch dran sein sollten. Doch mit der immer wieder unterstellten „Befangenheit“ hat das nichts zu tun.

Unguided Missile: ever since!

Mit meinem Handeln stand ich erstmals im Februar 2006 im absoluten Konflikt mit „den Interessen anderer“. Ich kann nicht genau sagen, was die genauen Hintergründe waren, aber offensichtlich fand ich schon damals Worte, die in irgendeiner Weise einen “irgendwo” geplanten Ablauf störten.

Nachdem bereits die halbe muslimische Welt in Aufruhr war und Menschen starben, schwappte die Welle der Proteste dann auch nach Afghanistan. Der damals verantwortliche General Bernd Kiesheyer hatte die Intention, das zu stoppen und vor allem Tote unter den Soldaten zu vermeiden.

Seine Forderung an die OpInfo-Einheit, der ich angehörte und die neben einer Zeitung, Flugblättern und Lautsprecherwagen auch meinen Radiosender mit rund 900.000 Hörern im Norden Afghanistans betrieb war deutlich: Verluste und Ausschreitungen vermeiden.

Wie? Das wusste zunächst auch ich nicht. In erster Linie wollte ich vermeiden mögliche Linien oder Statements der deutschen Bundesregierung zu der Thematik zu verkomplizieren oder diesen zu widersprechen. Ich frage meinen vorgesetzten Oberstleutnant zunächst nach einem Statement der Bundesregierung oder des auswärtigen Amtes zu den Islamkarrikaturen.

„Da gibt es nichts.“ war seine knappe Antwort. „Wie sieht es mit dem Einsatzführungskommando oder der Bundeswehr allgemein aus?“ Der Blick in sein Gesicht nahm die Antwort schon fast vorweg: „Da gibt es nichts. Da wird auch nichts kommen. Das müssen wir wohl vor Ort regeln.“

Erfahrung

Zu diesem Zeitpunkt habe ich an Qualifikation einen 6-wöchigen Lehrgang, der sich mit „Journalismus allgemein“ befasst hat. Ich habe gelernt, wie Beiträge mit Originaltönen produziert werden, habe bei einem Radiosender der Bundeswehr (Radio Andernach) drei Wochen mitgearbeitet und hatte 3 Wochen „Training on the Job“ als Chefredekteur eines Radiosenders mit 8 festen Redakteuren und einem Korrespondentennetz aus damals 15 Redakteuren.

Örtliche Radiostationen übernahmen in einem System von Re-Broadcast-Stationen wöchentlich ein einstündiges Programm der ISAF in ihre Programme. Führungserfahrung in der Leitung des Senders: gut 6 Wochen nachdem mein Vorgänger den Heimflug angetreten hatte.

Die Forderung nun: „Machen Sie Radio so, dass keine Soldaten zu schaden kommen.“

Nachdem wir uns beraten haben, kam folgender Radiobeitrag zustande. Der Text kann veröffentlicht werden, da dieser ja bereits „Live On Air“ quasi für alle Afghanen und sonstigen Stellen zugänglich war:

Als General Kiesheyer, Kommandeur und verantwortlich für die ISAF-Truppen im Norden Afghanistans von dem Vorfall in der internationalen Presse erfuhr, äußerte er, dass er es persönlich bedauert, das die veröffentlichten Bilder das religiöse Empfinden der Muslime weltweit und besonders der ehrbaren Menschen im Norden Afghanistans so tief verletzt hat.
Er stellte klar, das die ISAF-Truppen im Norden die Religion der Menschen respektieren. Er betonte das ISAF den Glauben der Menschen respektiert, egal, welcher Religion sie sich zugehörig fühlen.Er hofft, dass der Prozess der Zusammenarbeit und des Wiederaufbaus durch diese Vorfälle nicht Schaden nimmt und das die Freundschaft zwischen ISAF und den Menschen im Norden nicht darunter leiden wird.

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General Kiesheyer bestand im persönlichen Gespräch mit mir darauf, das ich das Wort “persönlich” einfüge. Seine erkennbare Intention war, Nachfragen und Ärger auf seine Person zu zentrieren.

Und die Nachfragen kamen

Wenige Tage nach dem wir das Statement quasi täglich an allen stündlichen und halbstündlichen Nachrichtensendungen angefügt, sowie per CD im gesamten erreichbaren Norden Afghanistans verbreitet hatten klingelten die Telefone heiß.

Verteidigungsministerium, Einsatzführungskommando, Auswärtiges Amt – kaum eine Instanz, die nicht direkt nach dem Statement schrie. Ich erfuhr später, dass offenbar ein amerikanischer Soldat von seinem Sprachmittler übersetzt bekommen hatte: “Ein deutscher General hat sich für die Islamkarrikaturen entschuldigt.”

Die Information wanderte von Afghanistan nach Belgien ins NATO-Hauptquartier SHAPE und von dort in den Bundestag – wie mir mein Vorgesetzter sagte, in den Verteidigungsausschuss.

Später schilderte er mir, ich wäre als “unguided missile” bezeichnet worden, die schleunigst wieder eingefangen werden müsse.

Wie groß war die Angst?

Als ich im September 2006 einen Vortrag zum Thema “Lebenbedingungen im Camp” vor Angehörigen halte, werde ich angesprochen, doch den gleichen Vortrag in Rahmen einer Veranstaltung in Ahrweiler zu halten. Die Ankündigung der Veranstaltung hing auch für einige Zeit im Verteidigungsministerium in Bonn am Schwarzen Brett.

Mein Arbeitstitel “Die Akte Kunduz” war unbewusst gewählt. Ich hatte schlichtweg mehrere Einsätze absolviert und für jeden dieser Einsätze gab es immer eine Einsatzakte. Die Symbolik “Akte – abheften – ablegen” gefiel mir damals gut.

Wenige Tage vor dem Vortrag reagiert zunächst mein Kompaniechef “panisch”, was ich denn da für einen Vortrag halten wolle. Der Bataillonskommandeur sei vom Kommandeur der Truppengattung aufgefordert worden, das in Erfahrung zu bringen. Ich solle mich melden und den Vortrag erläutern.

In dem mehr als nur harmlosen Vortrag schildere ich die Lebensbedingungen vor Ort und vor allem, was psychisch Entlastung geschaffen hat. Nicht nur die offiziell verbotene Tierhaltung im Camp, die ich in allen Einsätzen erlebt habe, sondern auch der “Karnevall in Kunduz”, den wir wenige Tage nach einem schweren Anschlag feiern. “Wir müssen das Ventil ein wenig öffnen – die Anspannung nach den Karrikaturen, Meymaneh und dem Anschlag ist einfach zu groß!”, meinte mein damaliger Vorgesetzter.

Am 22.02.2006 gab es erstmals seit der Stationierung von Bundeswehrtruppen in Kunduz einen Anschlag in der Innenstadt, bei dem Soldaten das Ziel waren. Einer wurde schwer verletzt und traumatisiert. In der afghanischen Bevölkerung gab es nicht nur Verletzte, sondern auch Tote. Schon deswegen obliegt es mir, den Redakeuren zu erklären, was der seltsame Brauch “Karnevall” zu bedeuten hat. Sie geben diese Information an die afghanischen Mitarbeiter in den anderen Bereichen des Camps weiter.

Damit erscheint dann – hoffentlich – der Umzug nicht ganz so fremd und unangebracht, den wir durch das Camp veranstalten. Für den Stresslevel wichtig – schon wenige Tage später gibt es wieder Anschläge. Die Drohungen Handgranaten könnten über die Lagermauern fliegen und den ominösen “weißen Toyota mit Sprengsatz” nehmen alle längst nur noch unterbewusst wahr, zur Kenntnis und quasi als “Normalzustand”.

Auswirkungen auf mich

Meine Belastungsstörung trat damals noch nicht zu Tage. Doch Aspekte, wie Kasernierung in mäßig gesicherten Lagern, Aufstände oder Angriffe finden sich im Kosovoeinsatz, wie auch in ISAF 1 und 3. Die Depressionen, unter denen ich zwischen 2008 und 2013 massiv litt waren verknüpft mit ISAF 1, den Islamkarrikaturen und dem Beinaheverlust des Camps in Meymaneh, für das wir quasi sämtliche Krisen-PR-Stellungnahmen schon formuliert hatten.

Ich wusste seither, wie Medienarbeit unverzeihlich Fehler im Umgang mit Massenkommunikationsmitteln sein können. Und das sie Menschenleben kosten können. Während ISAF 2 dann einen unerfahrenen Chef erleben zu müssen, der Fachfehler um Fachfehler begeht und mittels Autorität und Dienstgrad auch gegen mich durchsetzte hat weiteren Schaden angerichtet.

Angst auch 2013 ?

Es dauert nur wenige Tage, bis der Artikel über den Afghanistan-Einsatz 2005/2006 mit den Ereignissen rund um die Karrikaturen erkennbar häufig geklickt wird und auch an allen anderen Artikeln eine IP-Adresse immer wieder auftaucht.

Dänisches Aussenministerium

Dänisches Aussenministerium

Erst auf direkte Ansprache der Dänischen Botschaft im Laufe des Jahres endet der immer wiederkehrende Zugriff der IP-Adresse aus dem dänischen Aussenministerium in Kopenhagen.


Geplante Unruhen – aber von wem?

Im Januar 2014 treffe ich den dänischen Whistleblower Anders Kaergaard. Der ehemalige Offizier wurde durch seine Einsätze im IRAK traumatisiert und ging ebenfalls 2013 an die Öffentlichkeit.

Wir hatten sogleich eine besondere Gesprächsebene. Seine Militärzeit verbrachte er in einer vergleichbaren Einheit, wie auch ich. Medienarbeit fürs Militär – Psychological Operations.

Er beschrieb mir vor allem die Unterschiede der dänischen PsyOps im Vergleich zur Deutschen OpfInfoTruppe. Die Stellen der Dänen seien, so Kaergaard, nicht nur im Militär, sondern auch beim Geheimdienst verortet.

Der zweite wesentliche Unterschied sei, so schildert Kaergaard, dass das dänsische Militär nicht nur die Zielgruppe Einsatzbevölkerung mit Informationen versorgt, sondern das auch in Richtung der einheimischen Bevölkerung Informationskampagnen gefahren würden. Die Inhalte der Kampagnen orientierten sich dabei am Nutzen, der gegenüber der jeweiligen Zielgruppe erlangt werden solle. Kaergaard schildert, dass das vorallem dazu genutzt werde, um schwere Vorfälle in Einsatzgebieten gegenüber der Bevölkerung herunter zu spielen.

Ich entgegne, dass ich nur eine Zielgruppe – die Bevölkerung im Einsatz – mit Informationen versorgen durfte und das es ein striktes Verbot gegeben habe, mit Informationen auf die eigene Bevölkerung zu “wirken”.

Wir lachen beide, als wir unsere Wahrnehmungen austauschen – es ist ein bitteres Lachen.

Berichterstattung 2006 in der Rhein-Zeitung durch Bernd Kiesheyer

Ich übernehme diese Artikel, die damals im Einsatz entstanden, aber kein “OpInfo-Werk” sind. Mal gespannt, ob und wie lange es geduldet wird, dass diese Artikel hier in Kopie angefügt sind:

Ich habe zwei Artikel aufbewahrt, die der damals kommandierende General in der Rhein-Zeitung veröffentlichen durfte. Ich trage die Darstellungen mit und auch den Optimismus, der in Bezug auf künftige Zusammenarbeit mitschwingt. Das es dazu nicht kam und das mit den Karikaturen, die insgesamt vier Mal veröffentlicht wurden die Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit noch mehr geschädigt, wenn nicht gar zerstört wurde, bedauere ich sehr.

Rhein-Zeitung – Ausgabe Mayen vom 18.02.2006, Seite 2.

Geplante Unruhen in Afghanistan

Extremisten nutzen Empörung wegen der Mohammed-Karikaturen aus
Die Unruhen wegen den dänischen Mohammed-Karikaturen haben auch Afghanistan ergriffen. Die Soldaten der internationalen Schutztruppe (Isaf) wurden in eine heikle Lage gebracht. Militärverantwortliche gehen davon aus, dass die gewalttätigen Proteste gezielt geschürt wurden.
 Von Brigadegeneral
Bernd Kiesheyer
KUNDUS. Die Unruhen der vergangenen zwei Wochen hier in Afghanistan sind noch nicht ganz überstanden. Überall im Land brachen Proteste und Demonstrationen aus. Die Menschen demonstrierten ihrer Meinung nach gegen Gotteslästerung und Verunglimpfung des Propheten Mohammed.
Anlass waren die erneuten Veröffentlichungen der Karikaturen des Propheten Mohammed in verschiedenen Ländern Europas. Der Zorn richtete sich hauptsächlich gegen Dänemark und Norwegen. Wir waren von der Heftigkeit des Protestes und der damit verbundenen Gewalt überrascht. Stets begannen die Proteste und Demonstrationen nach dem Morgengebet in der Nähe der Moscheen. Zuerst nur lautstark, dann jedoch, wenn die friedlichen Teilnehmer abzogen, kamen die gewaltbereiten Demonstranten. Stets war es das gleiche Schema. Es schien alles gut vorbereitet zu sein. So war uns rasch klar, Anlass und Ursache der Demonstrationen waren nicht unbedingt identisch.
Sehr viele Afghanen waren ehrlich empört über die Karikaturen. Sie waren in ihrem religiösen Empfinden wahrhaftig getroffen. Das Argument der Pressefreiheit wurde von ihnen weder verstanden noch akzeptiert.
Die Wellen der Gewalt waren durch die Veröffentlichungen in keinem Falle gerechtfertigt. Da in der Vergangenheit jedoch nicht oder nur wenig darüber berichtet wurde, nahmen die Afghanen an, es seien aktuelle Fälle. Die Mullahs ließen sie häufig in diesem Glauben. Ein sehr großer Anteil der Menschen hier in Afghanistan besteht noch aus Analphabeten. Sie sind leicht zu beeinflussen.
Wir hatten in Feyzababad, Taloqan, Pol-e-Khumri und Meymana gewalttätige Unruhen zu bestehen. In Kunduz, Mazar-e-Sharif, Sari Pul, Sheberghan und Aibak verliefen die Demonstrationen ohne größere Komplikationen. Dort wirkten die verantwortlichen Politiker und Mullahs beruhigend auf die Menschen ein. In den anderen Städten und Provinzen kam es teilweise zu heftigen Gewaltausbrüchen, die zunächst von der örtlichen Polizei und von den Gouverneuren ignoriert wurden. Erst nach heftigen Protesten durch die PRT Kommandeure und durch mich schritt man zögerlich ein. Das Schlimmste konnte dann jedoch noch abgewendet werden. Nur in Meymana, bei unseren norwegischen Kameraden, eskalierte die Gewalt so schnell, dass uns allen rasch klar wurde: Hier war von langer Hand geplant worden.
Wir zögerten nicht, unsere QRF (Quick-Reaction-Force) aus Mazar-e-Sharif mit Hubschraubern und Transportflugzeugen zu verlegen. In kurzer Zeit hatten wir unsere Verstärkung vor Ort. Nun ist die Lage im Norden wieder einigermaßen ruhig, jedoch nicht stabil. Sechs unserer norwegischen Kameraden wurden erheblich verletzt. Das verlorene Vertrauen wiegt sehr schwer. Das NOR PRT wurde recht schwer zerstört. Die Angehörigen des PRT Meymana wurden mit Steinen, Brandflaschen und Handgranaten eingedeckt. Sie wurden mit Gewehren, Pistolen und Panzerfäusten angegriffen. Ein Wunder, dass nicht mehr geschehen ist. Bewundernswert ist, wie sie sich gehalten haben. Sie verteidigten sich mit Gummigeschossen, Tränengas und CS. Mit ihren scharfen Waffen schossen sie nur Warnschüsse in Richtung der Angreifer. Sie wussten, wir lassen sie nicht im Stich!
Nach dem Einfliegen der Verstärkung flog ich selbst nach Meymana. Ich bestellte den Gouverneur, den Polizeichef, den Bürgermeister und die Mullahs ins PRT ein. Sie räumten ein, das Ausmaß der Demonstration unterschätzt zu haben und entschuldigten sich. Rasch wurde deutlich, dass auch hier üble Hintermänner ihre Fäden gezogen hatten. Die lokalen “Powerbroker” des Nordwestens hatten ihre Hände im Spiel. Sie wollten unsere norwegischen Kameraden abstrafen; dafür, dass sie ihnen bei illegalen Geschäften in die Quere gekommen sind.
Die Gewaltwelle ist möglicherweise in Verbindung mit dem afghanischen Nachbarstaat Iran zu sehen, der ins Visier der internationalen Gemeinschaft geraten ist, besonders ins Visier der USA und der europäischen Staaten. Das würde erklären, warum erst so spät, aber zum “richtigen Zeitpunkt” die wütenden Proteste der islamischen Welt erfolgten.
Noch haben wir es hier in Afghanistan nicht überstanden. Aber uns ist klar, wir werden unseren Auftrag erfüllen. Die Mehrheit der Menschen will in Frieden und Freiheit leben. Sie sehen in uns die Garanten ihrer Menschenrechte. Wir dürfen sie nicht enttäuschen!
 Der deutsche Brigadegeneral Bernd Kiesheyer ist als Regional-Koordinator-Nord für den Einsatz der internationalen Truppen im Nordosten Afghanistans verantwortlich.

Rheinzeitung, 24.02.2006
Mühsamer Weg zum Rechtsstaat
Brigadegeneral Kiesheyer: Afghanische Kriminelle hemmen Wiederaufbau
Im Norden Afghanistans spielt Deutschland eine zentrale Rolle. Brigadegeneral Bernd Kiesheyer, von 1988 bis 1991 Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 342 in Kob-lenz, koordiniert den Einsatz der internationalen Truppen im Nordosten. Sein Sitz ist in der Provinzhauptstadt Kunduz. Über den Einsatz als Regional Area Coordinator (RAC) hat Bundeswehr-General Kiesheyer eine Art persönliches Einsatztagebuch geführt. Wir dokumentieren Auszüge.
KUNDUZ. Januar 2006: Der Winter hat uns hier im Norden Afghanistans fest im Griff. Schnee, Frost und die ganze Palette von unschönen Witterungsbegleiterscheinungen, wie glatte und rutschige Straßen und eingefrorene Rohre in unserem Feldlager. Morgens ist der Gang zum Sanitärcontainer schon eine echte Herausforderung.
Die Anforderungen an unsere Kraftfahrer werden auf eine Bewährungsprobe gestellt. So sind wir in den vergangenen fünf Tagen mehr als 1400 Kilometer durch den Norden des Landes gefahren. Von Kunduz über Pol-e-Khumri (Baghlan) nach Aibak (Samangan), weiter nach Mazar-e-Sharif. Von dort nach Sari Pul, zurück nach Sherberghan (Jawzjan) und Mazar-e-Sharif. Übernachtungen im Camp Marmal, bevor es dann zurück nach Kunduz ging. Trotz des Winters gilt es, die Gouverneure der Provinzen des Nordens zu besuchen. Bei der rasch wechselnden Witterung bleibt nur die Fahrt mit dem Auto. Sie ist zwar mit einem höheren Risiko verbunden, aber wenn ein Flug nicht möglich ist, bleibt keine andere Wahl. Unsere gepanzerten Fahrzeuge bieten schon einen guten Schutz und ausreichenden Komfort.
Jedoch ist Wachsamkeit geboten. Unsere “Close Protection Teams” (CPT) arbeiten sehr präzise, und auch ich muss mich in die besonderen Schutzverfahren mit einbringen. Man wächst zusammen. Ich muss mich daran gewöhnen, nie alleine zu sein. Selbst der Gang zur Toilette wird dezent begleitet. Diese besonderen Umstände kann man über einen langen Zeitraum nur erfolgreich ertragen, wenn die Chemie, die Kameradschaft stimmt. Wir sind ein Team, wir gehen durch Dick und Dünn – mit kalkuliertem Risiko. Jeder steht für den anderen ein. Mein CPT und ich sind zu einer engen, verschworenen Gemeinschaft zusammen gewachsen. Jeder kann sich auf den anderen verlassen. Das CPT ist sechs Mann stark, dazu mein Adjutant. Er rundet unsere kleine Kampf-, Einsatzgemeinschaft ab. Bis zum letzten Einsatztag werden wir so zusammenarbeiten.
Während der Fahrt durch den Nordwesten Afghanis-tans traf ich mit vier Provinzgouverneuren, den Polizeichefs und den Leitern der Provinzsicherheitsdienste zusammen. Es wird vermutet, dass selbst einige afghanische Regierungs- und Verwaltungsverantwortliche in den Drogenanbau und Drogenschmuggel verwickelt sind. Dazu kommen noch Waffenschiebereien und Korruption. Dennoch müssen wir mit ihnen kooperieren.
Wir müssen sie in Verantwortung bringen. Wir müssen sie auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen. Wir müssen dem Recht Geltung verschaffen. Jetzt, nachdem die gewählten Parlamente damit beginnen, Gesetze zu erlassen, wächst das Unrechtsbewusstsein bei den offiziellen Vertretern der Staatsgewalt, die zuvor selbst bestimmen konnten, was Recht war und was nicht. Diese Zeit ist abgelaufen, das wissen sie. Es war deutlich in den Gesprächen zu merken. Wenn ich sie mit ihrem vermuteten Fehlverhalten konfrontierte, wichen sie aus, versuchten Verantwortung umzuschichten und zeigten Unsicherheiten. Wir sind offensichtlich auf dem richtigen Weg! Ein Polizeichef versuchte sogar, mit einer “getürkten” Schau von beschlagnahmten Waffen – die alle Museumsreife hatten – Eindruck zu schinden.
Zurzeit treiben westlich von Mazar-e-Sharif einige kriminelle Banden ihr Unwesen, die Lkw und Reisende überfallen. Das führte dazu, dass Isaf-Kräfte gemeinsam mit afghanischer Polizei und dem afghanischen Militär Konvois bilden mussten, um Angehörigen der internationalen Gemeinschaft Schutz und Sicherheit zu geben. Selbst Mekka-Pilger wurden beraubt. Die kriminellen Banden nahmen ihnen ihr mühsam erspartes Reisegeld ab. Wenn man weiß, dass diese armen Pilger teilweise während ihres ganzen bisherigen Lebens gespart hatten, um, wie es sich traditionsgemäß für einen Moslem gehört, einmal nach Mekka zu reisen, dann erkennt man die Tragik dieser Verbrechen.
Jedenfalls ist es den vereinten Sicherheitskräften gelungen, weitgehend wieder Sicherheit in der Region herzustellen. Doch die Lage ist nach wie vor instabil.
Vor wenigen Tagen wurden niederländische Soldaten trotz hoher Wachsamkeit von einer Straßenbombe getroffen, die Taliban-Kämpfer gelegt hatten. Gott sei”s gedankt, die Soldaten sind mit dem Leben davon gekommen. Wenn man sich den getroffenen Geländewagen anschaut, erscheint es wie ein Wunder. Dennoch, die internationalen Soldaten dürfen sich nicht in ihre geschützten Räume zurückziehen und so den Feinden der positiven afghanischen Entwicklung das Feld überlassen. Die überwältigende Mehrheit der afghanischen Bevölkerung will die Hilfe der internationalen Gemeinschaft und betrachtet uns als willkommene Helfer und Gäste.
Die Hauptstörer des afghanischen Wiederaufbauprozesses finden wir in den Reihen der organisierten Kriminalität. In Afghanistan herrschte lange Zeit Anarchie. Das bot den Warlords und Drogenbaronen den Freiraum, den sie für ihre Machenschaften benötigten. Das wird nun langsam anders werden. Nur, es bedarf Zeit, viel Zeit! Haben wir also Geduld und die Kraft, diese Aufgabe zu lösen.

Rhein-Zeitung – Ausgabe Mayen vom 24.02.2006, Seite 2.

Informations-Besuch in Kunduz: EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner bei Brigadegeneral Kiesheyer.   Foto: Bundesheer

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Letztes Hilfeersuchen als persönliche eMail an PTBS-Beauftragten

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Sehr geehrter Herr General von Heimendahl,

meine Art mag vielen nicht passen – doch warum sollte ich angesichts dessen, was mir durch die Dienstzeit widerfahren ist noch irgendeinen Respekt vor Regeln haben, die das Militär aufstellt?

Sowohl der Wehrbeauftragte, als auch Sie erhalten nun mein abschließendes Hilfeersuchen.

Es handelt sich um ein Hilfeersuchen und NICHT um die Bitte, mich in Verwaltungsprozesse einzusteuern oder finanziell ruhig zu stelle.

Ich arbeite, so viel ich kann – und das das zum Leben nicht reicht ist leider derzeit Fakt. Das, was mich belastet kommt in den offiziellen Erzählungen des Ministeriums nicht vor – und dennoch müssten Sie genau diese Entwicklungen aus den USA und anderen Staaten längst kennen.

Vor allem das SCHWEIGEN und die offenbar kategorische Weigerung, die Rechtmäßigkeit des Handelns zu überprüfen, die ich als Zeuge der Ereignisse vom 27.09.2008 wurde mir beim Besuch bei ihren Mitarbeitern im April diesen Jahres deutlich.

Da dies auch seitens Präsidial- und Kanzleramt, sowie der IBuK praktiziert wird und auch der Wehrbeauftragte nicht ansatzweise begründet, warum die offenkundig irreführende Informationspolitik aus dem Einsatz heraus in einem demokratischen Staat mit angeblich parlamentsgeführter Armee hingenommen wird, gehe ich davon aus, das auch Sie wieder einmal nicht handeln werden bzw. gar nicht handeln dürfen.

Ich habe mit zahlreichen Soldaten gesprochen, die von ähnlichen Umständen berichten und Parlamentarier mehrerer Parteien erlebt, die nahezu resigniert haben und sagen: “Wir wissen, dass die Bundeswehr falsch informiert.”

Wie auch immer: nun ein Exempel an mir zu statuieren, dass Opposition gegen diese Art der Falschinformation und Vertuschungspolitik zu Druck und Repressalien führt ist das denkbar schlechteste Zeichen in Richtung Gesellschaft und Soldaten.

Meine Geschichte liegt offen im Blog http://wir-dienten-deutschland.de

Überbelastung, Falschinformation durch Bundeswehrstellen sowie – wohlwollen gesprochen – eine nicht ganz kompetente Beratung durch die Bundeswehrverwaltung haben mich derart zerschlissen, dass von Heilung oder keine Rede sein kann.

Die faktisch belegbare Überbeanspruchung durch 11 Monate Auslandseinsätze in 33 Monaten (3 x ISAF, 1 x NRF) – mit Regenerationszeiten und Einhaltung von Ausbildungsumfängen wären es mindestens 54 Monate gewesen haben Spuren hinterlassen. Ursula von der Leyen spricht hingegen immernoch von 4 Monaten Einsatz – 20 Monate Regeneration.

Im Berufsförderungsdienst danach durch Vorschriften von der bestmöglichen Qualifikation abgehalten zu werden, weil veraltete Vorschriften, die mal für einen gesunden Arbeitsmarkt vorgesehen waren nun nur noch zur Kostenvermeidung ausgenutzt werden trug nicht unerheblich dazu bei, dass ich nun zusammenbreche.

Im angehängten Text finden Sie die Schilderungen des letzten Jahres sowie die Darlegung, warum ich keine der Instanzen mehr zulassen kann.

Ich bitte ein letztes Mal um Unterstützung durch ihre Stelle, schaffe es aus eigener Kraft nicht und verliere – wie viele andere Veteranen, die in der Dunkelziffer zu vermuten sind – immer mehr den Halt.

Nicht nur ich wurde verheizt, sondern auch meine Ex-Frau und meine beiden Kinder. Folgen der Einsätze, die längst durch Bundeswehrstellen als Einsatzerkrankung belegt sind.

Bitte sehen Sie mir nach, das ich mit der Fristsetzung 22.08.2014 im Artikel arbeite – weder ich, noch meine Kinder haben Zeit, auf eine effektive Gestaltung der Bundeswehrverwalungsprozesse zu warten.

Nicht wir und nicht die zahllosen anderen.

Bitte kümmern Sie sich und sorgen Sie für eine ausreichende Versorgung während der Dauer des Behandlungsprozesses.

Gruß

Daniel Lücking

PS: Da ich mich nicht darauf verlassen kann, dass diese eMail Sie persönlich erreicht – siehe dazu auch die Drohungen des Bundesbediensteten mit Truppenausweis – werde ich auch diesen Text im Blog veröffentlichen.

Antwort vom 20.08.2014 – 15:59 Uhr

Hier die Antwort – kein Eingehen auf die Inhalte, so, wie ich das gewöhnt bin. Bearbeitungsdauer weniger als eine Stunde.

Und erneut keine Stellungnahme zum 27.09.2008 – dazu schweigen sich weiterhin alle Stellen aus.

Der Mitarbeiter Herr Glose ignoriert sogar den Vermerk persönlich. Endergebnis: was im Urlaub eintrifft wird vermutlich nicht mal vom General gesichtet. Kein Hinweis darauf, ob der Adressat sich nochmal mit dem Schreiben befassen wird. An “kleinen Königen”, wie Herrn Glose dürfte das Ministerium wohl am meisten kranken.

image

Sehr geehrter Herr Lücking,

Herr General v. Heimendahl ist derzeit nicht anwesend, daher darf ich
Ihnen antworten.

Wir bedauern die von Ihnen geschilderte Situation sehr.

Die Versorgung hängt maßgebend davon ab, ob für Sie eine einsatzbedingte
Wehrdienstbeschädigung anerkannt werden kann. Wir haben daher das
Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg gebeten, die bei Ihnen dafür noch nötige
medizinische Begutachtung zeitnah durchzuführen. Wir empfehlen, dass Sie
möglichst bald einen Begutachtungstermin wahrnehmen.

Leider sehen wir derzeit keine weiteren Möglichkeiten, Sie zu
unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen
Glose

—– Weitergeleitet von Thomas Glose/BMVg/BUND/DE am 20.08.2014 15:22

Daniel Lücking
20.08.2014 15:05:59

An:
BMVgBeauftrPTBS@BMVg.BUND.DE
Kopie:

Blindkopie:

Thema:
Mein Fall – zu Händen General v. Heimendahl

- – - – - – - – - – Der Anhang “0x……asc” in dieser Email enthält
den nicht erlaubte Dateitypen “PGP”, der möglicherweise schadhaften
Programmcode enthält. Der Anhang wurde aufgrund des Virenschutzes in
Quarantäne (MINKOME102 / Deny) genommen. Freigabe in und außerhalb der
Regelarbeitszeit: Sollte diese E-Mail und deren Anhänge dienstlich
erforderlich sein, bitte diese Informations-Email mit Begründung der
dienstlichen Notwendigkeit an das Postfach Virenschutz BMVg/BMVg/BUND/DE
weiterleiten. Daraufhin erfolgt die Freigabe und Zusendung der geblockten
E-Mail an Sie in der Regel innerhalb der nächsten Stunde. In Notfällen
besteht die Möglichkeit, zusätzlich zur Email an das Postfach Virenschutz
BMVg, sich in der Regelarbeitszeit am DO Bonn an den IT-SiBe ITZ, App.
5680 bzw. am DO Berlin an den IT-SiBe Berlin, App. 89 und außerhalb der
Regelarbeitszeit bzw. an Wochenenden und Feiertagen an die
Stabsmeldezentrale App. 5911 zu wenden. Sollte diese Email nicht
dienstlich erforderlich sein, ist von Ihrer Seite keine weitere Reaktion
erforderlich. Emails in Quarantäne werden nach 7 Tagen automatisch
gelöscht. – - – - – - – - – -

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Facebook abgeschaltet

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Nachdem ich in der Gruppe “Bundeswehr und Reservisten” bei Facebook heute ziemlich übel angegangen wurde und nicht gerade mal ein Mensch bereit war einzuschreiten habe ich mein Facebook-Profil geschlossen.

Ich habe um Unterstützung gebeten, wie andere sie erhalten. Doch offenbar brauche ich von deutschen Soldaten keine Unterstützung erwarten, wenn ich mich für Themen wie “Aufarbeitung der Falschmeldungen” des BMVg an das Parlament einsetze oder versuche etwas für die afghanischen Redakteure zu erreichen.

Solidarität? Kennt die Masse nicht und ich verstehe die Menschen in Gesellschaft, die mit diesen Menschen nichts zu tun haben will.

Zwang auf mich ausüben, dass ich in HARTZ4 gehe – darauf pfeifen, was das mit mir aufgrund der Depressionen und PTBS anrichten wird.

Es tut mir Leid für all die, die ich nun nicht mehr sehe – ich hoffe, wir finden Wege abseits von Facebook.

Der Bundeswehr ist nun gelungen, was mir seit Dezember 2013 nahegelegt wurde. Ich frage mich, wann der Terror gegen freie Meinungsäußerung auch auf Twitter und hier im Blog losgehen wird…

Hilfe? Nein. Beschäftigungs-Stellvertreterkrieg mit Sozialgericht und amtlich legitimierter Zersetzung. Das ist die Devise.

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Was ihr tut, hilft mir nicht

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Derzeit arbeitet ein/e Fallmanager/ des Bund Deutscher Veteranen (BDV) an meinem Fall. Der BDV ist derzeit der einzige Verband, der Kompetenzen im Bereich der Veteranenunterstützung bietet. Ansprechstellen beim Deutschen Bundeswehrverband gibt es nicht. Fallmanager, die durch den Vorschriften Wirr-Warr begleiten ebenfalls nicht. Beide Vereine liegen absolut nicht auf meiner politischen Linie – und ich muss trotzdem dort Hilfe suchen.

Ich merke, dass mich die Zusammenarbeit mit dem/der Fallmanager/in belastet. Derzeit ist das primäre Anliegen dieser Person, mich sozial abzusichern und für eine Krankenversicherung und Versorgung zu sorgen. So sehr ich Hilfe brauche, so wenig hilft mir das, was da derzeit unternommen wird.

Stichwort: Berufsunfähigkeit

Ich bin nicht berufsunfähig. Ich schreibe, recherchiere und decke Sachverhalte auf, die zahlreiche andere Redakteure bisher nicht auf dem Plan hatten oder weil sie selbst bei Konfrontation mit dem Thema die Relevanz weder erkannt haben, noch das Thema auf den Tisch bringen wollen / durften.

Egal ob Verizon-Server im Bundestag oder das unerklärliche Verhalten verantwortlicher Unionspolitiker zur Untersuchungsausschusszeit : Ich arbeite.

Nun ist es das Ansinnen der/des Fallmanager/in meine Berufsunfähigkeitsversicherung zu aktivieren, die ich ab September so wie so nicht mehr bezahlen kann. Mir hilft das nicht. Ich soll auf eine Beschäftigungstherapie gedrängt werden, die aus Formularen befüllen, an Untersuchungen teilnehmen und auf Gutachterergebnisse warten besteht. Die “Feststellung der Berufsunfähigkeit” erfordert dabei Dinge, die mich aber erst Recht krank machen.

Stichwort: Krankheit

Was mich belastet: die Trigger. Trotz all der Fähigkeit zu arbeiten, ist die permanente Existenzgefährdung unter der ich sowohl als freiberuflicher Journalist stehe, als auch das Problem “Autorität, die auf mein Leben wirkt” immer wieder Auslöser für Stress.

Sobald diese Triggermomente da sind, die selbst aus meinem Umfeld niemand nachvollziehen kann, gerät mein Körper unter Stress. Stress, der Aufmerksamkeit kostet. Wie groß der Stress ist bemerke ich in den letzten Wochen. Mir passieren Rechtschreibfehler, die ich sonst nicht mache. Mir fehlt die Aufmerksamkeit, diese zu bemerken oder Texte so abzuliefern, dass Sie ins Blatt fallen.

Inhalt? Meistens kein Problem. Relevanz? Auch da bin ich an aktuellen Themen dran. Doch die Detailarbeiten oder der Zeitpunkt sind das Problem. Immer dann wenn mein Körper gerade aus irgendwelche Trigger-Gründen damit beschäftigt ist die Lebensgefahr abzuwehren. Mich triggern arrogante Chefs, die ihr Handeln nicht mit Sachargumenten begründen können (und denen es versteckt nur darum geht, Konfrontation zu vermeiden, irgendeiner politischen Partei oder der Regierung zu gefallen oder die schlichtweg zu bequem für irgendwas sind) und Menschen, die mich mit “Stellen Sie mal einen Antrag – ich schau dann, ob ich den bewilligen kann” bedrohen.

Wenig hilfreich sind auch (ehemalige) Angehörige, die in ihrer Verzweifelung über meine Lage auf den Gedanken kommen “Du brauchst nur mal einen Arschtritt, damit du dich um die Sachen kümmerst”. Egal, ob aus Familie, Jobebene oder Verwaltung: ihr richtet damit Schaden an. Ich vergleiche es immer mit der Waffe am Kopf. Und ihr drückt mit eurem Handeln ab.

“Du bist befangen!” – PENG

“Stellen Sie den Antrag – ich prüfe!” – PENG

“Du brauchst nur mal einen Arschtritt!” – PENG

Allen Personen gemeinsam: sie haben nicht erlebt, was ich erlebt habe. Sie wurden nicht geprägt durch das, was ich erfahren habe. Aber Sie maßen sich in einer unsäglichen Arroganz an über mich zu richten und treiben mich dadurch weiter in die Erkrankung.

Ihr wollt jemanden mit einem Beinbruch dazu zwingen einen Marathon zu laufen statt zu sagen – “Klasse, dass du mit Gips und Krücken schon so schnell voran kommst.”

Stichwort: Lösungen

Ich leide an einer Erkrankung, die ich durch den Dienst für den Staat erlitten habe. Keine der vorgesehenen Absicherungsmaßnahmen fördert die Genesung – die meisten wirken in meinem Fall eher krankheitsverschärfend.

Selbst Bundeswehrärzte erkennen das und rieten mir in der Therapie: “Tun sie, was gut ist, gut tut und unterlassen sie, was krank macht.”

Zivilversager ? Sozialfälle?

Belastete Veteranen scheitern im Zivilleben nicht daran, dass sie nicht wollen oder das sie unfähig werden. Sie haben in den Einsätzen Situationen überlebt und durchgestanden, von denen die Menschen, die ihnen nun die Pistole an den Kopf setzen nicht einmal eine Ahnung haben. Das Wissen darüber kann sich dabei niemand anlesen. Es ist nur durch erleben zu erlangen. Und selbst die Anwesenheit zur gleichen Zeit am gleichen Ort
garantiert nicht, dass es zum Zeitpunkt “X” nachvollziehbar ist.

Ihr schickt uns in Kriege, in die ihr selbst nicht geht. Ihr verlangt, dass wir danach weiter nach euren Regeln funktionieren. Ihr braucht unsere Leistungsfähigkeit, unsere Ressourcen auf – und klagt uns dann, wenn wir zusammenbrechen dafür an, dass wir nicht funktionieren, wie die zahlreichen entspannten Schreibtisch-Täter und Anzugträger.

Ein Kriegsteilnehmer – egal ob Soldat oder Flüchtling – wurde schlichtweg überlastet, braucht Schutz, Ruhe und Regeneration. Die, die die Kriege anzetteln können das natürlich nicht eingestehen. Die logische Konsequenz ist, die Kriege gar nicht zu führen.

Therapeuten finden – nur wo?

Ich habe – selbständig – im letzten Jahr aufgearbeitet, verstanden und für mich sortiert. Das hat mich zu dem Maß an Handlungsfähigkeit gebracht, was ich jetzt habe. Nun soll ich durch Gutachter-Verfahren genau in diesen Dingen wieder herumrühren?

Es waren Situationen, wie im SPIEGEL-TV-Beitrag gezeigt, die zunächst dazu führten, dass ich zivile Ärzte für meine Behandlung ausgeschlossen habe. Ab Minute 10 ist der Auftritt des Veteranen Andreas Timmermann-Levanas (ATL) zu sehen, bei dem ich Anfang 2013 im Publikum saß.

Die Reaktionen des Publikums haben mich teilweise schockiert. Eine Psychologin, die im Beitrag nicht zu sehen war nannte eines der peinlichsten Kapitel der Veteranenversorgung und äußerte, dass Sie nie Soldaten behandeln würde. Ich sprach danach mit ATL, der mir schilderte, dass die Bundeswehr 2010 händeringend nach Psychologen suchte um die rasant steigenden Zahlen an traumatisierten Soldaten zu behandeln.

In einem Anschreiben formulierten die Militärs aber so provokant, dass die Psychologin aus dem Publikum wohl noch heute in Wut gerät. Das Militär machte quasi die Vorgabe, Bundeswehr-Patienten mögen zwar therapiert werden, aber bitte hinterher noch kriegsbereit sein, statt zu Friedensaktivisten zu mutieren.

Es war viel Aggression in der Stimme der Dame, viel Ablehnung und ich konnte all das zunächst nicht glauben. Ich fürchtete, bei vielen zivilen Therapeuten keine neutrale Behandlung zu bekommen und auf ähnlich – und zu RECHT! – verprellte Menschen zu treffen, wie die Dame aus dem Publikum.

Doch das SPIEGEL-TV-Video zeigt, dass ich schon damals viel näher am Zivilleben dran war, als am Soldatentum. Einer der Zuschauer merkt ebenso wütend an, dass im gesamten Vortrag von Andreas Timmermann-Levanas kein Wort über die afghanischen Zivilisten (Opfer der Angriff, wie auch Mitarbeiter der Bundeswehr) gefallen ist. Diese teils ganz fehlende, bestenfalls zögerliche Engagement der Mitglieder des Bund Deutscher Veteranen macht es für mich unmöglich, diesen Verein unkritisch zu sehen.

Therapie durch Bundeswehrstellen

Nach der Diagnose Anfang April 2013 war ich zunächst hoffnungsvoll. Doch Fehl- oder bewusste Falschinformationen, sowie seltsame Vorfälle in den Folgemonaten sorgen nun dafür, dass ich eine Behandlung und Begutachtung durch die Bundeswehr ablehnen muss. schon 2013 muss ich erfahren, dass sich dabei die Krankheitsaspekte verschärfen. Ich verwende einen Telegramstil, um an dieser Stelle abzukürzen:

Mitte Mai 2013 – Sozialdienst der Bundeswehr
Nach einer Beratung durch den Sozialdienst der Bundeswehr stelle ich Antrag auf Einstellung in die Schutzzeit (Rehamaßnahme für erkrankte Soldaten). Gleichzeitig stelle ich einen Antrag auf Anerkennung einer Wehrdienstbeschädigung (Zivil vergleichbar mit Berufsschadensausgleich). Die Bearbeitern berät mich jedoch unzureichend und schickt mich zum HARTZ4-Amt und Jobcenter. Ich versuche, diese Wege zu gehen, passe nirgends ins System, gerate durch die Erkrankung weiter unter Druck.

Ende Mai bin ich kaum in der Lage das Haus zu verlassen, liege teilweise zitternd auf dem Sofa, leide unter dem nächsten depressiven Schub. Eine Freundin, der ich vertraue schlägt homöopathische Mittel vor. Nach Tagen schaffe ich es die Apotheke aufzusuchen, die diese Mittel zusammenstellt. Die zwei Stunden, die ich brauche, um die Apotheke zu finden sind der Horror. Um mich nicht zu verlaufen bin ich auf die Internetverbindung meines iPads angewiesen. Nach Rückkehr in meine Wohnung dauert es noch drei Tage, bis ich mich für eine Demonstration für die Unterstützung der amerikanischen Whistleblowerin Chelsea Manning aus dem Haus bewegen kann. Nach der Demo gehe ich mit einigen Freunden zu einem Treffen. Freunde stabilisieren mich in den kommenden Monaten.

Zwischen Mai 2013 und August 2013 lebe ich dennoch in einer vergleichbaren Situation, wie jetzt: der gefährdete, nicht-stabile Lebensunterhalt triggert mich und verschlimmert die Symptome meiner Erkrankung.
Unnötig, wie sich herausstellt. Ein Paragraf im Soldatenversorgungsgesetz sieht vor, dass in meinem Fall eine Verlängerung der Bezüge – zumindestens 50% davon – in Frage kommt. Bis zum anonymen Hinweis vergehen zwei Monate – bis zur Bewilligung vergehen drei Monate, in denen ich nicht arbeitsfähig bin, weil ich quasi täglich getriggert werde. Triggern heißt: WAFFE AM KOPF SPÜREN – und das PENG im Ohr haben.

Anfang Juni 2013 – Bundeswehrkrankenhaus Berlin

Ich trete Anfang Juni den Therapietermin im Bundeswehrkrankenhaus Berlin an. Dort ist das Traumazentrum und es ist mit dem Leiter Dr. Zimmermann offenbar die etablierteste Adresse beim Thema Trauma. Einer seiner Ärzte behauptet, meine Krankenversicherung würde es nicht dulden, dass ich das Krankenhaus während der Dauer des Behandlungszeitraumes verlasse. “Sie müssen die vollen drei Wochen hier bleiben. 7 Tage die Woche – 24 Stunden am Tag”, so der Arzt.

Soldaten dürfen das Krankenhaus auf eigenes Risiko über das Wochenende verlassen. Da ich als Beihilfeempfänger (70%) den Status Privatpatient (30%) habe soll das angeblich für mich nicht gelten. Versicherungstechnische Gründe.

Ich breche die Behandlung am ersten Tag ab. Zuhause breche ich zusammen. Anders kann ich es nicht nennen.
Ich raffe mich auf und spreche ein Video ins iPad, klage meine Versicherung an, die nicht tut, was hilft sondern mich durch die Kasernierung und das unnötige Einsperren weiter traumatisiert.

Ich halte damals wie heute keine Kasernierung aus. Die Parallele ist einfach zu verstehen: die Lagerunterbringung im Einsatzland. In Mazedonien stand ich 2001 unter Lebensgefahr, als wir das Camp in der Innenstadt von Tetovo wegen andauernden Kämpfen der mazedonischen Armee gegen kosovarische Schmuggler (so wurde es uns erzählt) abbauen müssen.

2006 sitze ich in Afghanistan in einem kaum gesicherten Camp in der Innenstadt von Kunduz hinter bröckeligen Lehmmauern mit Stacheldraht, während draußen die Bevölkerung wegen der Islamkarrikaturen bereit ist, einen Aufstand anzuzetteln. Tägliche Threatwarnings der Kategorie “Vorsicht in der Nähe der Lagemauer – es könnten Handgranaten über die Mauer geworfen werden!” ISAF steht im Februar 2006 kurz davor ein Lager in der Innenstadt von Meymaneh zu verlieren.

Heute in ich erstmals in der Lage, Beiträge, wie diesen mit Einsatzbildern zu versehen – ich habe die über Jahre nicht in der Hand gehabt.

Aus dem Einsatz 2007/2008 habe ich keine Bilder. Einer der Gründe dafür ist die belastende Situation mit dem unfähigen Vorgesetzten, der mich mehrfach in Lebensgefahr brachte. Noch während des Einsatzes stoppte ich das Tagebuchschreiben. Bereits nach sechs Wochen in der Situation konnte ich abends nicht erneut alles aufschreiben, was an fachlichen Fehlern und Gefährdungen stattgefunden hat.

Mein Vorgesetzter hielt falsche Lagevorträge auf Englisch. Eine Sprache, die er nicht annähernd beherrschte. Es dauert gut zwei Monate, bis alle Teileinheiten (PRINT, VIDEO und ZIELGRUPPENANALYSE) meiner Einsatzeinheit die Gefahr ähnlich bewerten, wie ich. Für die Offiziere dieser Abteilungen ist es überwiegend der erste Auslandseinsatz in Afghanistan – ich wurde bereits durch die Entwicklungen 2005/2006 geprägt und belastet.

Im Februar 2008 trifft eine Delegation aus dem Einsatzführungskommando ein. Unser Koblenzer Kommandeur reist mit. Nach den Lagevorträgen der Teileinheiten, die jeder der Offiziere ohne Absprache untereinander vorträgt und jeweils nur die Auswirkungen auf die eigene Teileinheit schildert, sucht der Koblenzer Kommandeur unseren “Cheffe” auf.

Nach einem längeren Gespräch verlässt “Cheffe” das Büro mit Tränen in den Augen. Nach dreieinhalb Monaten erteilt er nun keine Befehle mehr gegen die fachlichen Einschätzungen der Offiziere aus seinen unterstellten Einheiten. Zu den englischsprachigen Konferenzen schickt er nun seinen Vertreter.

2011 treffe ich eine/n Offizier/in aus einem späteren Einsatz, den “Cheffe” auch wieder als “Cheffe” führte. “Mann, der war schlimm. Der saß den ganzen Einsatz nur im Büro und hat nichts entschieden.” Ich erzähle, wie mein Einsatz lief. Der/die Offizier/in meint “Ich wusste gar nicht, dass ich es so gut hatte mit ihm.”

(SCHEISS TRIGGER)

Im letzten ISAF-Einsatz ist es der schwere Raketenangriff am 27.09.2008 auf das Camp in Masar-e-Sharif am 27.09.2008. Falschinformationen an die Presse und an den Bundestag machen aus dem schweren Angriff einen Zufallsbeschuss.

2013 auf dem Weg in die Therapie, die mir helfen soll ist Kasernierung für mich nicht mehr hinnehmbar. In einer Phase, wo ich weder Job, noch Unterhaltssicherung habe soll ich drei Wochen von der Bildfläche verschwinden ? Unmöglich.

Die Versicherung reagiert umgehend auf mein Video, bittet darum es aus dem Netz zu nehmen. Dass es entstand ist die Schuld des Bundeswehrarztes, der mir sagte, meine Versicherung würde es nicht erlaube, dass ich das Krankenhaus verlasse.

Im Juli 2013 starte ich einen erneuten Versuch, in die Therapie zu gehen. Nach zwei Tagen muss ich auch diesen wieder abbrechen. Zunächst sah es danach aus, als dürfe ich an den Wochenende das Krankenhaus verlassen. Beim gleichen Bundeswehrarzt tauchen auch nun wieder Probleme auf.
Die zivile Krankenversicherung gab mir schriftlich, dass ich nach Einschätzung des Arztes auf jeden Fall die Wochenenden, an denen keine Therapie stattfindet auch außerhalb des Krankenhauses verbringen dürfe. Für das Bundeswehrkrankenhaus würde das – so der wieder einmal falsch informierende Arzt – aber als ambulante Behandlung, die man nicht zulassen dürfe.

Ende Juli 2013 breche ich unter dem Druck zusammen, begebe mich ins Bundeswehrkrankenhaus. Plötzlich ist des dem Pflegepersonal egal. Ich darf mich – wie Soldaten auch – Dienstags nachmittags zwischen 15 und 20 Uhr außerhalb des Krankenhauses bewegen. Ebenso Freitags und am Wochenende zwischen 8 Uhr morgens und 20 Uhr abends.

Ich erhalte durch Dr. Zimmermann die Freigabe Dienstags meinen Stammtisch aufzusuchen – in den Wochen davor war ich erstmals in der Lage einen regelmäßigen sozialen Kontakt zu pflegen – das für Wochen ruhen zu lassen und in Isolation zu verweilen kam für mich nicht in Frage.

Seitens Dr. Zimmermann gibt es jedoch keine Erklärung für das Verhalten seines Mitarbeiters.

Die Phase zwischen Mai 20013 und August 2013 sorgt noch heute dafür, das ich kein Vertrauen mehr in Strukturen der Bundeswehr habe.

Druck von Außen

Im Dezember 2013 habe ich ein scheinbar zufälliges Gespräch mit einem “Bundesbediensteten und Truppenausweisinhaber”. Er baut Drohkulissen auf, insinuiert, wie gefährlich es für mich sei dieses Blog zu führen und will mich dazu bringen, dass ich alle Kraft in die Wiedereinstellung in die Bundeswehr setze.

Es ist ein Mitarbeiter mit höherer Stellung in einem Bundesministerium mit Sitz in Berlin – nicht Verteidigung oder Inneres. Er gibt sich antisemitisch, provoziert, schickt mir eine Schrift aus Wehrmachtszeiten und jubelt den Inhalt hoch. Er droht mir damit, dass Akten über mich angelegt würden, die Wahres (“alles, was sie online so tun) und auch Unwahres (“…und das, was man noch so hinzuerfinden kann.”) enthalten würden. Sein Rat: facebooken, bloggen und twittern einstellen.

Ich schildere den Vorfall online, treffe technische Schutzmaßnahmen, bin häufiger offline und vermeide Datenspuren im Internet zu hinterlassen, die falsche gedeutet werden können.

Ich schildere meiner zivilen Therapeutin die Auswirkungen dieses Treffens. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie mir glaubt oder den Druck nachvollziehen kann unter den mich das setzt. Ich sage den Folgetermin im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin für Januar 2014 ab, denn ich kann nicht mehr auf eine neutrale Behandlung vertrauen.

Zwischen Februar und Mai 2014 setze ich mich unter Druck, die Bachelorarbeit zu schreiben. Trotz gutem Notenstands von 1,5 und nur einem fehlenden Kurs schaffe ich es nicht. Ich wäre erneut abhängig von Autoritäten, einem quasi-vorgesetzten Professor. Ich schaffe es nicht.

Zum 31.8. endet das Semester – ein weiteres kann ich nicht zahlen.

Unterhalt

Weil die Absicherung meiner Kinder erst ab Mitte August 2013 gesichert war, lief bereits ein Antrag meiner Ex-Frau auf Unterstützung durch das Unterhaltssicherungsamt. Die Schreiben, die Eintreffen sind scharf formuliert, unterstellen, ich wäre nicht arbeitswillig oder würde meine Kinder nicht versorgen wollen.

Jedes Wort erhöht den Druck. Ich schaffe es irgendwie, diese Schreiben zu beantworten, reagiere binnen weniger Stunden darauf. Stelle klar, stelle richtig und mache deutlich, warum es zu dem Unterhaltsausfall kam. Ich begleiche die aufgelaufenen Forderungen. Bis mein Unterhalt gesichert war und regulär gezahlt wurde vergingen ab der Zusage immerhin wieder sechs Wochen. Im November gleiche ich Unterhaltsforderungen komplett aus. Ich habe den Zulassungsschein für den öffentlichen Dienst zurückgegeben. Damit verbunden war die Auszahlung von einbehaltenen Übergangsansprüchen.

Ich kann die angefallenen Girokonto-Schulden ausgleichen, letzte Anschaffungen für die freie journalistische Tätigkeit machen und bin – abgesehen vom Studienkredit – auf Plus/Minus-Null.

Im Februar 2014 geht mir erneut ein Schreiben zu. Obwohl ich im Oktober 2013 unter Aufwendung von Kraft, Selbstbeherrschung und mit größter Belastung binnen weniger als 8 Tagen eine Berechnung des Unterhalt erhielt und zusichern konnte, all das auszugleichen unterläuft dem Mitarbeiter des Jobcenters Paderborn im Februar angeblich ein Fehler. Mich ereicht – und triggert – das Schreiben vom 14.02.2014 in dem es heißt, ich hätte auf den Vorgang im Oktober 2013 nicht reagiert. Der Mitarbeiter schreibt sogar den Namen meiner Kinder flasch. Ich Antwort und stelle klar, dass ich die Behauptung, ich käme meiner Unterhaltsverpflichtung nicht nach ausgeräumt wissen will.

Das Entschuldigungsschreiben des Mitarbeiters geht am 18.02.2014 ein.

Fallmanager/in des BDV

Der/die Fallmanager/in des BDV versucht derzeit alle Register zu ziehen, um zum 1.9. eine Versorgungssituation zu schaffen bei der ich zumindest die Therapie fortsetzen kann. Unterhaltszahlungen werden nicht möglich sein – dazu ist mein Einkommen zu gering.

Das bedeutet Druck (TRIGGER!) vom Unterhaltssicherungsamt, denn die werden in Kürze mit den gleichen Drohgebärden Gutachen (TRIGGER!) oder aber 20 bis 30 Bewerbungen fordern, natürlich auf Jobs mit ausreichend Einkünften zur Begleichung der Unterhaltsforderungen.

Seitens des/der Fallmanager/in soll ich “unbedingt ins Bundeswehrkrankenhaus Hamburg” um die Begutachtung (TRIGGER!) über mich ergehen zu lassen, soll dem Verfahren in dem über mich entschieden wird zuarbeiten (TRIGGER!) und soll mich in die Berufsunfähigkeit argumentieren lassen.

Ich kann arbeiten – aber ich ertrage nicht, das ich für Leistung keine soziale Absicherung in Form einer bezahlbaren Krankenversicherung haben werde. Ich ertrage nicht, dass ich in die Untätigkeit eines HARTZ4-Systems abgeschoben werden soll, wo ich gerade den Stand erkämpft habe, immerhin eine halbe Arbeitswoche durchzustehen.

Wie verblendet müssen die Bundeswehr- und Staatsinstanzen eigentlich sein, wenn Sie angesichts all dessen von mir fordern, ich solle “vertrauen” ?

Die Frage geht an den Wehrbeauftragten und den beauftragten General für posttraumatische Belastungsstörungen und Einsatzerkrankungen.

Um nicht weiter belastet zu werden muss ich die Zusammenarbeit mit der/dem Fallmanager/in an dieser Stelle weitestgehend beenden, um nicht größeren Schaden aus dem “Hoffen auf Hilfe” zu erleiden, als aus der prekären Situation, die ich ab September 2014 durchzustehen habe.

800 Euro von denen ich die Wohnung bezahle und das Essen – in der Hoffnung, dass ich einen Arzt finden, wenn ich einen Arzt brauche, der mich kostenlos behandelt. In der Hoffnung, mich irgendwie aus diesem Mist herausarbeiten zu können, vielleicht irgendwann für Journalismus, Redaktion und Recherche bezahlt zu werden.

Ich habe in den letzten Wochen mit einem Filmteam in zwei Interviews, die rund 8 bis 10 Stunden gedauert haben über Eintritt in die Bundeswehr, Ablauf und Verlauf der Einsätze sowie die Entwicklungen danach gesprochen.

Ich ersuche – und das ist gleichzeitig mein letztes Ansinnen an PTBS-Beauftragten / Wehrbeauftragten – dass dieses Rohmaterial, sobald es verfügbar ist, als Basis für Begutachtungen dient.

Ich werde mich nicht erneut durch ineffektive und re-traumatisierende Prozesse in der Genesung und Aufarbeitung zurückwerfen lassen oder Verwaltungsstrukturen über mich ergehen lassen, die mich krank machen.

Gern dürfen mir die angesprochenen Stellen Vorschläge unterbreiten, wie ich von 800 – 900 Euro aus Minijob und selbständiger Tätigkeit eine Krankenversicherung finanzieren soll. Bitte beachten Sie, das die Einordnung in Zwangssysteme, wie HARTZ4 dabei nicht möglich ist.

Priotrität 1 ist für mich: Depressionen und Trigger-Effekte vermeiden. Das ist derzeit bei staatlichen Zwangsmaßnahmen nicht möglich.

Priorität 2 ist für mich: als Redakteur ohne Repressalien arbeiten zu können. Offener Umgang, mit Themen, wie vom 27.09.2008

Priorität 3 ist für mich: eine Gesprächs- und EMDR-Therapie zu straten, mit der hoffentlich die Trigger-Effekte reduziert werden können.

Stellungnahme beider angesprochener Stellen erbeten bis Freitag, 22.08.2014.

Es fehlen auch Reaktionen und Stellungnahmen aus:

1. Büro von der Leyen, Stellungnahme zum 27.09.2008
2. Büro Merkel, Kanzleramt, Stellungnahme zum 27.09.2008
3. Büro Wehrbeauftragter, Stellungnahme zum 27.09.2008
4. Büro Bundespräsident Stellungnahme zur unkommentierten Rücksendung der Einsatzstiefel, sowie zum
27.09.2008
5. Erklärung des Begriffs “befangen” von mindestens 2 Redaktionen anhand der verfügbaren Fakten zum
27.09.2008
6. Erklärung aller angeschriebenen Stellen, die den Sachverhalt “Adlon-Gespräch” nicht nachprüfen

Danach haben Sie es geschafft und ein weiterer Wehrdienstgeschädigter bricht sein Verfahren ab, weil er die einzig logische Konsequenz daraus zieht, die ineffektive Verwaltungsstrukturen, die einzig die Abwehr von berechtigten Versorgungsforderungen stützen nahelegen: so weit weg vom Staat, wie nur irgend möglich.

Staatsfeind wollte ich eigentlich nie werden … Ich distanziere mich ausdrücklich von jeder Form von Gewalttätigkeit, die in diese Aussage interpretiert werden könnte. Gewalt ist für ebenso wenig ein Mittel zur Durchsetzung von Interessen, wie Schweigen legitim ist, um Macht zu erhalten und Missstände zu vertuschen.

Gleichzeitig stelle ich klar, dass jegliche Unterstellung einer etwaigen Suizidgefährung oder Fremdgefährdung falsch ist. Suizid ist keine Lösung – Gewalt gegen andere Menschen ist keine Lösung. Staatliche Repressalien in Form von Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung werde ich als solche kenntlich machen. Auf diese Ebene eines totalitären Staates sollten die angesprochenen “demokratischen, aber schweigenden Instanzen” besser verzichten.

Update: 12:08 Uhr

Ich soll nun 300 Euro für eine private Krankenversicherung zahlen. Damit wäre ich zum 1.9. entweder wohnungslos oder ohne ein Budget für Lebensmittel.

Conti-KV

Zeitgleich gehen als Reaktion in den sozialen Netzwerken Kommentare ein. Ich habe versucht dort Uniformteile für einen symbolischen Preis zu verkaufen, um irgendwie den Lebensunterhalt zu sichern. Einige Unterstützer Teilen den Beitrag. Doch dass ich mich dringend aus Facebook zurückziehen muss machen die zersetzenden Kommenare deutlich, die eingehen. Das ganze findet in Gruppen statt, die angeblich Soldaten unterstützen (z.B. “Wir hören Radio Andernach”, “Bundeswehr und Reservisten”). Die Gruppen sind überwiegend öffentlich zugänglich, so dass keine Verletzung der Persönlichkeitsrechte vorliegt, wenn ich Screenshots mit Klarnamen anfertige:

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Mobbing3

Mobbing_5

Mobbing 7

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Veteranen: entlastet euch

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Live-Test zum Thema “Zusammenhalt” unter Soldaten: verkaufe aus Geldnot und um mich selbst von dem Kram zu entlasten die beiden Uniformjacken zum symbolischen Preis von je 500 Euro.
#Veteranen #Bundeswehr – wer nicht kauft,darf bitte teilen…

DSCF0049

Ich entlaste mich mit einem letzten Appell an den Wehrbeauftragten und an den PTBS-Beauftragten. Stellungnahmen von beiden erbeten bis 22.08.2014. Bitte beachten Sie die Distanzierung von Gewalt oder Suizidgefährdung. Entsprechende Unterstellungen werde ich als Maßnahmen gegen mich öffentlich machen.

Was ihr tut, hilft mir nicht!

Derzeit arbeitet ein/e Fallmanager/ des Bund Deutscher Veteranen (BDV) an meinem Fall. Der BDV ist derzeit der einzige Verband, der Kompetenzen im Bereich der Veteranenunterstützung bietet. Ansprechstellen beim Deutschen Bundeswehrverband gibt es nicht. Fallmanager, die durch den Vorschriften Wirr-Warr begleiten ebenfalls nicht. Beide Vereine liegen absolut nicht auf meiner politischen Linie – und ich muss trotzdem dort Hilfe suchen.

Ich merke, dass mich die Zusammenarbeit mit dem/der Fallmanager/in belastet. Derzeit ist das primäre Anliegen dieser Person, mich sozial abzusichern und für eine Krankenversicherung und Versorgung zu sorgen. So sehr ich Hilfe brauche, so wenig hilft mir das, was da derzeit unternommen wird.

Stichwort: Berufsunfähigkeit

Ich bin nicht berufsunfähig. Ich schreibe, recherchiere und decke Sachverhalte auf, die zahlreiche andere Redakteure bisher nicht auf dem Plan hatten oder weil sie selbst bei Konfrontation mit dem Thema die Relevanz weder erkannt haben, noch das Thema auf den Tisch bringen wollen / durften.

Egal ob Verizon-Server im Bundestag oder das unerklärliche Verhalten verantwortlicher Unionspolitiker zur Untersuchungsausschusszeit : Ich arbeite.

Nun ist es das Ansinnen der/des Fallmanager/in meine Berufsunfähigkeitsversicherung zu aktivieren, die ich ab September so wie so nicht mehr bezahlen kann. Mir hilft das nicht. Ich soll auf eine Beschäftigungstherapie gedrängt werden, die aus Formularen befüllen, an Untersuchungen teilnehmen und auf Gutachterergebnisse warten besteht. Die “Feststellung der Berufsunfähigkeit” erfordert dabei Dinge, die mich aber erst Recht krank machen.

Stichwort: Krankheit

Was mich belastet: die Trigger. Trotz all der Fähigkeit zu arbeiten, ist die permanente Existenzgefährdung unter der ich sowohl als freiberuflicher Journalist stehe, als auch das Problem “Autorität, die auf mein Leben wirkt” immer wieder Auslöser für Stress.

Sobald diese Triggermomente da sind, die selbst aus meinem Umfeld niemand nachvollziehen kann, gerät mein Körper unter Stress. Stress, der Aufmerksamkeit kostet. Wie groß der Stress ist bemerke ich in den letzten Wochen. Mir passieren Rechtschreibfehler, die ich sonst nicht mache. Mir fehlt die Aufmerksamkeit, diese zu bemerken oder Texte so abzuliefern, dass Sie ins Blatt fallen.

Inhalt? Meistens kein Problem. Relevanz? Auch da bin ich an aktuellen Themen dran. Doch die Detailarbeiten oder der Zeitpunkt sind das Problem. Immer dann wenn mein Körper gerade aus irgendwelche Trigger-Gründen damit beschäftigt ist die Lebensgefahr abzuwehren. Mich triggern arrogante Chefs, die ihr Handeln nicht mit Sachargumenten begründen können (und denen es versteckt nur darum geht, Konfrontation zu vermeiden, irgendeiner politischen Partei oder der Regierung zu gefallen oder die schlichtweg zu bequem für irgendwas sind) und Menschen, die mich mit “Stellen Sie mal einen Antrag – ich schau dann, ob ich den bewilligen kann” bedrohen.

Wenig hilfreich sind auch (ehemalige) Angehörige, die in ihrer Verzweifelung über meine Lage auf den Gedanken kommen “Du brauchst nur mal einen Arschtritt, damit du dich um die Sachen kümmerst”. Egal, ob aus Familie, Jobebene oder Verwaltung: ihr richtet damit Schaden an. Ich vergleiche es immer mit der Waffe am Kopf. Und ihr drückt mit eurem Handeln ab.

“Du bist befangen!” – PENG

“Stellen Sie den Antrag – ich prüfe!” – PENG

“Du brauchst nur mal einen Arschtritt!” – PENG

Allen Personen gemeinsam: sie haben nicht erlebt, was ich erlebt habe. Sie wurden nicht geprägt durch das, was ich erfahren habe. Aber Sie maßen sich in einer unsäglichen Arroganz an über mich zu richten und treiben mich dadurch weiter in die Erkrankung.

Ihr wollt jemanden mit einem Beinbruch dazu zwingen einen Marathon zu laufen statt zu sagen – “Klasse, dass du mit Gips und Krücken schon so schnell voran kommst.”

Stichwort: Lösungen

Ich leide an einer Erkrankung, die ich durch den Dienst für den Staat erlitten habe. Keine der vorgesehenen Absicherungsmaßnahmen fördert die Genesung – die meisten wirken in meinem Fall eher krankheitsverschärfend.

Selbst Bundeswehrärzte erkennen das und rieten mir in der Therapie: “Tun sie, was gut ist, gut tut und unterlassen sie, was krank macht.”

Zivilversager ? Sozialfälle?

Belastete Veteranen scheitern im Zivilleben nicht daran, dass sie nicht wollen oder das sie unfähig werden. Sie haben in den Einsätzen Situationen überlebt und durchgestanden, von denen die Menschen, die ihnen nun die Pistole an den Kopf setzen nicht einmal eine Ahnung haben. Das Wissen darüber kann sich dabei niemand anlesen. Es ist nur durch erleben zu erlangen. Und selbst die Anwesenheit zur gleichen Zeit am gleichen Ort
garantiert nicht, dass es zum Zeitpunkt “X” nachvollziehbar ist.

Ihr schickt uns in Kriege, in die ihr selbst nicht geht. Ihr verlangt, dass wir danach weiter nach euren Regeln funktionieren. Ihr braucht unsere Leistungsfähigkeit, unsere Ressourcen auf – und klagt uns dann, wenn wir zusammenbrechen dafür an, dass wir nicht funktionieren, wie die zahlreichen entspannten Schreibtisch-Täter und Anzugträger.

Ein Kriegsteilnehmer – egal ob Soldat oder Flüchtling – wurde schlichtweg überlastet, braucht Schutz, Ruhe und Regeneration. Die, die die Kriege anzetteln können das natürlich nicht eingestehen. Die logische Konsequenz ist, die Kriege gar nicht zu führen.

Therapeuten finden – nur wo?

Ich habe – selbständig – im letzten Jahr aufgearbeitet, verstanden und für mich sortiert. Das hat mich zu dem Maß an Handlungsfähigkeit gebracht, was ich jetzt habe. Nun soll ich durch Gutachter-Verfahren genau in diesen Dingen wieder herumrühren?

Es waren Situationen, wie im SPIEGEL-TV-Beitrag gezeigt, die zunächst dazu führten, dass ich zivile Ärzte für meine Behandlung ausgeschlossen habe. Ab Minute 10 ist der Auftritt des Veteranen Andreas Timmermann-Levanas (ATL) zu sehen, bei dem ich Anfang 2013 im Publikum saß.

Die Reaktionen des Publikums haben mich teilweise schockiert. Eine Psychologin, die im Beitrag nicht zu sehen war nannte eines der peinlichsten Kapitel der Veteranenversorgung und äußerte, dass Sie nie Soldaten behandeln würde. Ich sprach danach mit ATL, der mir schilderte, dass die Bundeswehr 2010 händeringend nach Psychologen suchte um die rasant steigenden Zahlen an traumatisierten Soldaten zu behandeln.

In einem Anschreiben formulierten die Militärs aber so provokant, dass die Psychologin aus dem Publikum wohl noch heute in Wut gerät. Das Militär machte quasi die Vorgabe, Bundeswehr-Patienten mögen zwar therapiert werden, aber bitte hinterher noch kriegsbereit sein, statt zu Friedensaktivisten zu mutieren.

Es war viel Aggression in der Stimme der Dame, viel Ablehnung und ich konnte all das zunächst nicht glauben. Ich fürchtete, bei vielen zivilen Therapeuten keine neutrale Behandlung zu bekommen und auf ähnlich – und zu RECHT! – verprellte Menschen zu treffen, wie die Dame aus dem Publikum.

Doch das SPIEGEL-TV-Video zeigt, dass ich schon damals viel näher am Zivilleben dran war, als am Soldatentum. Einer der Zuschauer merkt ebenso wütend an, dass im gesamten Vortrag von Andreas Timmermann-Levanas kein Wort über die afghanischen Zivilisten (Opfer der Angriff, wie auch Mitarbeiter der Bundeswehr) gefallen ist. Diese teils ganz fehlende, bestenfalls zögerliche Engagement der Mitglieder des Bund Deutscher Veteranen macht es für mich unmöglich, diesen Verein unkritisch zu sehen.

Therapie durch Bundeswehrstellen

Nach der Diagnose Anfang April 2013 war ich zunächst hoffnungsvoll. Doch Fehl- oder bewusste Falschinformationen, sowie seltsame Vorfälle in den Folgemonaten sorgen nun dafür, dass ich eine Behandlung und Begutachtung durch die Bundeswehr ablehnen muss. schon 2013 muss ich erfahren, dass sich dabei die Krankheitsaspekte verschärfen. Ich verwende einen Telegramstil, um an dieser Stelle abzukürzen:

Mitte Mai 2013 – Sozialdienst der Bundeswehr
Nach einer Beratung durch den Sozialdienst der Bundeswehr stelle ich Antrag auf Einstellung in die Schutzzeit (Rehamaßnahme für erkrankte Soldaten). Gleichzeitig stelle ich einen Antrag auf Anerkennung einer Wehrdienstbeschädigung (Zivil vergleichbar mit Berufsschadensausgleich). Die Bearbeitern berät mich jedoch unzureichend und schickt mich zum HARTZ4-Amt und Jobcenter. Ich versuche, diese Wege zu gehen, passe nirgends ins System, gerate durch die Erkrankung weiter unter Druck.

Ende Mai bin ich kaum in der Lage das Haus zu verlassen, liege teilweise zitternd auf dem Sofa, leide unter dem nächsten depressiven Schub. Eine Freundin, der ich vertraue schlägt homöopathische Mittel vor. Nach Tagen schaffe ich es die Apotheke aufzusuchen, die diese Mittel zusammenstellt. Die zwei Stunden, die ich brauche, um die Apotheke zu finden sind der Horror. Um mich nicht zu verlaufen bin ich auf die Internetverbindung meines iPads angewiesen. Nach Rückkehr in meine Wohnung dauert es noch drei Tage, bis ich mich für eine Demonstration für die Unterstützung der amerikanischen Whistleblowerin Chelsea Manning aus dem Haus bewegen kann. Nach der Demo gehe ich mit einigen Freunden zu einem Treffen. Freunde stabilisieren mich in den kommenden Monaten.

Zwischen Mai 2013 und August 2013 lebe ich dennoch in einer vergleichbaren Situation, wie jetzt: der gefährdete, nicht-stabile Lebensunterhalt triggert mich und verschlimmert die Symptome meiner Erkrankung.
Unnötig, wie sich herausstellt. Ein Paragraf im Soldatenversorgungsgesetz sieht vor, dass in meinem Fall eine Verlängerung der Bezüge – zumindestens 50% davon – in Frage kommt. Bis zum anonymen Hinweis vergehen zwei Monate – bis zur Bewilligung vergehen drei Monate, in denen ich nicht arbeitsfähig bin, weil ich quasi täglich getriggert werde. Triggern heißt: WAFFE AM KOPF SPÜREN – und das PENG im Ohr haben.

Anfang Juni 2013 – Bundeswehrkrankenhaus Berlin

Ich trete Anfang Juni den Therapietermin im Bundeswehrkrankenhaus Berlin an. Dort ist das Traumazentrum und es ist mit dem Leiter Dr. Zimmermann offenbar die etablierteste Adresse beim Thema Trauma. Einer seiner Ärzte behauptet, meine Krankenversicherung würde es nicht dulden, dass ich das Krankenhaus während der Dauer des Behandlungszeitraumes verlasse. “Sie müssen die vollen drei Wochen hier bleiben. 7 Tage die Woche – 24 Stunden am Tag”, so der Arzt.

Soldaten dürfen das Krankenhaus auf eigenes Risiko über das Wochenende verlassen. Da ich als Beihilfeempfänger (70%) den Status Privatpatient (30%) habe soll das angeblich für mich nicht gelten. Versicherungstechnische Gründe.

Ich breche die Behandlung am ersten Tag ab. Zuhause breche ich zusammen. Anders kann ich es nicht nennen.
Ich raffe mich auf und spreche ein Video ins iPad, klage meine Versicherung an, die nicht tut, was hilft sondern mich durch die Kasernierung und das unnötige Einsperren weiter traumatisiert.

Ich halte damals wie heute keine Kasernierung aus. Die Parallele ist einfach zu verstehen: die Lagerunterbringung im Einsatzland. In Mazedonien stand ich 2001 unter Lebensgefahr, als wir das Camp in der Innenstadt von Tetovo wegen andauernden Kämpfen der mazedonischen Armee gegen kosovarische Schmuggler (so wurde es uns erzählt) abbauen müssen.

2006 sitze ich in Afghanistan in einem kaum gesicherten Camp in der Innenstadt von Kunduz hinter bröckeligen Lehmmauern mit Stacheldraht, während draußen die Bevölkerung wegen der Islamkarrikaturen bereit ist, einen Aufstand anzuzetteln. Tägliche Threatwarnings der Kategorie “Vorsicht in der Nähe der Lagemauer – es könnten Handgranaten über die Mauer geworfen werden!” ISAF steht im Februar 2006 kurz davor ein Lager in der Innenstadt von Meymaneh zu verlieren.

Heute in ich erstmals in der Lage, Beiträge, wie diesen mit Einsatzbildern zu versehen – ich habe die über Jahre nicht in der Hand gehabt.

Aus dem Einsatz 2007/2008 habe ich keine Bilder. Einer der Gründe dafür ist die belastende Situation mit dem unfähigen Vorgesetzten, der mich mehrfach in Lebensgefahr brachte. Noch während des Einsatzes stoppte ich das Tagebuchschreiben. Bereits nach sechs Wochen in der Situation konnte ich abends nicht erneut alles aufschreiben, was an fachlichen Fehlern und Gefährdungen stattgefunden hat.

Mein Vorgesetzter hielt falsche Lagevorträge auf Englisch. Eine Sprache, die er nicht annähernd beherrschte. Es dauert gut zwei Monate, bis alle Teileinheiten (PRINT, VIDEO und ZIELGRUPPENANALYSE) meiner Einsatzeinheit die Gefahr ähnlich bewerten, wie ich. Für die Offiziere dieser Abteilungen ist es überwiegend der erste Auslandseinsatz in Afghanistan – ich wurde bereits durch die Entwicklungen 2005/2006 geprägt und belastet.

Im Februar 2008 trifft eine Delegation aus dem Einsatzführungskommando ein. Unser Koblenzer Kommandeur reist mit. Nach den Lagevorträgen der Teileinheiten, die jeder der Offiziere ohne Absprache untereinander vorträgt und jeweils nur die Auswirkungen auf die eigene Teileinheit schildert, sucht der Koblenzer Kommandeur unseren “Cheffe” auf.

Nach einem längeren Gespräch verlässt “Cheffe” das Büro mit Tränen in den Augen. Nach dreieinhalb Monaten erteilt er nun keine Befehle mehr gegen die fachlichen Einschätzungen der Offiziere aus seinen unterstellten Einheiten. Zu den englischsprachigen Konferenzen schickt er nun seinen Vertreter.

2011 treffe ich eine/n Offizier/in aus einem späteren Einsatz, den “Cheffe” auch wieder als “Cheffe” führte. “Mann, der war schlimm. Der saß den ganzen Einsatz nur im Büro und hat nichts entschieden.” Ich erzähle, wie mein Einsatz lief. Der/die Offizier/in meint “Ich wusste gar nicht, dass ich es so gut hatte mit ihm.”

(SCHEISS TRIGGER)

Im letzten ISAF-Einsatz ist es der schwere Raketenangriff am 27.09.2008 auf das Camp in Masar-e-Sharif am 27.09.2008. Falschinformationen an die Presse und an den Bundestag machen aus dem schweren Angriff einen Zufallsbeschuss.

2013 auf dem Weg in die Therapie, die mir helfen soll ist Kasernierung für mich nicht mehr hinnehmbar. In einer Phase, wo ich weder Job, noch Unterhaltssicherung habe soll ich drei Wochen von der Bildfläche verschwinden ? Unmöglich.

Die Versicherung reagiert umgehend auf mein Video, bittet darum es aus dem Netz zu nehmen. Dass es entstand ist die Schuld des Bundeswehrarztes, der mir sagte, meine Versicherung würde es nicht erlaube, dass ich das Krankenhaus verlasse.

Im Juli 2013 starte ich einen erneuten Versuch, in die Therapie zu gehen. Nach zwei Tagen muss ich auch diesen wieder abbrechen. Zunächst sah es danach aus, als dürfe ich an den Wochenende das Krankenhaus verlassen. Beim gleichen Bundeswehrarzt tauchen auch nun wieder Probleme auf.
Die zivile Krankenversicherung gab mir schriftlich, dass ich nach Einschätzung des Arztes auf jeden Fall die Wochenenden, an denen keine Therapie stattfindet auch außerhalb des Krankenhauses verbringen dürfe. Für das Bundeswehrkrankenhaus würde das – so der wieder einmal falsch informierende Arzt – aber als ambulante Behandlung, die man nicht zulassen dürfe.

Ende Juli 2013 breche ich unter dem Druck zusammen, begebe mich ins Bundeswehrkrankenhaus. Plötzlich ist des dem Pflegepersonal egal. Ich darf mich – wie Soldaten auch – Dienstags nachmittags zwischen 15 und 20 Uhr außerhalb des Krankenhauses bewegen. Ebenso Freitags und am Wochenende zwischen 8 Uhr morgens und 20 Uhr abends.

Ich erhalte durch Dr. Zimmermann die Freigabe Dienstags meinen Stammtisch aufzusuchen – in den Wochen davor war ich erstmals in der Lage einen regelmäßigen sozialen Kontakt zu pflegen – das für Wochen ruhen zu lassen und in Isolation zu verweilen kam für mich nicht in Frage.

Seitens Dr. Zimmermann gibt es jedoch keine Erklärung für das Verhalten seines Mitarbeiters.

Die Phase zwischen Mai 20013 und August 2013 sorgt noch heute dafür, das ich kein Vertrauen mehr in Strukturen der Bundeswehr habe.

Druck von Außen

Im Dezember 2013 habe ich ein scheinbar zufälliges Gespräch mit einem “Bundesbediensteten und Truppenausweisinhaber”. Er baut Drohkulissen auf, insinuiert, wie gefährlich es für mich sei dieses Blog zu führen und will mich dazu bringen, dass ich alle Kraft in die Wiedereinstellung in die Bundeswehr setze.

Es ist ein Mitarbeiter mit höherer Stellung in einem Bundesministerium mit Sitz in Berlin – nicht Verteidigung oder Inneres. Er gibt sich antisemitisch, provoziert, schickt mir eine Schrift aus Wehrmachtszeiten und jubelt den Inhalt hoch. Er droht mir damit, dass Akten über mich angelegt würden, die Wahres (“alles, was sie online so tun) und auch Unwahres (“…und das, was man noch so hinzuerfinden kann.”) enthalten würden. Sein Rat: facebooken, bloggen und twittern einstellen.

Ich schildere den Vorfall online, treffe technische Schutzmaßnahmen, bin häufiger offline und vermeide Datenspuren im Internet zu hinterlassen, die falsche gedeutet werden können.

Ich schildere meiner zivilen Therapeutin die Auswirkungen dieses Treffens. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie mir glaubt oder den Druck nachvollziehen kann unter den mich das setzt. Ich sage den Folgetermin im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin für Januar 2014 ab, denn ich kann nicht mehr auf eine neutrale Behandlung vertrauen.

Zwischen Februar und Mai 2014 setze ich mich unter Druck, die Bachelorarbeit zu schreiben. Trotz gutem Notenstands von 1,5 und nur einem fehlenden Kurs schaffe ich es nicht. Ich wäre erneut abhängig von Autoritäten, einem quasi-vorgesetzten Professor. Ich schaffe es nicht.

Zum 31.8. endet das Semester – ein weiteres kann ich nicht zahlen.

Unterhalt

Weil die Absicherung meiner Kinder erst ab Mitte August 2013 gesichert war, lief bereits ein Antrag meiner Ex-Frau auf Unterstützung durch das Unterhaltssicherungsamt. Die Schreiben, die Eintreffen sind scharf formuliert, unterstellen, ich wäre nicht arbeitswillig oder würde meine Kinder nicht versorgen wollen.

Jedes Wort erhöht den Druck. Ich schaffe es irgendwie, diese Schreiben zu beantworten, reagiere binnen weniger Stunden darauf. Stelle klar, stelle richtig und mache deutlich, warum es zu dem Unterhaltsausfall kam. Ich begleiche die aufgelaufenen Forderungen. Bis mein Unterhalt gesichert war und regulär gezahlt wurde vergingen ab der Zusage immerhin wieder sechs Wochen. Im November gleiche ich Unterhaltsforderungen komplett aus. Ich habe den Zulassungsschein für den öffentlichen Dienst zurückgegeben. Damit verbunden war die Auszahlung von einbehaltenen Übergangsansprüchen.

Ich kann die angefallenen Girokonto-Schulden ausgleichen, letzte Anschaffungen für die freie journalistische Tätigkeit machen und bin – abgesehen vom Studienkredit – auf Plus/Minus-Null.

Im Februar 2014 geht mir erneut ein Schreiben zu. Obwohl ich im Oktober 2013 unter Aufwendung von Kraft, Selbstbeherrschung und mit größter Belastung binnen weniger als 8 Tagen eine Berechnung des Unterhalt erhielt und zusichern konnte, all das auszugleichen unterläuft dem Mitarbeiter des Jobcenters Paderborn im Februar angeblich ein Fehler. Mich ereicht – und triggert – das Schreiben vom 14.02.2014 in dem es heißt, ich hätte auf den Vorgang im Oktober 2013 nicht reagiert. Der Mitarbeiter schreibt sogar den Namen meiner Kinder flasch. Ich Antwort und stelle klar, dass ich die Behauptung, ich käme meiner Unterhaltsverpflichtung nicht nach ausgeräumt wissen will.

Das Entschuldigungsschreiben des Mitarbeiters geht am 18.02.2014 ein.

Fallmanager/in des BDV

Der/die Fallmanager/in des BDV versucht derzeit alle Register zu ziehen, um zum 1.9. eine Versorgungssituation zu schaffen bei der ich zumindest die Therapie fortsetzen kann. Unterhaltszahlungen werden nicht möglich sein – dazu ist mein Einkommen zu gering.

Das bedeutet Druck (TRIGGER!) vom Unterhaltssicherungsamt, denn die werden in Kürze mit den gleichen Drohgebärden Gutachen (TRIGGER!) oder aber 20 bis 30 Bewerbungen fordern, natürlich auf Jobs mit ausreichend Einkünften zur Begleichung der Unterhaltsforderungen.

Seitens des/der Fallmanager/in soll ich “unbedingt ins Bundeswehrkrankenhaus Hamburg” um die Begutachtung (TRIGGER!) über mich ergehen zu lassen, soll dem Verfahren in dem über mich entschieden wird zuarbeiten (TRIGGER!) und soll mich in die Berufsunfähigkeit argumentieren lassen.

Ich kann arbeiten – aber ich ertrage nicht, das ich für Leistung keine soziale Absicherung in Form einer bezahlbaren Krankenversicherung haben werde. Ich ertrage nicht, dass ich in die Untätigkeit eines HARTZ4-Systems abgeschoben werden soll, wo ich gerade den Stand erkämpft habe, immerhin eine halbe Arbeitswoche durchzustehen.

Wie verblendet müssen die Bundeswehr- und Staatsinstanzen eigentlich sein, wenn Sie angesichts all dessen von mir fordern, ich solle “vertrauen” ?

Die Frage geht an den Wehrbeauftragten und den beauftragten General für posttraumatische Belastungsstörungen und Einsatzerkrankungen.

Um nicht weiter belastet zu werden muss ich die Zusammenarbeit mit der/dem Fallmanager/in an dieser Stelle weitestgehend beenden, um nicht größeren Schaden aus dem “Hoffen auf Hilfe” zu erleiden, als aus der prekären Situation, die ich ab September 2014 durchzustehen habe.

800 Euro von denen ich die Wohnung bezahle und das Essen – in der Hoffnung, dass ich einen Arzt finden, wenn ich einen Arzt brauche, der mich kostenlos behandelt. In der Hoffnung, mich irgendwie aus diesem Mist herausarbeiten zu können, vielleicht irgendwann für Journalismus, Redaktion und Recherche bezahlt zu werden.

Ich habe in den letzten Wochen mit einem Filmteam in zwei Interviews, die rund 8 bis 10 Stunden gedauert haben über Eintritt in die Bundeswehr, Ablauf und Verlauf der Einsätze sowie die Entwicklungen danach gesprochen.

Ich ersuche – und das ist gleichzeitig mein letztes Ansinnen an PTBS-Beauftragten / Wehrbeauftragten – dass dieses Rohmaterial, sobald es verfügbar ist, als Basis für Begutachtungen dient.

Ich werde mich nicht erneut durch ineffektive und re-traumatisierende Prozesse in der Genesung und Aufarbeitung zurückwerfen lassen oder Verwaltungsstrukturen über mich ergehen lassen, die mich krank machen.

Gern dürfen mir die angesprochenen Stellen Vorschläge unterbreiten, wie ich von 800 – 900 Euro aus Minijob und selbständiger Tätigkeit eine Krankenversicherung finanzieren soll. Bitte beachten Sie, das die Einordnung in Zwangssysteme, wie HARTZ4 dabei nicht möglich ist.

Priotrität 1 ist für mich: Depressionen und Trigger-Effekte vermeiden. Das ist derzeit bei staatlichen Zwangsmaßnahmen nicht möglich.

Priorität 2 ist für mich: als Redakteur ohne Repressalien arbeiten zu können. Offener Umgang, mit Themen, wie vom 27.09.2008

Priorität 3 ist für mich: eine Gesprächs- und EMDR-Therapie zu straten, mit der hoffentlich die Trigger-Effekte reduziert werden können.

Stellungnahme beider angesprochener Stellen erbeten bis Freitag, 22.08.2014.

Es fehlen auch Reaktionen und Stellungnahmen aus:

1. Büro von der Leyen, Stellungnahme zum 27.09.2008
2. Büro Merkel, Kanzleramt, Stellungnahme zum 27.09.2008
3. Büro Wehrbeauftragter, Stellungnahme zum 27.09.2008
4. Büro Bundespräsident Stellungnahme zur unkommentierten Rücksendung der Einsatzstiefel, sowie zum
27.09.2008
5. Erklärung des Begriffs “befangen” von mindestens 2 Redaktionen anhand der verfügbaren Fakten zum
27.09.2008
6. Erklärung aller angeschriebenen Stellen, die den Sachverhalt “Adlon-Gespräch” nicht nachprüfen

Danach haben Sie es geschafft und ein weiterer Wehrdienstgeschädigter bricht sein Verfahren ab, weil er die einzig logische Konsequenz daraus zieht, die ineffektive Verwaltungsstrukturen, die einzig die Abwehr von berechtigten Versorgungsforderungen stützen nahelegen: so weit weg vom Staat, wie nur irgend möglich.

Staatsfeind wollte ich eigentlich nie werden … Ich distanziere mich ausdrücklich von jeder Form von Gewalttätigkeit, die in diese Aussage interpretiert werden könnte. Gewalt ist für ebenso wenig ein Mittel zur Durchsetzung von Interessen, wie Schweigen legitim ist, um Macht zu erhalten und Missstände zu vertuschen.

Gleichzeitig stelle ich klar, dass jegliche Unterstellung einer etwaigen Suizidgefährung oder Fremdgefährdung falsch ist. Suizid ist keine Lösung – Gewalt gegen andere Menschen ist keine Lösung. Staatliche Repressalien in Form von Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung werde ich als solche kenntlich machen. Auf diese Ebene eines totalitären Staates sollten die angesprochenen “demokratischen, aber schweigenden Instanzen” besser verzichten.

Update: 12:08 Uhr

Ich soll nun 300 Euro für eine private Krankenversicherung zahlen. Damit wäre ich zum 1.9. entweder wohnungslos oder ohne ein Budget für Lebensmittel.

Conti-KV

Zeitgleich gehen als Reaktion in den sozialen Netzwerken Kommentare ein. Ich habe versucht dort Uniformteile für einen symbolischen Preis zu verkaufen, um irgendwie den Lebensunterhalt zu sichern. Einige Unterstützer Teilen den Beitrag. Doch dass ich mich dringend aus Facebook zurückziehen muss machen die zersetzenden Kommenare deutlich, die eingehen. Das ganze findet in Gruppen statt, die angeblich Soldaten unterstützen (z.B. “Wir hören Radio Andernach”, “Bundeswehr und Reservisten”). Die Gruppen sind überwiegend öffentlich zugänglich, so dass keine Verletzung der Persönlichkeitsrechte vorliegt, wenn ich Screenshots mit Klarnamen anfertige:

Mobbing4

Mobbing3

Mobbing_5

Mobbing 7

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Umgang mit psychisch Erkrankten – das schlechte Gewissen

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Die 2000 Zeichen-Grenze habe ich gesprengt – daher hier die nötigen Worte zum Artikel von Frau Gaus:

http://www.taz.de/Kolumne-Macht/!144229/

Liebe Frau Gaus,
ich mag mich nicht im Stil der Kritik vorangegangener Kommentatoren äußern.
Als Betroffener von PTBS und Depressionen aufgrund der Kriegserfahrung in Afghanistan habe ich eine gewisse Erfahrung im Umgang mit meiner eigenen psychischen Erkrankung.
Doch bin ich wirklich krank? Diese Frage muss ich auch ihnen stellen, die aus irgendeinem Grund Flugangst hat.
Wo auch immer die herkommt: warum wollen sie unbedingt fliegen müssen?

Machen Sie doch einen anderen Beruf. Bäcker zum Beispiel. Da müssen Sie nicht fliegen und wir uns nicht das Gejammer anhören, dass sie einfach nicht können.

Verzeihung, dass ich das so deutlich sage. Ich höre es in Bezug auf meine Erkrankung nur zu oft. Und viele finden das so in Ordnung.Auch Menschen von der TAZ, die mir erzählen: “Du bist befangen.”

Befangen, weil ich nach drei Afghanistaneinsätzen Lügen, Propaganda und Schönfärberei der Militärs erkenne und sage: die parlamentarische Kontrolle der Armee versagt.

Ich sei befangen, hieß es und der Redakteur wischte beiseite, dass selbst Parlamentarier eingestehen, dass sie schlecht bis gar nicht oder falsch informiert werden.

Doch das ist für manche Leute – besonders ihrer Generation – oft so unvorstellbar. Militär, dass sich erneut so falsch verhält, wie schon im zweiten Weltkrieg.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Und so ist es auch in Bezug auf psychische Erkrankungen.

Die Auslöser liegen meist nicht in der betroffenen Person, sondern in der Gesellschaft und dem Umfeld, das diese Person krank gemacht haben.

Menschen forderten Leistung, überforderten den Kranken und am Ende will es niemand gewesen sein.

Enke, Biermann, Williams – was haben sie gemein, wenn sie so bekreischend laut betrauert werden? Doch nur eines: ihre Rolle, die die Gesellschaft wahrgenommen, gefordert, gefördert und geliebt hat.

Doch wem dieser Drei wurde erlaubt und ermöglicht, sich aus dem krankmachendem Umfeld heraus zu nehmen?

Sie mussten weitermachen – es gab halt keine Alternative. Auch keine Wertschätzung. Oder Wahrnehmung ihrer anderen Charakterzüge. Oder eben nur dafür überbordende Anerkennung, was die Gesellschaft wollte.

Die gleiche Gesellschaft, die jetzt wieder schweigen wird. Peinlich berührt, weil sie ahnt, wieviel Mitverantwortung sie an den vielen Enkes, Biermanns und Robins trägt.

Mir wurde mal suggeriert, ich würde von gewählten Vertretern im Willen und zum Schutz des Volkes entsendet. Setz dein Leben ein – der Dienstherr schützt dich auch nach der Dienstzeit.

Daran wollen sich aber Politiker und Verantwortliche jetzt nicht mehr erinnern. Und aus Reihen der Wähler heißt es: Afghanistan haben wir so ja nie gewollt.

Journalisten reden von angeblicher Befangenheit und lassen sich weiterhin zu Märchenstunden nach Afghanistan fliegen.

Schuld an der Erkrankung ? Der Erkrankte. Alles andere würde zu viele Fragen nach sich ziehen…

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Wochenzusammenfassung – Podcast

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