Neuer Beitrag “HyperboleTV” – Frag ein Klischee – Frag einen Soldaten

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Drones – Eyes from a distance

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Am Freitag und Samstag konnte ich in Berlin an einer Veranstaltung zum Thema Drohnen teilnehmen. Neben Aktivisten und Menschenrechtsanwälten war auch der ehemalige Drohnen-Pilot Brandon Bryant Podiumsgast.

Für mich ist die Teilnahme an solchen Veranstaltungen immer noch ein Mix aus Entlastung und Belastung. Eine Entlastung erlebe ich vor allem in den Momenten, in denen klar wird, dass das Verschweigen von zivilen Opfern offenbar Teil der Kriegsführung ist. Das hat mich nicht nur rund um den 27.09.2008 belastet, sondern auch beim Lesen der Afghan Warlogs – US-Berichte, die Wikileaks verfügbar machte – in denen Tote nicht erwähnt werden, die aber Teil der Meldungen waren, als ich vor Ort war. Nicht nur das Verschweigen von zivilen Beteiligten sondern auch die aktive Vernichtung von Beweisen für die Taten der internationalen Truppen ist wohl Teil der Taktik im Anti-Terror-Kampf.

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Den Weg gehen …

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Mit den ersten Sonnenstunden des Jahres tut sich auch einiges in meinem Garten. Die Deutschlandflaggen auf den Ärmeln der Einsatz-T-Shirts verblassen zusehends. Unter der Blumenerde und den Wurzeln der Weide verrotten Uniformen. Stück für Stück kann die aktive Militärzeit in den Hintergrund treten.

Seit Beginn der Aufarbeitung hat sich einiges getan. Das Jahr 2014 war geprägt von zahlreichen Videointerviews, Fotoaktionen und eben auch Aktion, meine Einsatzkiste zu bepflanzen. Schritte auf einem Weg, der immer stark geprägt sein wird, aber zusehends weniger meines Alltags bestimmt.

In einem der künftigen Beiträge werde ich zusammenfassen, was an symbolischen Aktionen Teil des Weges im vergangenen Jahr war, zur Stärkung beigetragen und ein weiter gehen überhaupt erst möglich gemacht hat. Einige Elemente (Video & Pflanzaktion 2014) sind auch in diesem Beitrag bereits enthalten.

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Wochenupdate

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Seit einigen Tagen lässt der Druck nach, der in den letzten Monaten auf mir lastete. Ich merke, dass Optimismus möglich wird, der vor wenigen Tage und Wochen noch nicht möglich gewesen wäre.

Seit dem Gespräch mit dem Berufsförderungsdienst am 27.03.2015 ist klar, dass die Förderung eines Masterstudiums übernommen wird. Mit der am 26.03.2015 eingetroffenen Gehaltszahlung konnte ich nun die Rechnungen der Therapie- und Coachingmaßnahmen bezahlen.

In diesem Bereich muss ich derzeit noch in Vorkasse gehen, bis die zuständigen Stellen fachlich anerkennen, dass die Kosten für meinen Therapieweg übernommen werden. Auch hier ist noch einiges an Papierkram vor mir, den ich hoffentlich bis nach Ostern langsam abarbeiten kann.

Neuer Fokus

Dringend und drängend wird die Bewerbung für den Masterstudienplatz und natürlich der Abschluss des Bachelorstudiums. Es tut gut, eine Perspektive zu haben, die vorher schlichtweg nicht existierte.

In dieser Woche war ich ausnahmsweise mal ausschließlich redaktionell und an Themen unterwegs. Neben der LiMA-Konferenz stand der NSA-Ausschuss auf dem Plan, der mit 9 Stunden wieder sehr fordernd war. Auch im Bereich IT-Themen kam ich voran. Die Woche schließt mit der Seminarteilnahme beim Arbeitskreis Darmstädter Signal.

Doch bei allem Optimismus: vieles ist noch im argen und nicht in der Waage.

Druck – EntlastungZiele

Der Termin am Freitag zum Berufsförderungsdienst lies mich zunächst schlecht schlafen. Ich rechne immer noch damit, dass Instanzen, die ich in den vergangenen Jahren stark kritisiert habe noch Repressalien auf Lager haben und zur Anwendung bringen könnten.

Doch anders als zu befürchten: ich werde an der Deutlichkeit meiner Worte nichts einschränken.

Der Plan ist, schnellst möglich die Schulden der letzten beiden Jahre abzubauen und nach Abschluss des Masterstudiums sowie einer ausreichenden Arbeitserprobung das Diennstverhältnis “Schutzzeit” zu kündigen, um die Abhängigkeit los zu werden, in der ich mich derzeit befinde.

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Wie der Wehrbeauftragte mein WDB-Verfahren sieht

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Ergänzung:

Es fehlt die Information, dass der erste Antrag (13. Mai 2013) bei der WBV-Süd zunächst eintraf und dann an die WBV-West unvollständig weitergeleitet wurde. Ich musste erneut alle Hergänge der Schädgigung schildern. Es dauerte gut 4 Wochen, bis ich das hin bekommen habe.

Nüchtern heißt es auch in diesem Schreiben: es dauert so lange, wie es dauert. Was in der Zwischenzeit den Bach runter geht: dem Verwaltungsbeamten fordert niemand ab, sich darum Gedanken zu machen.

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Führe zu “erheblichen Such- und Erkennungsdienstlichen Maßnahmen”. Hier bescheinigt der Wehrbeauftragte, dass die Bundeswehr nicht in der Lage ist, mit ehemaligen Soldaten Kontakt zu halten bzw. gezielt wieder aufzunehmen. Gründe dafür gibt es mehrere – ja nach Laufbahn der Zeugen:

Fall 1: Zeuge = (aktiver) Berufssoldat

Der Ermittlungsaufwand bezieht sich dabei auf die Personalakten. Sofern die Namen eindeutig sind, sollte es zu keinen Problemen kommen. Fehlt dem Antragsteller Personenkennziffer (hat niemand von anderen parat) muss das Personalamt anhand von Einsatzzeitraum zurückermitteln, um welchen z.B. “Oberfeldwebel Peter Müller” (Phantasiename) es sich beim Zeugen handelt. Einmal gefunden muss nur noch herausgefunden werden, ob der Soldat auch an dem Standort eingesetzt ist, der in der Personalakte steht UND nicht gerade irgendwo hin abkommandiert ODER erneut im Einsatz ist.

Potential: wenige Wochen bis ein Quartal, bis der Zeuge erreicht wird.

Bearbeitungszeit: beginnt ab erreichen des Zeugen

Fall 2 : Zeuge = ehemaliger Zeitsoldat

Hier beginnen die Probleme. Ausscheidende Zeitsoldaten haben die Wahl, wie mit ihrem Personaldatensatz umgegangen wird. Wer sich als “Reservist” betätigt ist aufgefordert, jeden Umzug zu melden und stets für einen korrekten Datensatz bei der Bundeswehr zu sorgen.

Wer die Bundeswehr ohne Bedürfnis nach irgendeinem späteren Kontakt verlässt, der verschwindet vom Radar. Damit die Bundeswehr gezielt Kontakt aufnehmen kann, ist eine Ermittlung durch die Einwohnermeldeämter erforderlich. Wer nach der Bundeswehrzeit mehrfach umzieht und die Meldungen korrekt vollzieht dürfte schnell aufzufinden sein. Wer schlampt, viele wechselnde Wohnorte hat oder gar ins Ausland umzieht, wird zum Fallstrick für den geschädigten Soldaten.

Potential: wenige Wochen bis mehrere Monate, bis der Zeuge erreicht wird.

Bearbeitungszeit: beginnt ab erreichen des Zeugen

Fall 3: Zeuge = ???

Zeugen, die aus anderen Systemen stammen und mit der Bundeswehr zusammenarbeiten potenzieren die Bearbeitungszeiten der Anfragen. Denkbar sind Polizisten, die im Einsatzland kooperiert haben. Denkbar sind auch Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes oder ziviler Firmen, die Zeugen der Schädigung wurden.

Als hochgradig problematisch würde ich Zeugen bewerten, die z.B. mit einer Tarnidentität beim Bundesnachrichtendienst arbeiten, als Soldaten auftreten und möglicherweise aufgrund ihrer Tätigkeit im Einsatzland  nie wieder mit dem Namen in Deutschland unterwegs sind, mit dem sie im Einsatz gegenüber dem Geschädigten aufgetreten sind.

Wie viele Ebenen sind notwendig, um durch Schutzmaßnahmen durchzudringen oder an den Punkt zu gelangen, dass die Ermittlungen als “erfolglos” und “in dubio pro” Antragsteller eingestellt werden?

Die Folgen der Geheimhaltung muss der geschädigte Antragsteller ausbaden. Allein schon deswegen muss ab Diagnose einer einsatzbedingten Erkrankung oder nur der Vermutung eine entsprechende Absicherung greifen.

Manko in der Veteranenerfassung

Eine direkte Kontaktaufnahme mit ehemaligen Einsatzsoldaten ist auch 2015 nicht gezielt möglich, weil es keinen offiziellen Datensatz gibt, der die Ex-Soldaten für die Bundeswehr erreichbar macht.

Selbst als Reservisten sind die Datenbestände z.B. zwischen Besoldungsstelle und der ehemaligen Kreiswehrersatzamts-Sturktur nicht deckungsgleich. 2014 scheiterte ein Kriegsdienstverweigerungsantrag, weil ein mit Berliner Adresse abgesendeter Antrag im Nirvana ehemaliger Adressen versandete. Dabei bestand zu zahlreichen Bundeswehrstellen – inklusive Besoldung – noch Kontakt und ein aktueller Datensatz.

Klar und deutlich: werden gehäuft Fälle von Gesundheitsbelastungen gemeldet, die auf  ein bestimmtes zurückliegendes Kontingent – z.B. durch belastete Farben – zurückgehen, müsste die Bundeswehr die öffentlichen Medien kontaktieren oder eben wieder monatelang ermitteln, um belastete Ex-Soldaten zu informieren. Der Wehrbeauftrage mahnt seit Jahren – das BMVg verbrennt lieber Geld in Drohnen, statt auf Vorsorge beim Ex-Personal die notwendige Fürsorge walten zu lassen.

Wahnvorstellungen eines Kranken? Nein.

In meiner Tätigkeit in Afghanistan war ich im täglichen Kontakt mit afghanischen Mitarbeitern, hatte ein Massenmedium zu verantworten, mit dem ich jederzeit durch Fehler ein kaum wiedergutzumachendes Chaos hätte anrichten können. Ich muss davon ausgehen, dass

1. meine Arbeit permanent im Monitoring durch den BND gewesen ist,
2. meine Arbeit permanent im Monitoring durch die NATO gewesen ist (Stichwort: “Deutscher General entschuldigt sich für Islamkarrikaturen”),
3. einzelne Kontakte regelmäßig mit Tarnidentitäten oder “Legenden” mit mir im Gespräch waren.

Ich habe mittlerweile mehrere Gespräche identifiziert, die mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Mitarbeiter von Diensten geführt wurden. Einfach nur zum Zweck, einen Eindruck zu bekommen, woran ich arbeite, wie ich ticke und was von mir zu erwarten / zu befürchten ist.

Ständig Gedanken daran verlieren – nein. Aber zwischenzeitlich resümieren, wo Ansatzpunkte waren, mir die Probleme zu bereiten, die in den letzten Jahren aufgetreten sind: ja. Und immer drauf hoffen, dass sich das in den nächsten Jahren niemand erneut erdreisten wird.

Gespräche mit dem Lücking auf dem kleinen Dienstweg anstoßen: forget it. Don’t even think to continue that shit.

 

 

wpid-20150322_090126-1.jpgMitteilungen über den Verlauf habe es nur wenige gegeben. Der Bearbeiter geht hier nonchalant darüber hinweg, dass mein damaliger Anwalt in Monat 12 ohne Rückmeldung über das Verfahren eine Anfrage stellte und abgewiesen wurde. “Das würde auch nichts beschleunigen und man habe genug zu tun!” war die Antwort der offenkundig überlasteten Bearbeiter.

Erst mit der Eingabe an den Wehrbeauftragten kam ab Monat 14 wieder Bewegung in meinen Fall. Mich dafür permanent öffentlich aufstellen und äußern zu müssen war eine weitere Belastung.

Konstruktiv? Kann ich!

Angesichts der Nachteile, die aus den o.g. Prozessen entstehen kann von einem Schutz geschädigter Antragsteller nicht die Rede sein.

Weder die Unterbesetzung der Verwaltung, noch “Besonderheiten” (bewusst) intransparenter Verfahren oder schlecht verwalteter Datensätze sind durch die erkrankten Personen zu verantworten. Die Folgen daraus machen krank, chronifizieren oder führen zum Totalzusammenbruch des Antragstellers oder der jeweiligen sozialen- und wirtschaftlichen Strukturen.

Um diese gravierenden Versäumnisse der letzten Jahrzehnte auszuräumen, braucht es vertretbare Bearbeitungszeiten der Anträge und parallel eine Absicherung der Antragsteller während des Verfahrens. Aktive Soldaten habe diese Probleme nicht – ehemalige Soldaten kollidieren mit zivilen Versorgungsroutinen.

Soldaten, die noch in der beruflichen Förderung nach der Dienstzeit sind und ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen haben riskieren ihre Existenz.

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Frag einen Soldaten: Dankbarkeit? (Frag ein Klischee)

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In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht Hyperbole TV die Beiträge zu “Frag ein Klischee – Frag einen Soldaten”. Die Redaktion hatte mich im Mai 2014 eingeladen und wie haben vor der Kamera eine Reihe von Klischeefragen beantwortet. Für mich war das damals aus mehreren Gründen sehr hilfreich – und es auch bis heute noch.

Zunächst, weil ich in den Gesprächen, die ich mit den Machern geführt habe unvoreingenommen behandelt wurde und auf Menschen getroffen bin, die immer ihr eigenes Bild vom “Soldaten” mit dem abgeglichen haben, was ich erzählte. Immmer im Bewusstsein, dass sie viele Klischeeantworten ohnehin bereits kennen und auch eine eigene vor-geprägte Sichtweise haben. Ich kann nicht sagen, für welche der beiden Seiten die Begegnung spannender war.

Ich schaue in unregelmäßigen Abständen in die Kommentare zu den Videos. Das ist nicht immer leicht, denn verletzende Worte oder sexistische Äußerungen sind immer wieder dabei. Schlimmer noch sind die “Schreihälse” die “echte Soldaten” sehen wollen … und die Vorstellungen, die ich mir über diese “kommentierenden Kampfmaschinen” dann mache.

Warum ich mir das dennoch antue, hat zwei Gründe. Zunächst erinnere ich mich sehr gut, an welchem Punkt der Aufarbeitung ich im Mai 2014 stand, als ich die Kischeefragen beantwortet habe. Seitdem ist viel passiert und ich bin auch in der Therapie gut voran gekommen. Ich würde sicherlich heute noch dieselben Antworten geben – an meiner Position zu den Inhalten hat sich nichts geändert. Aber der Leidensdruck, der damals darin steckte, reduziert sich immer mehr.

Es hilft sehr zu wissen, dass die kritische Position, die ich vertrete eine Öffentlichkeit hat, diskutiert wird und auch mir die Gelegenheit gibt zu sehen, ob ich Aspekte verständlich zum Ausdruck bringen kann, die Teil der Belastung ist. In den letzten zwei Tagen musste ich im Rahmen der Formalien bei der Einstellung in die Schutzzeit wieder auszugsweise über das reden, was die Erkrankung ausmacht und dazu geführt hat.

Es ist eine ganz andere Art von Schwierigkeit, die Themen den aktiven Soldaten zu schildern. Je nachdem, wie gefestigt die Person oder gereift die Persönlichkeit ist, bekomme ich entweder ehrliches Feedback oder eine “militärisch-dienstverhältnis-sozial-erwünschte” neutrale Haltung gespiegelt. Ich bin froh, dass ich die Zeiten in der Kaserne so gering, wie möglich halten kann – das ist alles nicht mehr meine Welt.

Momentan jedoch bin ich auf die Hilfe und die Absicherung durch die Schutzzeit angewiesen – sonst bleiben entweder Therapie oder berufliche Qualifikation auf der Strecke.


Dankbarkeit?

Mörder?

Ich kann die Reihe “Frag ein Klischee” übrigens auch zu vielen anderen Themen empfehlen, denn die Antworten sind nicht nur interessant und machen nachdenklich. Auch beim neuesten Beitrag zum Thema Depressionen kann ich nur sagen: “Authentisch. Echt. Und leider 100% treffend und wahr.”


Frag eine Depressive

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Schwupps… Chefsache

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Es waren mehr als nur gemischte Gefühle beim Weg heute in die Julius Leber Kaserne. Was würde mich erwarten?

„Schutzzeit“ – nicht nur neu für mich, sondern auch für (überwiegend) alle Beteiligten, denen ich heute auf den verschiedenen Stationen begegnet bin. Neben den Regularien der Einstellung und den übliche schriftlichen Belehrungen über korrektes Verhalten war vor allem der Arzttermin und die Station beim Berufsförderungsdienst fordernd.

Zum direkten Ansprechpartner erklärte sich der Chef des Stabes, der sich eine gute Dreiviertelstunde einen Eindruck von mir und meiner Zielsetzung zur Nutzung der Schutzzeit machen konnte.
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Bis um 10:00 Uhr habe ich heute den Personaloffizier beim Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr in der Julius Leber Kaserne aufzusuchen. Ich werde wohl so gegen 9 Uhr da sein, obwohl mir gerade eine Reihe von Alternativen einfällt, die ich jetzt und heute viel lieber erledigen würde. Dazu zählt neben der eigenen Steuererklärung gern auch die von meinen Lesern (gern auch mehrere Jahre) sowie ein paar Zahnwurzelbehandlungen ohne Betäubung.

Heute Abend oder am Nachmittag schreibe ich dann ein Update über die Abläufe des Tages.

Vor ziemlich genau einem Jahr kam es zu einer Diskussion auf Facebook, die just heute ein Like von einem Fremden erhalten hat (was für Zufälle). Das Filmzitat trage ich inhaltlich insoweit mit, als dass die Augen nicht mehr verschlossen werden können vor dem, was man gesehen hat. Interessant ist in der Rückschau, wer und in welchem Zusammenhang er / sie mir geraten hat, genau das zu tun.

Die Diskussion mit einem Freund spiegelt wieder, wie sehr sich die Kriegshandlung von der Wahrnehmung und willentlichen Unterstützung der Bevölkerung abgekoppelt hat.

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Die Bundeswehr, der Journalismus und ich

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Im Jahr 2010 habe ich begonnen das fortzusetzen, was ich in Anteilen schon zu Bundeswehrzeiten (zw. 2002 und 2008) getan habe. Die Arbeit in den Medien war dort bestenfalls PR-Arbeit und auf jeden Fall eine kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten, die der Dienstherr sich wünschte.

Mein Schritt in den Journalismus und die Entscheidung Onlinejournalismus zu studieren war davon geprägt, dass ich im September 2008 zum Schweigen verdonnert worden bin – ein Schweigen, das erst im Mai 2013 gänzlich brach. Der Bruch war ein Teil der Aufarbeitung, die ich in den letzten zwei Jahren ein gutes Stück voran gebracht habe.

Naiv – anders kann ich meinen Glauben daran nicht nennen, dass eine effektive Kontrolle des Parlamentes verhindert, dass die Bundeswehr ihr Handeln im Ausland vertuschen kann. In den Dienst eines Kämpferkultes habe ich mich nie gestellt. Auch nicht „Ja“ dazu gesagt über den Umgang mit Kriegsgefangenen zu schweigen oder mich der kritischen Frage nach ihrem Verbleib willentlich zu verschließen.

Diese Dinge dennoch erleben und durchleben zu müssen hat mich – neben einigen anderen Erfahrungen – geschädigt, traumatisiert und erkranken lassen. Der Friedensaktivist und Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann hat in seinem Buch „Niemals gegen das Gewissen“ eindrucksvoll beschrieben, welchen inneren Kampf, welche Zerissenheit die Folgen eines aufgezwungenen Handelns gegen das Gewissen bedeuten.

Defacto wurde mit dem Grundgesetz bei der Gründung der Bundesrepublik und der späteren Neuaufstellung einer Deutschen Armee ein Anspruch formuliert, dass solches Handeln gegen das Gewissen nie wieder vom Staat auferlegt werden darf. Doch es ist viel grau zwischen dem eindeutigen Schwarz und dem eindeutigen Weiß. Mich selbst darin wiederzufinden, damit auseinander setzen und mich letztlich neu vor mir selbst rechtfertigen zu müssen hat viel Kraft gekostet.

Es wäre unnötig gewesen, hätte es diese Lügen nicht gegeben.

Zum 16.03.2015 trete ich in eine sogenannte Schutzzeit ein. Ein Bundesdienstverhältnis, finanziert aus dem Einzeplan 14 – also dem Wehretat. Ziel dieser Schutzzeit ist es, mir Raum für gesundheitliche Rehabilitation und berufliche Eingliederung zu geben. An meinem Berufsziel hat sich nichts geändert.

Im Rahmen dieser Schutzzeit ist die Bundeswehr in der Pflicht, die beruflichen Qualifikationsmaßnahmen zu finanzieren und für meinen Lebensunterhalt zu sorgen, damit mir im Gegenzug Zeit und Raum bleibt, die gesundheitlichen Folgen aufzuarbeiten, die die letzten Jahre hinterlassen haben.

Formal jedoch gibt es ein Problem: ich unterliege dem Soldatengesetz, gelte als militärischer Vorgesetzter, denn ich bin in eine Hierarchie eingegliedert, die Dienstgrade definiert. Dazu zählen dann gewisse Verschwiegenheits- und Zurückhaltungspflichten in dienstlichen Belangen. Formalkorrekt ist jede Äußerung, die ich zu Bundeswehrthemen ab dem 16.03.2015 mache angreifbar.

Ich muss davon ausgehen, dass es Kräfte in den Reihen der Armee gibt, die darauf setzen werden oder durch „dezente Hinweise“ darauf drängen könnten, ich solle mich zu gewissen Themen nicht äußern.

Nun denn – ich werde es darauf ankommen lassen, denn ich bin nicht Teil des militärischen Apparates und nur zum Zwecke der beruflichen Qualifikation und gesundheitlichen Rehabilitation auf der Payroll.

Die Sorge der letzten Jahre um Genesung und darum, wie ich meine Familie ernähren kann weicht nun der Sorge, welche Repressalien mit der „Schutzzeit“ einher gehen. Wird versucht werden, auf meine laufende Therapie Einfluss zu nehmen? Werde ich – wie schon 2013 geschehen – zur Einnahme von Medikamenten gedrängt oder durch bewusste Falschinformationen über Art und Ablauf von Therapiemaßnahmen getäuscht?

Ich bin entschlossen, positiv und optimistisch zu bleiben. Doch letztlich werde ich keine Eingriffe in meine Autonomie mehr dulden, die politisch oder durch Militärinteressen motiviert sind.

Nötigen Falles erstreite ich mir das Recht auf eine Krankenversicherungslösung, die ohne die militärisch geprägte „Freie Heilfürsorge“ auskommt oder werde mich gänzlich frei finanzieren, wenn es um gesundheitliche Belange geht.

In den letzten zwei Jahren habe ich aufgrund der Kosten für Lebensführung, Therapie und Unterhaltsverpflichtungen Schulden aufgebaut, die ohne die Erkrankung und die damit einhergehenden Einschränkungen nicht entstanden werden. Diese werde ich im Laufe der Schutzzeit auch abbauen können.

Journalistisch werde ich in Bezug auf den Umgang mit mir weiter so öffentlich Verfahren, wie ich das im Blog „Wir-Dienten-Deutschland.de“ bisher getan habe. Demokratie und das Recht auf freie Meinungsäußerung dürften damit kein Problem haben – wenn sich die Bundeswehr dazu als inkompatibel beweisen will, bin ich der Institution dabei gerne behilflich.

Journalistisch werde ich weiterhin die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr, die Rüstungs- und Verteidigungspolitik sowie die damit verknüpften Auswüchse im Blick haben, begleiten und mich kritisch betätigen. Wenn es mir da mit unter an Sachlichkeit mangelt oder die Wut ein schlechter Berater sein möchte, gibt es immer noch das Mittel der Satire – so denn es bei den Entwicklungen entlang der Baustellen der Truppe überhaupt noch Bedarf an Überzeichnung gibt.

Journalistisch wird mein Engagement weiterhin antifaschistisch sein und wie in den Jahren zuvor ohne Gewalt gegen Personen oder Sachen auskommen.

Friedenspolitisch lehne ich Drohnen ebenso ab, wie die derzeitige deutsche Einbindung in das NATO-Bündnis, in dem nationale Alleingänge, die in Afghanistan und Pakistan für mich jegliches Maß verloren haben – so denn jemals maßvoll gehandelt wurde.

Der Apparat wird damit leben müssen einen scharfen Gegner auf der eigenen Payroll zu haben, ohne Einfluss ausüben zu können – es wird eine spannende Schutzzeit.

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Wiedereinstellung schriftlich – es kann besser werden

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Ein bisschen weiter, als bis zum Schnittbild in den 17:00 Uhr-Nachrichten (‪#‎NSAUA‬) muss ich es noch bringen, in diesem Journalismus. In den nächsten fünf bis acht Jahren habe ich nun zumindest die Möglichkeit.

Heute traf nach massivem Druck durch Öffentlichkeit und aus aus Kreisen der Politik nun endlich die schriftliche Bestätigung ein, dass die Schutzzeit am 16.03.2015 beginnt.

Meine Hauptaufgaben sind ab 16.03.2015 wieder der Abschluss des Studiums, sowie die Therapiemaßnahmen. Die normale Qualifikationshöhe für einen Bundeswehroffizier ist “Master-Abschluss”. Diesen werde ich anstreben.

Zeitgleich ist der Bundeswehr zu empfehlen, meine journalistische Arbeit nicht zu kompromittieren oder gar einschränken zu wollen. Der ‪#‎NSA‬-Untersuchungsausschuss wird ebenso Thema bleiben, die die Bereiche Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

Meine klare Positionierung gegen die Drohnenpolitik sowie die Aktivitäten im Bereich Whistleblower-Netzwerk e.V. , Darmstädter Signal e.V. und Veron
werden bleiben.

150305_NSAUA

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