Beruf? Berufung? Es bröckelt …

Mit dem Schritt in die Therapie kommt auch noch eine der schwerwiegendsten Auseinandersetzungen auf mich zu. Noch immer sind es gut 16 Tage bis zum Therapiebeginn.

Soldat sein 1998 – 2008

Lange Zeit habe ich das Ziel verfolgt Berufsoldat zu werden. Die Zeit in Stabilisierungs und Friedenseinsätzen, wie bei KFOR und im ersten ISAF-Einsatz bestärkten mich. Das Ziel war dort zu sein, wo Menschen Hilfe brauchten. Die Absicherung Humanitärer Einsätze – das Trennen von verfeindeten Bevölkerungsgruppen oder der Wiederaufbau eines Landes. All das sah nach einer sinnvollen Tätigkeit aus.

Vieles der dabei erlebten Idiotien ließ sich auf eine dumme Beamtenmentalität zurückführen, die aus grauer Amtsstubenzeit in den Einsätzen nicht funktionieren wollte. ISAF 2 hätte bereits der Wendepunkt sein können – doch der teaminterne Kampf überdeckte vieles.

Mit ISAF 3 wurde mir jedoch bewusst, dass mein Wunsch „Berufssoldat“ nicht mehr in Frage kommen würde. Die Lüge war zu deutlich spürbar – zu offensichtlich. Ich ging und hoffte darauf, andere würden sich darum kümmern. Die Verantwortung für meine Familie wog schwerer.

Studium Informationsmanagement 2008 – 2010

Der Elan der ersten Wochen wurde zuerst nur leicht durch Gefallene in Afghanistan beeinflusst. Doch mit jedem Vorfall wuchs mein Argwohn noch weiter an. Mit dem Argwohn wuchsen auch die Probleme im privaten Bereich. Nicht nur ich, auch meine Partnerin war bis über die Grenzen belastet worden. Je häufiger die Lösungsversuche scheiterten desto mehr zog ich mich zurück.

Da ich aber vom Thema PTBS zu dieser Zeit nur wenig wusste, erkannte ich auch die Anzeichen nicht – schob alles auf die schwierige familiäre Situation anstatt den Fehler bei mir zu suchen. Letztlich: der Grund, warum die Ehe in die Brüche gehen musste.

Studium Onlinejournalismus 2010 – 2013

Mit dem Studium begann ich zugleich meine Auseinandersetzung mit dem Thema Einsatzveteranen. Zu denen zählte ich mich ohne weiteres – jedoch immer noch nicht zu den belasteten Soldaten. Schließlich gab es keine Anschläge auf mich und ich wurde nicht beschossen.
Das psychische Probleme auch andere Auslöser haben können und andere Formen als Flashbacks annehmen fehlt mir bisher rund um das Thema PTBS überwiegend.

Entscheidungen 2013 – ff

Je deutlicher ich hinsehe – je kritischer ich meine Arbeit der drei Studienjahre prüfe, desto mehr muss ich mich fragen, ob ich überhaupt in den Journalismus gehen soll. Vielleicht lautet die Alternative anders: weg von all dem, was triggert – weg von dem, was Parallelen zu den Einsätzen aufweist. Das hieße unweigerlich weg und raus aus dem Journalismus. In den letzten Tagen entwickele ich mich immer mehr auf einen Punkt zu, an dem ich bereit bin, statt auf dem Niveau Bachelor of Science schlicht eine Stuhl an irgendeiner Supermarktkasse zu besetzen.

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Aufarbeiten – und sich kümmern!

Gemeinsam mit Enno Heidtmann von Blogtalents entstand dieser Beitrag. Das Transkript ist hier verfügbar. Wir sind derzeit aktiv, um dafür zu sorgen, dass die afghanischen Mitarbeiter der Bundeswehr die bestmögliche Unterstützung im Rahmen von Asylverfahren erhalten.

Leider muss davon ausgegangen werden, dass nach dem (Teil-)Abzug der Truppen aus Afghanistan eine Siegerjustiz des Nachfolgeregimes als erste Machtdemonstration stattfinden wird. Bisher wurden nur wenige Asylanträge gestellt und genehmigt.

Wir setzen und für mehr Transparenz und vor allem für eine humanitäre Lösung ein – mit journalistischen Mitteln, aber einer eindeutigen Richtung!

Auch Boris Barschow, vielen aus dem Afghanistan-Blog bekannt hat Unterstützung zugesagt. Dafür bekommt er auch ordentlich auf die Fr … Kauleiste !Im Oktober tritt er im Rahmen der Aktion “Fight 4 Peace” in den Ring, um auf die Situation der Afghanen aufmerksam zu machen.

Mehr dazu folgt!

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… und weil ihr ein eigenes Posting verdient habt …

Es sind die vielen Gespräche und Chats der letzten Wochen, die mich weiter gebracht haben. Freunde, Bekannte, wildfremde Menschen, die mir zur Seite standen. Bitte versteht es nicht als “abladen” der belastenden Gedanken und Erlebnisse. Ich bin dankbar, dass ihr da ward – und da seid.

Das, was mich belastet, belastet auch mein Umfeld und kostete mich bereits die Ehe und einige Freundschaften. Ich hoffe, das ich es schaffe es künftig aus Beziehung und dem Leben, was mit und nach der Therapie beginnt heraus zuhalten. Mindestens aber muss ich es schaffen, die Belastung nicht Überhand gewinnen zu lassen. Nicht über mich – nicht über andere.

Ihr habt geholfen – und tut es immer noch. Danke!

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Zwischenbilanz & Medienecho

Mein Ziel am 15.04.2013: Diejenigen erreichen, die bisher ihre Belastungsstörung nicht behandeln lassen. Ohne diese Zielsetzung wäre ich wohl nicht in der Lage gewesen, mich mit meinen Einsätzen noch einmal auseinanderzusetzen. Mir war nicht klar, dass ich diese Auseinandersetzung bisher eigentlich vermieden hatte.

Selbstinszenierung?

Mir war bisher nicht bewusst, das ich meine Einsätze eigentlich nie auf Belastungssituationen hin bewertet hatte. Ich dachte in klaren Kategorien “KFOR lief gut – ISAF 1 sehr gut – ISAF 2 total beschissen – ISAF 3 – in Ordnung”. Das vor allem ISAF 2 belastend gewesen ist führte ich immer auf meinen Vorgesetzten zurück. Wie viel mich jedoch aus ISAF 1 in den so problematischen Einsatz begleitet hat, war mir nicht klar.

Die offene Auseinandersetzung in diesem Blog hat mir geholfen, die Einsätze neu zu verstehen und für mich zu ordnen. Eine Medienstrategie zur Verbreitung der Inhalte habe ich dabei nicht verfolgt. Mit anderen Artikeln oder Beiträgen hatte ich in der Vergangenheit die Facebook-Wände von Soldatengruppen, Bundeswehrverband oder aber auch Politikern des Verteidigungsausschusses gefüllt.

Mit dem PTBSBLOG beließ ich es dabei, die Beiträge nur auf meinen Kanälen bei Twitter, Facebook und google+ zu posten. Die Verbreitung übernahmen das Thema und die Leser selbst.

Nach nunmehr einem Monat ziehe ich eine Zwischenbilanz und schaue, wo das Thema aufgegriffen wurde.

Die üblichen Verdächtigen

Zunächst griffen Thomas Wiegold von augengeradeaus.net und Boris Barschow vom Afghanistan-Blog das Thema auf. Auch Einzelplan14 reagierte auf die Schilderungen meiner Bundeswehr- und Einsatzkarriere.

Über das Netz hinaus

Schon in den ersten Tagen melden sich auch abseits des Netz Menschen mit Fragen. “Ich gehe in wenigen Tagen zu meinem ersten Termin im Bundeswehrkrankenhaus: was erwartet mich eigentlich?” Ich muss relativ schnell auch intervenieren und darauf hinweisen, dass “Bloggen alleine” die Probleme nicht löst. Es KANN helfen – kann aber auch schnell bei verletzenden Kommentaren negative Effekte entwickeln.

Mindestens zwei Menschen nahmen das Blog aber zum Anlass, ihre eigene Geschichte ebenfalls nieder zu schreiben. Und es sind nicht nur Soldaten.

Seither habe ich mit vielen Menschen geredet, die mir Hilfe angeboten haben, teilweise selbst betroffen sind und die auf dem laufenden bleiben wollen, wie mein Weg verläuft. Ein wichtiger Impuls kam durch den Reservistenverband. Nicht nur der Internet-Redakteur meldete sich und wollte das Thema aufgreifen (scheint aber leider bisher nicht dazu gekommen zu sein). Vielleicht war es mein Kommentar, dass ich kein Bedürfnis danach habe, die Uniform je wieder zu tragen, die diesen Kontakt einschlafen ließ.

Doch ohne den wichtigen Hinweis seitens des Reservistenverbandes die Aufnahme in die Schutzzeit zu beantragen wäre ich wohl nicht auf den Sozialdienst zugegangen. Es war die Hoffnung, dass es mit einer stationären Therapie und einigen Nachfolgesitzungen schnell erledigt sein könnte. Mir überhaupt Ruhe und Zeit für die Aufarbeitung zuzugestehen kam mir erst wesentlich später in den Sinn.

Medien-Echo

Meine geplante Themenauszeit vom PTBSBLOG während der re:publica währte nur kurz. Eine Redakteurin vom RBB verabredete sich und stellte das Blog in einem Radiobeitrag bei FRITZ vor. Kurze Zeit war dieser Beitrag sogar in der ARD-Mediathek vorhanden. Warum mittlerweile diese Seite gezeigt wird, kann ich nur spekulieren – möglicherweise ist es der Titel “Der Bundeswehr-Blogger”, der Verwechselungen mit Bendler-Blogger Sascha Stoltenow nahelegt, den – zumindest ich – eher mit der Bezeichnung verbinden würde.

130515-ARDMEDIATHEK

Rund um die re:publica und auch das Blogprojekt Deutschlands Blogger von Luca Hammer – mit angeregt von Daniel Rehn – traf ich auf interessierte Menschen, konnte aus mir heraus gehen und neue Kontakte knüpfen. Zuletzt gestern zu Karsten Noack und bereits vor einigen Tagen zu Carsten Buchholz, die einzelne Themen oder das Blog selbst in ihren Blogs aufgriffen.

Auch während der Vorträge rund um das Thema Verteidigungspolitik, Krieg und Social Media breche ich mein Schweigen:

Das Unterstützung aus den Kreisen der Dieburger Kommilitonen meines Jahrgangs ausbleibt erklärt sich nicht nur mit den laufenden Bachelor-Arbeiten. Die Zusammenarbeit mit mir war in den letzten drei Jahren stark von den Auswirkungen der Anpassungsstörung / PTBS geprägt. Ich beneide sie, dass sie sich dem Studienabschluss widmen können, den ich so dringend brauche. Doch ohne die Therapie, ohne die jetzt notwendige Auszeit, nützt mir auch der Studienabschluss nichts, den ich hoffentlich noch in diesem Jahr hinbekommen werde.

Endlich den Mund aufmachen

Wesentliche Dinge, die mich belasten habe ich in den letzten Jahren für mich behalten. Dazu zählt die Sorge um die afghanischen Mitarbeiter, die ich in drei Afghanistaneinsätzen führte. Gespräche mit Kollegen vor und während der re:publica ergaben neue Kontakte und Kraft, mich um dieses Thema endlich zu kümmern.

Mit dem Beitrag “Klarheit 27/09/2008″ ging ich den anderen Aspekt an, den ich bis dato für mich behalten habe. Mittlerweile haben alle drei angeschriebenen Bundestagsbüros reagiert und die Bundestagsfraktion der LINKEN hat zugesichert, im Rahmen einer kleinen Anfrage die Fragen zu stellen, die mich seit nunmehr fast fünf Jahren nicht loslassen. Schon 2008 belastete mich die Diskrepanz in der Darstellung. Mit der Veröffentlichung der WAZ-Gruppe erhöhte sich bei mir der Druck energisch Fragen zu stellen. Das tat ich in diesem Artikel.

Der Tropfen, der mein Fass zum Überlaufen brachte kam jedoch im Februar 2013, als Winfried Nachtwei und Tom Koenigs im Rahmen der Veranstaltung “Rückkehr ohne Dank und Anerkennung” – einem öffentlichen Fachgespräch im Bundestag – zum Ausdruck brachten, dass innerhalb der Bundestagsfraktionen keine wirklich tiefgehende sicherheitspolitische Debatte geführt werde. Viele Abgeordnete seien nicht ausreichend informiert, wenn sie über Auslandseinsätze entscheiden. Mein Eindruck, dass die Bundeswehr das Parlament führt – nicht aber das Parlament die Bundeswehr verstärkte sich.

Die Depressionen, das Grübeln, die Wut und die Verzweiflung bestimmten die folgenden Wochen, hielten mich von der notwendigen Erledigung meiner Studienarbeiten ab und sorgten doch noch – gerade rechtzeitig – dafür, dass ich mich auf den Weg in die Therapie machte.

Ausblick

Vergangenheit ist Geschichte, Zukunft ist Geheimnis und jeder Augenblick ein Geschenk…
Ich weiß nicht, was auf mich zu kommt. Ohne die Therapie werde ich wohl keinen Abschluss des Studiums schaffen – von einem geordneten Einstieg in den Beruf ganz zu schweigen. Ohne die Aufnahme in die Schutzzeit wird meine Lage ab dem 1. August prekär – doch all das ist besser, als den Weg zu gehen, den ich mir konsequent verbiete und durch das Erleben der Verzweiflungstaten von Eva, Jan und Martin als “Lösung” ablehne.

Ich gehe mittlerweile davon aus, dass kaum ein Soldat die psychischen Auswirkungen der Einsätze als solche erkennt, wenn sie nicht mit Beschuss, Verwundung oder dem Erleben von Tod einhergehen. Dazu die Kämpfermentalität, die sagt: “Körper intakt? Also keine Verwundung!” Anders kann ich mir das Verweilen in der Dunkelziffer nicht erklären. Doch nur, weil man sie bisher nicht sieht, nicht wahrnimmt oder sie im Stillen mit sich und den Auswirkungen der Einsätze kämpfen, heißt das nicht, dass sie nicht existieren.

Was sich aus der Leserschaft meines Blog entwickeln wird, ist schwer vorhersehbar. Allerhand Bundeswehrkreise lesen mit – aktive und ehemalige Soldaten ebenfalls und immer wieder taucht das “Dänische Aussenministerium” in den Zugriffslisten auf. Dort dürfte man auch Jahre nach der verantwortungslosen Veröffentlichung der Islamkarikaturen immer noch ein Auge auf das Thema haben. Mir würde es helfen, wenn sich die Leserschaften hier auch in Kommentaren zu Wort melden.

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Abhängig sein

Der Schritt war notwendig – aber ich hätte ihn gerne vermieden. Zum 1.8. laufen meine Übergangsgebührnisse aus und es würde sich unweigerlich HARTZ4 anschließen. Weder der Lebensunterhalt für mich, noch für die die ich versorgen muss (und will) wären gesichert.

Ich ahne in etwa, wie ich wohl in Kürze reagieren werde, wenn die Aufnahme in die Schutzzeit nicht erfolgt. Bisher bleibt diese Reaktion aus – doch es ist wahrscheinlich, dass ich eine Therapie und die notwendige Auszeit hinten an stelle, wenn die Existenzbedrohung spürbarer wird.

Das ich die Therapie brauche weiß ich – das ich vieles ordnen muss, ist mir klar – ob ich überhaupt im Journalismus bleiben sollte muss ich in den nächsten Wochen entscheiden. Die Nähe zu den Dingen, die mich aus der Einsatzzeit belasten ist immens.

“Wenn man keine Ahnung hat …”

Unterschwellig dürften viele, die hier mitlesen das ganze als Masche auslegen – als Erschleichen von Sozial- oder Versorgungsleistungen. Je besser es dem Deutschen geht, desto bereitwilliger beschuldigt er andere des Schmarotzertums. Doch wer diese Abhängigkeit einmal erlebt hat kann sicher nachvollziehen, dass ich auf diesen Schritt gerne verzichtet hätte. Wieder einmal mein Leben in die Hände von gesichtslosen Antragsbearbeitern zu geben, in ein enges Vorschriftenkorsett zu pressen, dass auf Kostenersparnis aus ist … keine Ahnung, wie ich das in den nächsten Wochen aushalten soll.

“Tun sie etwas für sich” – die freundliche Damen vom Sozialdienst hat leicht reden.

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„Hast du dir das genehmigen lassen?“

Ein bisschen musste ich schmunzeln, als mir gestern die Frage zu dem PTBS-Blog gestellt wurde: „Hast du dir das von der Bundeswehr genehmigen lassen?“ Es zeigt mir aber, dass ich noch etwas grundsätzliches zu meinen Blog-Arbeiten der vergangenen drei Jahre sagen muss.

Missverständnis: „Payroll – ja. Abhängig – nein!“

Meine Entscheidung in den Journalismus zu gehen fiel mit dem Karfreitagsgefecht 2010 zusammen. Ich habe es schlichtweg nicht mehr ertrage können, dass die Bevölkerung ein Bild von den Bundeswehreinsätzen präsentiert bekommt, das gravierend von meinem Erleben vor Ort abweicht und – wohlwollend benannt – unvollständig ist.

Seit 2010 festigte sich bei mir immer mehr der Eindruck, dass es nicht nur unvollständig ist, sondern gezielt manipuliert ist. Journalisten tragen zu diesem Bild erheblich bei. Überwiegend ungewollt wirken sie im Sinne der Bundeswehrführung mit, dass ein Bild zustande kommt, dass an der Realität vorbei geht.

Stück für Stück habe ich seit 2010 versucht, meine Linie zu finden und in meinem Blogprojekt „Medienkonsument“ immer wieder Bundeswehrthemen aufgegriffen. Ein gewisses Misstrauen schlug mir immer entgegen.

Schon meine Tätigkeit als Teil der Truppe für Operative Information legte nahe, dass meine Informationen nicht objektiv seien. Diejenigen die die OpInfo – international auch PsyOp genannt – mit düsteren Propaganda-Zeiten verbunden haben waren und sind mir gegenüber kritisch bis misstrauisch. Verständlich. Mittlerweile sage ich, dass meine journalistische Arbeit in den Bundeswehreinsätzen durchaus journalistisch und kritisch war – aber eben nur PR im Sinne der Einsatzführung produzieren durfte.

Dennoch: seit ich Online-Journalismus in Dieburg studiere nehme ich kein Blatt mehr vor den Mund, greife an, grätsche dazwischen und wo immer ich es für notwendig halte verpasse ich dem Ministerium die Tritte, die notwendig sind. Das hat Folgen.

Auswirkungen, wenn man das Holodeck programmieren will

Meine Kritik an den Einsätzen und der medialen Darstellung verhallt leider all zu oft ungehört. Nicht zuletzt, weil es überwiegend schwer verständlich ist, warum ich die Bundeswehr kritisiere – aber mich dennoch für Soldaten einsetze.

Den Soldaten muss ich selten erklären, dass „Arbeitsebene Truppe“ etwas völlig anderes ist, als die Ebene „Verteidigungsministerium“.

Für die Star Trek Fans wird es verständlich, wenn ich den Arbeitsalltag als real – das Ministerium aber als „Holodeck“ bezeichne: einen abgeschlossenen Raum mit konstruierter Realität.

Das Holodeck agiert und lässt sich von außen kaum beeinflussen. Soll sich innerhalb des Holodecks etwas ändern muss aufwändigste Programmierarbeit geleistet werden – Fehlfunktionen sind an der Tagesordnung und es dauert lange, bis etwas anfängt zu funktionieren. Die Programmierarbeit nennt das Holodeck meistens „Bundeswehrreform“ und lässt in vielen Aspekten nur wenig Realität zu.

Spürbar wurde es für mich, als ich im Oktober 2012 anfing, mein Bachelor-Projekt zu planen. Ich orientierte mich dabei an Projekten vergangener Jahrgänge und setzte auf mein noch nicht ausgeschöpftes Budget, das ich für mein Projekt verwenden wollte.

Dabei stieß ich auf Vorschriften, die es unmöglich machten, dieses Projekt zu verwirklichen. Ich bin nicht der erste Soldat, der das feststellt – aber mit meiner Entscheidung, diesen Kampf öffentlich via Facebook zu führen mutet ich dem Holodeck offenbar zu viel zu.

Die Bundeswehr-Werbung, die in Kampagnen, wie „Wir dienen Deutschland“ praktiziert wird verschweigt, das die Berufsförderung an keine festen Grenzen gebunden ist. Auch, wenn in der Vergangenheit maximale Fördersummen kommuniziert wurden: der einzelne Soldat erhält nur so wenig von diesem Geld, wie es die Haushaltslage zulässt.

Als ich diese Aspekte über die provokante Facebook-Seite „Wir dienten Deutschland“ kundtat musste es auf wenig Gegenliebe stoßen. Die Auswirkungen wurden schon bald konkret.

Seit Dezember 2012 plante ich eine Wehrübung bei der Luftlandebrigade in Saarlouis durchzuführen. Seitens der Personalabteilung wurde alles in die Wege geleitet – meine Einberufung für eine 5-tägige Wehrübung war bereits zugestellt. Ziel war, den Dienstposten eines Presseoffiziers kennen zu lernen und regelmäßig den Dienstpostenhinhaber zu vertreten, wenn dieser lehrgangs- oder urlaubsbedingt abwesend ist.

Auf Anordnung, die offenbar aus Kreisen des Ministeriums kam musste diese Wehrübung nur eine Woche vor Beginn wieder aufgehoben werden. Die Personalabteilung entschuldigte sich – konnte auch die Beweggründe nicht nachvollziehen. Fakt: das Holodeck traut mir nicht mehr über den Weg.

Staatsfeind?

Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich mich in Richtung „Links“ orientiere und das ich bundeswehrkritisch bin. Nicht nur, wenn es um die Darstellung der Auslandseinsätze in den Medien geht.

Ich kritisiere offen, wenn des Bundesministerium nach eigenen Auswahlkriterien agiert und Journalisten willkürlich von einer Berichterstattung über die Auslandseinsätze fernhält. Viele Journalisten-Kollegen wissen: das Ministerium informiert nur diejenigen, die sich durch eine wenig kritische bis bundeswehrfreundliche Berichterstattung auszeichnen.

Das Vorgehen mag ich für zivile Unternehmen noch hinnehmen. Ich denke mir für gewöhnlich „Arschloch“, gehe darüber hinweg und berichte nicht weiter über solche Unternehmen.

Gleiches gilt für Ministerien, wie das Aigner-Verbraucherministerium, dass sich mit der Öffentlichkeitsarbeit der Gallionsfigur nur all zu gerne in der Lächerlichkeit von 10-Punkte-Plänen präsentiert.

Spätestens aber beim Verteidigungsministerium hört der Spaß auf.

History Repeating

Zu Zeiten des dritten Reiches wurde die Presse aktiv manipuliert und durch das Propaganda-Ministerium zensiert. Ich erkenne immer weniger Unterschiede zum heutigen Verteidigungsministerium, das nach eigenem Belieben Journalisten unterstützt oder aussperrt.

Journalistenkollegen berichten von einer “No-Flight-List”. Wer auf dieser „Liste“ steht wird von der Bundeswehr nicht mit in Einsatzländer genommen. Ohne ein etabliertes Medium im Rücken verwehrt die Bundeswehr Journalisten Mitflüge und den Zugang ins Lager. Wer als freier Journalist unabhängig über das Ministerium berichten will, dass mit Waffengewalt in Einsatzländern agiert muss also viel Geld mitbringen und riskiert immer wieder mangelnde Objektivität vorgeworfen zu bekommen, wenn das Ministerium nicht gehört wird.

Bedrückend ist, dass ich viele junge Journalisten-Kollegen erlebe, die sagen: „Naja, ist doch klar. Das Ministerium will keine schlechte Presse.“ und damit das Thema abhaken. Auch hier wird deutlich, dass nur finanzielle Unabhängigkeit gewährleistet, kritischen Journalismus zu betreiben.

Meine Linie

Ich werde damit leben müssen, dass ich in meinen Artikeln angreifbar bleibe. Informationen, die mir zunächst fehlen können nach der Veröffentlichung gezielt durch die Bundeswehr gestreut werden und lassen mich in meiner Arbeit dann „inkompetent“ wirken.

Andere Journalisten dürfen mit der Bundeswehr reisen – als freier Journalist ist das für mich nicht möglich und ich bin auf Sekundärquellen angewiesen. Gleichzeitig kann es sich kaum eine Redaktion leisten, das Bundeswehrthema kritisch zu begleiten und dem Ministerium die Stirn zu bieten.

Das erlebt gerade die WAZ-Gruppe. Das Verteidigungsministerium klagt wegen einer angeblichen Urheberrechtsverletzung – hält sich aber gleichzeitig nicht immer Auskunftspflichten nach dem Informationsfreiheitsgesetz oder nach den Pressegesetzen.

Mit meiner Entscheidung, dieses Ministerium anzugehen schade ich mir vermutlich selbst. Meinen Therapieplatz für die PTBS-Behandlung und die Aufnahme in die Schutzfrist sehe ich gefährdet. Die Schutzfrist ist die Weiterbeschäftigung durch die Bundeswehr solange die Therapie einer einsatzbedingten Erkrankung dauert. So sehr ich es hasse – ich brauche die Fachkompetenz des Bundeswehr und die Zeit, die Einsatz- und Kriegserlebnisse aufzuarbeiten.

Zwei Herzen schlagen in meiner Brust: das, des Soldaten und das des Journalisten.

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Platt.

Das Til Schweiger Thema hat mich heute wieder auf der Ebene erreicht, die ich eigentlich nicht will. Ich brauche da eine Firewall mit ordentlicher Konfiguration. Momentan sind zu viele Ports dicht – aber die Backdoor ist wide open und lässt die fiesen Trojaner rein.

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3 Tage re:publica – eine Auseinandersetzung mit den eigenen Themen

In den letzten drei Tagen habe ich versucht, mich mit einem anderen Thema als der PTBS und der bevorstehenden Behandlung zu befassen. Wie wenig mir das gelungen ist, ist in den Postings der letzten Tage erkennbar.

Doch die Teilnahme an der re:publica 2013 geriet mehr zu einer persönlichen Auseinandersetzung mit der Art und Weise, wie ich mit den Themen afghanische Redakteure, militärisches Whistleblowing und meiner PTBS-Erkrankung umgehe.

Am Rande dieser Auseinandersetzung steht weiterhin auch die Frage, ob ich mir mit dem Journalistenberuf gesundheitlich nicht mehr schade, als nütze.

Free Bradley Manning

Nach mehreren Kontakten seit November 2012 habe ich mich nun dem Free Bradley Manning Netzwerk angeschlossen. Manning lieferte der Wikileaks-Platform unter anderem das Video Collateral Murder zu. Das Video ist nichts für schwache Nerven und zeigt, wie die amerikanische Piloten eines Kampfhubschraubers.

Die angeblich so sichere Beobachtungs- und Überwachungstechnik, die im Kampfhubschrauber zum Einsatz kommt eignet sich offenbar nicht, eindeutig zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Journalisten mit Kameras werden als Träger von Sturmgewehren AK 47 identifiziert und ausgeschaltet.

Während sich für die Crew des Hubschraubers, die diesen Angriff vornimmt keine Folgen ergeben beginnt in Kürze für Bradley Manning nach bisher über 1.000 Tagen in Haft ein Prozess, der ihm mehrere Jahrzehnte Gefängnis einbringen dürfte.

Schockiert über die Brutalität, aber auch über das falsche Bild von den amerikanischen Kriegen, das in der Öffentlichkeit erzeugt wird stellte er der Plattform WIKILEAKS in großem Umfang Dokumente zur Verfügung.

Daten, über die eine demokratisch gewählte Regierung das Volk lieber im Dunkeln lassen würde.

Da sich auch bei mir dieser Eindruck über eine weitreichende Vertuschung – auch der deutschen Regierung – durch meine Einsätze, gebildet hat, engagiere ich mich für da Thema militärisches Whisleblowing. Das Bild in den Medien und die auch aus Bundestags-Kreisen beklagte mangelhafte Informationspolitk der Bundesregierung halte ich mittlerweile für menschenrechts- und grundgesetzwidrig.

Gefährdung

All zu oft werden Verschwiegenheitspflichten nach der Dienstzeit dazu missbraucht, militärischen Whistleblower bundeswehrintern zu Diskreditieren. Es gilt als „unsoldatisch“ Missstände zu benennen. Eine Binsenweisheit unter Soldaten ist:

„Sagste nix, sagste auch nix verkehrtes!“

Kritik wird als Untreue ausgelegt – Karrieren dauern länger, wenn Soldaten intern Kritik äußern. Doch der Treueschwur – den ich sowohl geschworen, als auch als Rekrut gelobt habe – sieht einen anderen Kern vor:

„… das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen … “

Im Rahmen der Aufarbeitung der Ereignisse des 27.09.2008 versuche ich einen Weg aufzuzeigen, mit dem Soldaten die Verschwiegenheit aufbrechen können, damit Bundestagsabgeordnete von der Bundeswehrführung besser, umfassender – aber vor allem realitätsnäher informiert werden, als das bisher der Fall ist.

Mit internen „No-Flight-Listen“ für „unliebsame Journalisten“ hält die Bundeswehr das öffentliche Bild vom Einsatz unter Kontrolle. Nur wer „gemocht wird“ wurde in der Vergangenheit unterstützt. Objektiv gibt es natürlich keine Liste mit dem Namen „No-Flight-Liste“ – es sind einzelne Personen im Verteidigungsministerium, die entscheiden, sich aber offenbar an keiner Stelle rechtfertigen müssen, welche journalistischen Projekte unterstützt werden – und welche nicht. Dies fällt schon bei Buchprojekten auf – ist aber in der Tagesberichterstattung noch gravierender.

Mein Appell – eine Kampfansage

Deutschen Soldaten wird es nicht einfach gemacht mit ihren Berichten in die Öffentlichkeit zu gehen. Auf der Veranstaltung am Sonntag konnte ich für das Free Bradley Manning Netzwerk mit einem Appell in Erscheinung treten.

Dies wird eine Zielrichtung meiner Arbeit werden. Ich bin bereit zu riskieren, dass „aus Gründen“ mein Therapiebeginn zum 04.06.2013 im Bundeswehrkrankenhaus „plötzlich“ nicht mehr möglich ist.

Ich bin bereit zu riskieren, dass die Bundeswehr meinen Antrag auf die Schutzfrist ablehnt. Auch, wenn ich auf die finanzielle Weiterversorgung für die Dauer der Behandlung angewiesen bin und spätestens zum 01.08.2013 krank und ohne Berufsabschluss in ein bisher nicht finanziell gesichertes Zivilleben übergehen muss.

Diese und andere Repressalien befürchte ich derzeit – sie würden mich nicht nur finanziell ruinieren, sondern wohl auch meine Gesundheit schädigen. Aber ein Ministerium, dass in Richtung Politik „Gut-Wetter“ mimt und die Soldaten nach unten hin tritt nehme ich nicht mehr hin.

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Ein Missstand ist ein Missstand und Soldaten, die nicht an der Bekämpfung arbeiten verstoßen gegen ihre Treuepflicht. Komme was wolle – diese momentanen Zustände in der Armee bekämpfe ich – und bin für jede Unterstützung dankbar.

Für das Free Bradley Manning Netzwerk konnte ich am Vorabend der Re:Publica erstmals öffentlich sprechen – die Veranstaltung fand im Rahmen der Transmediale statt und wird bald auch als Video verfügbar. Bilder sind bereits hier zu finden.

Der Appell – Englisch
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re:publica 2013

Nachbericht folgt :) Das wesentliche allerdings schon jetzt im Bild:

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Das Trauma verstanden

Die Auseinandersetzung mit den belastenden Aspekten meiner Dienstzeit hat mich in den letzten Wochen weiter gebracht. Viele meiner Verhaltensweisen verstehe ich nun besser – und genau das war in den letzten Jahren nicht der Fall.
Das hilft mir zumindest in Bezug darauf, mit mir selbst ins Reine zu kommen – doch lässt es mich auch recht hilflos zurück, denn wie es nun weitergehen soll, das weiß ich nicht.

Lebensgefahr

Mir ist mittlerweile bewusst, dass die PTBS im Grunde genommen nichts anderes ist, als eine physische Reaktion auf Lebensgefahr, die zu einem Zeitpunkt einsetzt an dem es eigentlich nicht mehr angemessen ist.

Auch, wenn Lebensgefahr schon im KFOR-Einsatz gegeben war – den Grund für meine Traumatisierung sehe ich mittlerweile im ersten ISAF-Einsatz und in den Islamkarikaturen.

Ich erlebte eine Führung, die spät reagierte.

Ich erlebte ein Bundesregierung die keine Meinung zu dem Thema hatte, als in anderen Ländern der Welt bereits Menschen bei Demonstrationen starben, Botschaften demoliert wurden und Flaggen brannten.

Ich erlebt ein Bundesministerium der Verteidigung, das keine Anleitung gab, keine Haltung zeigte – aber hinterher mit großem Druck einfordert,  mein Handeln zu rechtfertigen.

Selbstsicherheit? Woher denn?

2 Monate notdürftig in Deutschland auf die Führung eines Massenmediums vorbereitet, das mehrere 100.000 Menschen im Norden Afghanistans erreicht. Einzig die dreiwöchige Ausbildung vor Ort qualifiziert mich, mit dieser Krise halbwegs geordnet umzugehen.

Es entlastet mich dabei kaum, dass General K. mit dem Wort „persönlich“ versucht, wenigstens den Teil der Verantwortung auf sich zu nehmen, als ich ihm das Statement vorlege, das wenig später verhindern soll, dass wütenden Menschen vor den Lagertoren im Norden Afghanistans und auch in Kabul demonstrieren.

Es entlastet mich nicht, dass das Statement zuvor gemeinsam mit den afghanischen Redakteuren und gemeinsam mit der Zielgruppenanalyse im Brainstorming erarbeitet wurde.

Es sind meine Worte, die nun die Soldaten schützen sollen.

Versagt?

Nur wenige Tage später wird das Statement durch die Führung hinterfragt. Der übliche militärisch drohende Ton: „Wir brauchen das sofort! ASAP! Dieses Statement – das Verteidigungsministerium hat angefragt!“ Die Rückmeldung, die erfolgt reicht nicht aus, den Rücken zu stärken:
„Das Statement wurde im Verteidigungsausschuss geprüft und für in Ordnung befunden.“

Ich weis bis heute nicht, ob ich in dieser Situation richtig gehandelt habe. Eine Aufarbeitung erfolgt nicht – keine 12 Stunden nach Rückkehr aus dem Einsatz muss ich mich mit den Gedanken an die NRF 7 befassen und verlege wenige Wochen später auf Übungen nach Straßburg  und auf die Kapverdischen Inseln.

Meine Gedanken sind in den wenigen Tagen zu Haus nur halbwegs bei der Familie – mehr aber bei NRF. Beim Einsatznachbereitungsseminar bin ich vielleicht körperlich anwesend – aber abschließen mit dem Einsatz?

Die Ereignisse von damals holen mich ein – verknüpfen sich

Ich habe nie verstanden, warum ich auf gefallene Kameraden im Einsatz so heftig und mit teilweise lähmenden Depressionen reagiere. Es ist irrational – aber für mich sterben sie nicht bei Anschlägen – für mich sterben sie offenbar alle an dem Tag, an dem der verantwortungslose und verbrecherische Einsatz der Karikaturen in der dänischen Zeitung  Jyllands-Posten Kunduz erreicht.

Mein Wertesystem wird erschüttert, als die Pressefreiheit heran zititert und diskutiert wird, während Menschen weltweit sterben. Pressefreiheit soll Hetze legitimieren, damit Krieg stattfinden kann. Heute sind es die angeblich so „rechtmäßigen Verfahren“, mit denen die Platzvergabe an die Presse im NSU-Prozess gerechtfertigt wird, die ich nicht hinnehmen kann.

Es ist das Schweigen von Beate Zschäpe, dass die wahren Täter schützt – so, wie es 2006 das überwiegende Schweigen der Bundesregierung ist, die den Missbrauch der Pressefreiheit weitgehend hinnimmt und – damals, wie heute – die Soldaten in den Einsatzländern sich selbst überlässt. „Es ist ihr Job. Sie wussten, was auf sie zukommt.“

Und noch mehr steckt in diesem NSU-Prozess, den ich so intensiv verfolge, unnachgiebig kommentiere, wenn wieder einmal jemand gegen das berechtigte Anliegen argumentiert türkische Medien zuzulassen und ein überfordertes und offenkundig unwillliges Gericht anzuprangern.

Ich stelle mich vor die Pressevertreter, die das Recht auf kompetente und umfassende Berichterstattung einfordern. Ich zerreiße die Kommentare von Kommilitonen und Frauenrechtlerinnen in der Luft, wenn Sie BIGITTE  als geeignetes Medium ansehen, eine Öffentlichkeit herzustellen.

Und allem voran: die Familien der Opfer der NSU-Mordserie haben für mich das unumstößliche Recht auf unabhängige und vollständige Ermittlungen und Aufarbeitung, wie 2006 jeder gläubige Muslim zu Recht enttäuscht, gekränkt und wütend war, als Länder, die Religionsfreiheit heucheln nicht einschritten und den Missbrauch der Pressefreiheit zu ließen.

Hilflos

Wie ich in der täglichen Pressearbeit mit dieser Prägung bestehen kann – ob ich es überhaupt sollte oder ob ich es überhaupt noch will -  all das muss ich klären.
Für mich ist das erste Mal seit Jahren, dass Tränen fließen können. Endlich.

 

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