Wehrdienstbeschädigung: der Weg eines Antrags

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Anfang April 2013 erhielt ich vom Bundeswehrkrankenhaus die Diagnose einer einsatzbedingten Erkrankung. Mit Hilfe des Sozialdienstes des Bundeswehrkrankenhauses stellte ich die empfohlenen Anträge auf Einstellung in die Schutzzeit, um eine Therapie bzw.Reha-Maßnahme machen zu können. Dazu zählte der Antrag auf Einstellung in die Schutzzeit sowie der Antrag auf Anerkennung einer Wehrdienstbeschädigung.


“Gedächtnisprotokoll”

Auf Anraten des Sozialdienstes stellte ich den Antrag beim Versorgungsamt in Berlin. Dieses meldete sich dann irgendwann zurück und meinte, es habe die Unterlagen zuständigkeitshalber an die Wehrbereichsverwaltung Süd weitergeleitet.

Im Juni 2013 meldete sich dann die Wehrbereichsverwaltung West. Dort habe man von der Wehrbereichsverwaltung Süd übernommen. Leider müsse ich die Unterlagen erneut ausfüllen – die wären von der WBV Süd nicht übermittelt worden. Bis ich diesen Antrag ausfüllen konnte dauerte es nocheinmal rund vier Wochen, denn es kostete schlichtweg Überwindung. Das Telefongepsräch mit der WBV West habe ich damals in diesem Beitrag festgehalten.

Hilfe suchend

Ich habe diese Woche in mehreren Gesprächen mit dem / der Fallmanager/in versucht, Klarheit in die Angelegenheit zu bekommen. Auch auf anderem Wege suche ich nach Lösungen, die nicht dazu führen, dass sich Depressionen und PTBS-Symptomatiken wieder verschlimmmern. Der Wehrbeauftragte ist ebenfalls dabei nachzuhaken, was gerade überhaupt der Verfahrensstand ist.

In den nächsten Tagen muss ich Rechnungen begleichen. Aufgrund des Eigenanteils der privaten Krankenversicherung ist die 1000 Euro Rechnung der Gesprächstherapie mit 30 % von mir selbst zu tragen. Die Rechnung der Therapeutin ist da – bisher habe ich aber keinen Arztbericht erhalten. Vermutlich werde ich also erst einmal eine Teilzahlung leisten und die Erstellung des Abschlussberichts abwarten.

HARTZ4 oder Unterstützung beim Amt zu beantragen ist für mich derzeit nicht drin. Dabei steht im Vordergrund zu vermeiden, dass die Wilkür von Behörden, Ämtern und Sachbearbeitern für mehr Druck und Verschlimmerung der Krankheitssymptome sorgen.

Reserven? Woher?

Das rumrühren in all diesen Angelegenheit kostet enorm viel Kraft. Die Verwaltungshydra, der in diesem Fall eher Formulare und Ansprechpartner wachsen, als Köpfe, ist schlichtweg unzumutbar. All diese Stellen zuverlässig bedienen zu wollen würde erfordern, dass sie immerhin wenigstens

1. ihre Positon im System kennen würden.
2. mehr als “Weiterleitungen” produzieren
3. überhaupt mal einen Weg aufzeigen könnten, wie es zu laufen hat.

Frau von der Leyen, Herr Königshaus: zeigen Sie mir doch mal Broschüren, auf denen Sie einsatzgeschädigten Soldaten erklären, wie der Versorgungsweg aussieht. So mit Weg, Ansprechpartner, Zeitdauer usw.

Mit mir sind Sie leider an denjenigen geraten, der das fruchtlose Behördenping-Pong nicht mehr mitspielen kann. Bei der Bundeswehrreform und dem Verwaltungsumbau überfroderten Sie die beteiligten Beamten so sehr, dass nun Menschen, wie ich, für die das System ja geschaffen wurde und für die es arbeiten soll schlichtweg nicht funktioniert.

Wie wäre es mal mit folgender Festlegung im Rahmen der Einsatz-Beschädigten-Versorgung:

“Wenn die Bundeswehr- und zivilen Verwaltungsstrukturen es nicht in einem angemessenen Zeitraum von 12 Monaten schaffen, einen Antrag zu bearbeiten, gilt “in dubio pro Antragsteller”.

Ihre Systeme funktionieren nicht und zerstören die Menschen, denen Sie helfen sollen: die Betroffenen.

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Akte aufgetaucht ?!?

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Nach Rücksprache, Prüfung und Suche durch den/die Fallmanager/in vom Bund Deutscher Veteranen befindet sich meine Akte offenbar gerade zur Begutachtung im Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg. Ein offiziell bestätiges “Vorhandensein” durch eine der bearbeitenden Stellen sei angeblich unterwegs zu mir. Das wäre nach über einem Jahr überhaupt das erste offizielle Anzeichen dafür, dass an dem Fall gearbeitet wird.

Derzeit muss ich vielen, die sich Sorgen machen erklären, warum Hartz4 / Arbeitslosmeldung nicht in Frage kommt. Das ich in Kauf nehme, aus dem Sozial- und Krankenversicherungssystem zu fallen ist für viele nicht nachvollziehbar.

Wie zersetzend aber die letzten Jahre waren – Ablehnungen, Rückschläge, Falschinformation – und wie sehr die Folgen dieser Verwaltungsarbeit mich belastet haben, kann ich kaum erklären. Das ich jetzt nicht mehr kann und diese Systeme nicht mehr auf mich wirken lassen will, damit sich Krankheitsaspekte nicht wieder verschlimmern, lässt sich mit den Werten und Normen innerhalb des Systems nicht vereinbaren.

Überlastung während der Dienstzeit durch und mit Auslandseinsätzen, Blockade der zivilberuflichen Ausbildung durch Vorschriften des Berufsförderungsdienstes sowie weitere Schädigung durch Falschberatungen im Zeitraum der Behandlung haben Spuren hinterlassen.

Derzeit beschränke ich mich auf das, was ich kann: schreiben. Der Druck ist immens. Eine begleitende, notwendige Therapie ist wegen der auslaufenden Krankenversicherung nicht möglich.

Kein Trost: so dürfte es vielen gehen

Für aktive Soldaten stellt eine einsatzbedingte Erkrankung mittlerweile kein Problem mehr da. Soldaten, bei denen während der Dienstzeit eine Erkrankung zu Tage tritt dürfen nicht entlassen werden. Werden sie dennoch krank entlassen, kommen sie in den Bereich eines Versorgungskrankengeldes.

All das steht ehemaligen Soldaten, wie mir nicht zu. Selbst mit der Diagnose einer “einsatzbedingten” Erkrankung soll das Sozialsystem greifen. Doch das fordert allerhand anderes, sobald man in diese Spirale gerät – hauptsächlich, dass die Inanspruchnahme von Sozialleistungen möglichst bald wieder endet.

Unterhaltsverpflichtung und Pflicht zur Jobsuche versus Genesung und Einarbeitung – die Idiotie dieser systemischen Fehlkonstruktion ist seit Jahren nicht aufgelöst. Das “System” lässt keine Gelegenheit aus, Pflichten aufzuerlegen. Kommt es selbst aber seinen Pflichten nicht nach, heißt es: “Das müssen sie uns überhaupt erst einmal nachweisen.” Jahrelange Rechtstreits – weder Kraft, noch Geld lassen das zu.

Systematische Erziehung zum Staatsfeind? Langsam kommt dieser Eindruck wirklich auf.

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Back off!

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Telefonieren, wie im Auslandseinsatz – ihr seid so plump in euren Maßnahmen. #Stichworte #Leitungstrennung

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Rekorde! Rekorde!

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Seit einigen Tagen purzeln die Rekorde, was Besucherzahlen angeht. Wer da so intensiv liest – und vor allem zu welchem Zweck – kann ich nur mutmaßen.

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Derzeit warte ich darauf, dass ich nach über einem Jahr mal überhaupt ein Sachstandsupdate bekomme, was das Verfahren rund um die Wehrdienstbeschädigung angeht.

Null Kommunikation, Null Zwischenbescheide. Rückfragen seitens des Anwalts laufen ins Leere. Um Klarheit und Lösungswege bemüht sich nun ein/e sachkundige/r Fallmanager/in vom Bund Deutscher Veteranen.

Ruhe für eine begleitende Therapie habe ich derzeit nicht. Die bald auslaufende Krankenversicherung und die Einnahmesituation, die keine Versicherung in der Sozialversicherung zulässt sorgen für Druck.

“Geh doch aufs Amt und beantrage HARTZ4″

Nach den Vorkommnissen und dem Druck, den eine Falschberatung im Mai 2013 erzeugte macht es mir unmöglich überhaupt irgendeinen Amtsweg zu gehen. Nicht aus Bequemlichkeit, nicht aus Arroganz oder Unfähigkeit, sondern schlicht deshalb, weil ich eine Einflussnahme durch Ämter, die sich negativ auf meine Gesundheit auswirkt vermeiden muss.

Als Resultat der damaligen Fehlberatung war ich im Juni / Juli 2013 unter einem dermaßen zersetzenden Druck, dass ich zwei Therapietermine im Bundeswehrkrankenhaus ablehnte und nicht antrat, weil ich ohne Handlungsoptionen in Bezug auf meinen Lebensunterhalt gewesen wäre.
Bei beiden Versuchen, die Therapie anzutreten wurde mir damals suggerriert, es handele sich um eine Vollstationäre Behandlung, ohne Möglichkeit, das Krankenhaus zwischenzeitlich verlassen zu können.

Mich nun erneut der Gefahr von Fehlberatungen auszusetzen und damit das Maß an Handlungsfähigkeit zu zerstören, dass ich in den letzten Monaten mühsam wiedererlangt habe werde ich nicht zulassen.

Darin steckt keine Verbohrtheit, kein Undank: ihr habt mich schlichtweg zu oft mit euren Verwaltungstricks verarscht, liebe “Instanzen”, als das ich irgendjemandem trauen könnte, bevor positive Ergebnisse vorhanden sind.

Positiv wäre:

1. Krankenversicherung
2. Begeleittherapie
3. Möglichkeit eines geordneten Abschlusses des Studiums
4. Absicherung der Einarbeitungsphase in meinen Beruf

Nötig wäre:

Aufhebung der Einstufung der Antwort auf die kleine Anfrage zum 27.09.2008 sowie eine Stellungnahme warum die offenkundige Falschinformation der Parlamentarier auch unter Frau von der Leyen nicht untersucht und aufgearbeitet wird.

Die offenen Fragen werde ich ab dem 1.8. in einer Artikelserie stellen – kam einiges Zusammen in den letztem Monaten.

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Wasserstandsmeldung: Wenn Staatsdienst krank macht

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Zum 1.8. erfolgt die letzte Zahlung seitens der Bundeswehr. Die 1242 Euro (vor der Scheidung 1342 Euro) und ein 450 Euro Job ermöglichten mir zumindest, die 562 Euro Unterhalt zu zahlen. Ab September fällt das nun weg. Derzeit sieht es danach aus, dass ich einer Tätigkeit, bei der ich Meinungsumfragen per Telefon mache und dem 450 Euro-Job regelmäßiges Einkommen generieren kann. Doch das reicht weder für Unterhalt, noch in vollem Umfang für für meinen Lebensunterhalt. Verlässlich ist das jedoch nicht. Problematisch: diese Lösung beinhaltet keine Krankenversicherung.

“Dann geh doch zum Amt! Keiner muss hungern!”

Ämter sind das, was derzeit aufgrund der Erkrankung nicht geht. Nicht aus irgendeinem Stolz. Nicht aus Scham oder weil ich mir “zu fein” wäre, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Autoritäten, die Druck auf mich ausüben ertrage ich nicht. Das ich damit nicht klar komme ist ein Ergebnis der Erkrankung.

“Da musst du durch – das haben alle irgendwann mal.”

Ach,echt? Dein ganzer Körper unter Anspannung, alle Instinkte auf Flucht, leben wie gelähmt, die normalen Grunbedürfnisse, wie Schlaf und Essen nahezu ausgeblendet, Konzentrationsfähigkeit bei Null. Vermeidungshaltung.

Das und vieles mehr. Es fühlt sich beschissen an, aber es ist so. Aus eigener Kraft komme ich da derzeit nicht raus.

Kraft und Hoffnung

Kraft und Antrieb kam in den letzten vier Wochen aus den Themen, die ich behandele und aus einer aussichtsreichen Bewerbung, die Hoffnung gab. Die Entscheidung gegen mich konnte mich weder überraschen, noch auf der persönlichen Ebene treffen. In Teilaspekten bin ich sogar froh, das es dieser Job nicht geworden ist – die Angriffe auf die bekannte Erkrankung wären massiv geworden.

Aber die Situation jetzt zerstört gleichermaßen. Trotz ausreichend hohem Einkommen wird der Zugang zur Krankenversicherung nicht gewährt. Einen Arbeitgeber suchen, der Beiträge in die Sozialversicherung zahlt hieße erneut, mich einem Stress auszusetzen der mich körperlich und seelisch fertig macht.

Also lieber ohne Krankenversicherung.

Ich kann nicht erwarten, dass irgendjemand versteht, was die gefühlte Lebensgefahr mit mir anrichtet. Ich kann nicht erwarten, dass Menschen das nachvollziehen, was ich an negativen Erfarhungen mit “Autorität” gemacht habe und den gleichen Schluss ziehen wie ich: “Autorität” um jeden Preis meiden.

Was kann ich tun?

Derzeit meide ich die notwendigen Schritte, die mit Ämtern zu tun haben. Egal ob Steuererklärung, dringend notwendig werdende Anmeldung der freiberuflichen Tätigkeit oder die erneute Auseinandersetzung mit den Stellen, die sich um den laufenden Antrag auf Anerkennung der Wehrdienstbeschädigung kümmern.

Warum sollte ich auch? Schon bei der Wehrdienstbeschädigung und der Bearbeitung wird die Willkür deutlich. Vom laufenden Verfahren habe ich seit über einem Jahr NICHTS gehört. So viel NICHTS, dass ich bereits NULL Hoffnung da rein setze. Woher soll ich Kraft und Energie nhemen, überhaupt nach dem Verbleib der Aktte zu forschen, wenn ein beauftragter Anwalt scheitert.

“Derzeit ist die Akte wohl irgendwo auf dem Postweg zwischen medizinischem Dienst und der zuständigen Stelle beim Bundesamt für Personalmanagement.”

Darüber das sie beim medizinischen Dienst war, informierte mich keine Stelle. Eine Befragung fand nicht statt, RÜckfragen gab es auch nicht. Erneut sind es Autoritäten, die über den Verlauf bestimmen, mich weder beteiligen, noch irgendwie unterstützen. Ich kann mir nicht einmal sicher sein, das irgendwann irgendeine Reaktion kommt. Funktstille seit über einem Jahr.

In der jetzigen Situation auf Sachbearbeiter in Ämtern und Jobcenter zu treffen halte ich für wenig gesundheitsförderlich – wie sollten Sie überhaupt meine Situation und das Problem “Kriegserfahrung” nachvollziehen? Sie sind ja im Stress, ihre Fallzahlen erfüllen zu müssen.

Fallmanager vom BDV

Dem Bund Deutscher Veteranen stehe ich weiterhin kritisch gegenüber. Doch derzeit sind einzig dort Menschen damit befasst, sich mit dem Verwaltungssystem auseinander zu setzen. Doch ich will eigentlich mit dem Verein nichts zu tun haben, denn es schadet meiner Reputation als Journalist. Werben für mehr Ansehen von Soldaten, ein zweiter Vorsitzender, der sich im TV FÜR Drohnen ausspricht – Userkommentare auf Facebook – ach, lassen wir das.

Das zuständige Ministerium ist weiterhin untätig. Frau von der Leyen zeichnet lieber medienwirksam amerikanische Soldaten mit dem “Commanders Coin” in Afghanistan aus – zivil ausgedrückt: “Ein Kind kriegt seinen Lolly und den Kopf getätschelt, weil es besonder tolle Sachen gemacht hat.” Ex-Soldaten die Stück für Stück aus dem Sozialsystem kippen? Menschen, die durch ihre Tätigkeit für den Staat moralisch verletzte wurden? Das ist bitte nur dann ein Thema, wenn es ein tolles Familienbild gibt, was in Boulevardblättern präsentiert werden kann.

Für die, die nicht in den Medien stehen ändert all das nichts. Ich hoffe, meine Fallmanagerin kann heute in Erfahrung bringen, wo meine Akte überhaupt ist.


Spiel auf Zeit

Ja, in Kürze haben Sie es überstanden. Ich bin dem Stress einer freiberuflichen journalistischen Tätigkeit nicht gewachsen. Schreiben können ist nur ein Teil – die Artikel platzieren, verteidigen bzw. vermitteln ist die andere. Ob ich überhaupt Chancen habe ist nach den Drohungen des “Bundesbediensteten mit Truppenausweis” auch fraglich. Dieser Mensch wusste, welche Knöpfe er drücken musste, um maximal möglichen Schaden anzurichten.

Die Kosten für die Ausübung meines Berufes (Internetzugang, Mobilität) kann ich ab 1.9. nicht mehr tragen. Irgendwann wird die Rückzahlung meines KfW-Studienkredites anstehen, was für mich mit dem Zeitpukt einer notwendig werdenden Privatinsolvenz zusammen fällt.

Antworten zum Thema 27.09.2008 bleiben weiterhin aus – Fragen darf ich nur noch an Sozialämter stellen, die absehbare Antworten geben.

140728_Wehrbeauftragter

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Facebook abschalten – es macht mich krank

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Als Onlinejournalist war ich lange Zeit der Auffassung, ich müsste auf Facebook präsent und vernetzt sein. Wo sonst sollte ich Leser erreichen, wenn es keine Unterstützung, Ermutigung, ja nicht einmal Duldung meiner Artikel in meiner damaligen Redaktion gab.

Nachdem ich dort zunächst ein Themenverbot zu Bundeswehr und Afghanistanthemen erhielt (ohne überhaupt an diesen Themen eigenständig gearbeitet zu haben) und eine Recherche ohne nachvollziehbare Gründe abgewiesen wurde, endete das Arbeitsverhältnis ohne Angabe von Gründen Ende Februar 2014.

Facebook – du machst mich krank

Derzeit belasten mich nicht nur die sicherlich gut gemeinten Chats einiger weniger Freunde, ob ich Job(s) gefunden hätte, die mehr als 800 Euro monatlich bringen und eine Krankenversicherung ermöglichen. So nett ihr es meint: ein bis zwei Chats dieser Art und ich bin nahezu nicht mehr arbeitfähig an diesem Tag. Ängste werden aktiviert. Blockaden entstehen. Schreiben ist unter diese Umständen unmöglich.

Belastend ist auch die Kriegsberichterstattung. Egal ob Irsael, Gaza oder Ukraine: ich sehe Menschen, die mit ihren Profilen bereitwillig auf die Propagandamaschine beider Seiten anspringen. Angebliche Friedensdemonstranten drehen die Themen in die unendliche Wirrheit und in ein nicht aufzulösendes Geflecht aus Theorien, Gegentheorien, Gezänk, Gekeif – was auch immer.

Weitaus ekliger: die Bundeswehr-Werbung. Die Social-Media-Offensive meines Ex-Arbeitgebers kotzt mich an. Da werden Bands gekauft bis instrumentalisiert. Liebe Fanta 4, liebe Jungs von Fettes Brot: haltet euch von dem Militärscheiß weg. Die Bundeswehr zerstört Menschen. Menschen, wie mich. Wirksam. Nachhaltig. Und wenn es nicht aktiv ist, dann durch die Mitglieder, die – als Maßnahme des Eigenschutzes – natürlich die negativen Aspekte ihres Berufes kollektiv ignorieren, ausblenden müssen und damit dann die Menschen mit echten Problemen gänzlich isolieren.

Statt die Gesundheitsversorgung zu gewährleisten drängt das Ministerium durch schlichtes unterlassen an wirksamen Handelns die hilfesuchenden Ex-Soldaten in einen Verein, in dem sie neben einer Unterstützung beim gesellschaftlichen, finanziellen Abstieg noch einen letzten Rest an Gemeinschaftsgefühl erleben dürfen. Einzige Bedingung: sie müssen bereit sein Soldaten und ihren Beruf weiterhin zu glorifizieren.

Isolation

Mit der Abschaltung meines Facebook-Accounts isoliere ich mich von vielen, mit denen ich gerne diskutiert, gerne an Themen gearbeitet habe. Das tut mir Leid, tut weh und erklärt, warum dieser Schritt so lange gedauert hat.

Die angedrohte Kaderakte, die mir in ihren Dimensionen von einem “Bundesbediensteten mit Truppenausweis und angeblich guten Kontakten in alle möglichen Berliner Kreise” angekündigt wurde dürfte sich massiv gefüllt haben in den letzten Monaten.

Allein die Vorstellung, dass so etwas in Deutschland ohne Folgen möglich ist zeigt, wie es um dieses Land steht. Es sind Dienste, wie auch die machtgeilen Individuen, die sich dort oder in deren Umfeld tummeln.

Wer erzählt, was sie tun und antun, wird derzeit als Spinner abgetan – sich darauf einzulassen ängstigt die Masse der Menschen so sehr, dass der Reflex ist: “Bloß nicht wahrnehmen – der Überbringer der Nachricht ist krank! Aber doch nicht ich!” Liebe Menschen: es findet statt. Und so Leid es mir tut: ihr wisst es und ihr seid bereits krank vor Angst und gelähmt.

Zum 1.9 schalte ich mein Facebook-Profil komplett ab. Das Zweitprofil für redaktionelle Arbeit muss wohl leider bestehen bleiben. Wenn ich es in Zukunft vermeiden kann, dann werde ich mich diesem Manipulationswerkzeug entziehen.

Die Vorteile der “Gemeinschaft” treten in den Hintergrund, wenn wir nicht mehr echten Menschen begegnen sondern nur noch manipulierten Interessen und Meinungslieferanten.

Die Vorteile der “Gemeinschaft”, die den fehlenden Zugang z.B. zu einer Nachrichtenagentur ersetzt sind ob dem Bedürfnis nach Manipulation auch zu vernachlässigen.

Die Vorteile der “Gemeinschaft” sind dahin, wenn einzelne gezielt attackiert werden, damit sie ihre Sicht der Welt nicht mehr verbreiten. Es gilt die Staatsräson. Nichts anderes.

Ablauf:

Zunächst schalte ich Kommentare und die Option Nachrichten zu senden ab. Dieses Posting verbleibt auf den Seiten on Top. Möglichkeiten der Kontaktaufnahme gibt es massig. Wer sie nutzen will ist herzlich eingeladen.

In einem weiteren Schritt fliegt die Share-Option aus meinen Blogs. Twitter wird bleiben. Fraglich, wie lange es dauert, bis auch dieses soziale Netzwerk zerstört wird. Facebook ist es bereits.

Da ich die Inhalte nicht gelöscht bekomme – Facebooks Datengier lässt das nicht zu – werde ich jegliche Benachrichtigung aus dem Netzwerk in den Spamfilter umleiten.

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Abschließen können – unterwartete Hilfe

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Seit Jahren belastete mich, dass Teile des Krieges in Afghanistan verschwiegen werden. Unsere Parlamentarier werden belogen – zivile Opfer werden nicht gemeldet. Das ganze hat offenbar System.

All das verhindert, dass Politik und Gesellschaft entschieden fordern diese Kriege zu stoppen. Wir kennen die Opferzahlen des 11. September – aber wie viele Menschen starben seither in Afghanistan, dem Irak, in Pakistan und an all den anderen Schauplätzen des außer Kontrolle geratenen Anti-Terror-Kriegs der USA?

Nun wurde die Redaktion von Monitor aufmerksam und setzte sich mit einer Kampfoperation auseinander, die ansonsten z.B. auch Johannes Clair im Buch “Vier Tage im November” beschreibt. Ich habe diesen Gefechtsfeldroman bis dato nicht gelesen, derzeit sogar verliehen, da ich Johannes’ Argumentationslinie nicht teile und die Schlüsse, die er aus seinem Einsatz zieht “noch” für kurzsichtig halte. Zuletzt sprach er sich in der ARD am 30.06.2014 für die Beschaffung von “Kampfdrohnen” aus.

Mein Fall ist dem Bund Deutscher Veteranen bekannt – wirkliche Unterstützung habe ich jedoch nicht erhalten. Lag es daran, dass ich mit der Partei “Die Linke” kooperiert habe, die gegen den Einsatz in Afghanistan ist? Lag es daran, dass ich auf den unrechtmäßigen Umgang mit Angreifern und die Falschinformation an das Parlament kritisiert habe?

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Monitor-Beitrag ausreicht, eine Diskussion über die irreführende, beschwichtigende und unvollständige Informationspolitik in Gang zu setzen. Soldaten, die wir entsenden und zu deren Taten die Bundeswehrführung nicht steht oder die Bundesregierung offenbar nicht stehen will machen uns schuldig.

Übernahme Tagesschau.de Artikel:

Operation “Halmazag” in Afghanistan Verschweigt Bundeswehr zivile Opfer?

Stand: 10.07.2014 06:04 Uhr

Die Operation “Halmazag” (“Blitz”) gilt als erste militärische Offensiv-Operation der Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie war zugleich die größten Militäroffensive der Bundeswehr in Afghanistan. Bei dem viertägigen Gefecht im Herbst 2010 wurden auch Artillerie, Kampfflugzeuge, Schützenpanzer und Kampfhubschrauber eingesetzt. Über zivile Opfer habe man keine Erkenntnisse, beteuerte die Bundeswehr stets. Nach Informationen des ARD-Magazins Monitor kamen jedoch bis zu 27 Zivilisten ums Leben.

Das Magazin stützt sich bei seinen Recherchen auf die Angaben von Zeugen, Angehörige der Opfer sowie afghanische Regierungsbeamte. Auch ein Soldat der Bundeswehr, der bei dem Einsatz vor Ort war, hält zivile Opfer bei der Bundeswehr-Offensive für “sehr wahrscheinlich”.
Gespräche mit Angehörigen

Ein Monitor-Reporterteam konnte in der Region südwestlich von Kundus eine ganze Reihe von Fällen recherchieren. Knapp ein halbes Jahr nach dem Abzug der Bundeswehr ist die Region zwar wieder verstärkt unter Kontrolle der Taliban. Dennoch gelang es dem Fernsehteam, mit Angehörigen der Opfer zu sprechen. Sie schildern, wie ihre Familienmitglieder während des viertägigen Gefechtes zwischen der Bundeswehr und den Taliban ums Leben kamen. So berichtet beispielsweise der Lehrer Ajmal, dass er während der Operation “Halmazag” seinen Sohn verloren hat. “Eines der schweren Geschosse hat das Zimmer getroffen. Dabei kam mein Sohn ums Leben, und wir wurden schwer verwundet.” Unter den Opfern des Gefechts sind nach Aussagen der Bewohner mindestens zwei tote Kinder.
Ein Bundeswehrsoldat in der Nähe von Kundus (Bildquelle: dpa)
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Was geschah wirklich während der Bundeswehr-Operation “Halmazag” in Afghanistan?

Die Bundeswehr hatte stets erklärt, dass es sowohl während als auch nach der Operation Treffen mit Dorfältesten gegeben habe. Dabei “gab es auch nach explizitem Nachfragen keine Erkenntnisse über zivile Opfer”, so die Bundeswehr. Allerdings war ausgerechnet einer der wichtigsten Ältesten des gesamten Distrikts, der Monitor gegenüber zivile Opfer bezeugt, über das Treffen nicht informiert worden. Ein weiterer Ältester, der bei dem Treffen dabei war, erklärte gegenüber Monitor, dass er die Bundeswehr explizit auf einen toten Zivilisten hingewiesen habe.

Bei dem Opfer handelt es sich um Mohammad Azim. Er wurde während des Gefechts angeschossen und soll von der Bundeswehr anschließend sogar medizinisch versorgt worden sein. Das bestätigen sowohl seine Witwe als auch der Polizeichef des Distrikts Char Darrah: “Die Deutschen haben ihn für die Behandlung ins Feldlager der Bundeswehr transportiert, wo er bedauerlicherweise gestorben ist”, so der Polizeichef. Die Bundeswehr habe dafür sogar Kompensation versprochen. Auch von diesem Toten ist in den Berichten der Bundeswehr keine Rede.
Zivile Opfer “sehr wahrscheinlich”

Auch ein am Gefecht beteiligter Soldat spricht gegenüber dem ARD-Magazin davon, dass es sehr wahrscheinlich zivile Opfer gegeben habe: “Angesichts der Tatsache […] dass es um ein Gebiet ging, dass fünf Dörfer umfasste, in denen unmittelbar Gefechtshandlungen stattgefunden haben, halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass entweder Zivilisten noch in diesem Bereich waren oder auch welche getroffen worden sein könnten”, berichtet der ehemalige Soldat.

Informationen zur Operation Halmazag

| bundeswehr

Angesichts der Monitor-Recherche fordert die verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen, Agnieszka Brugger, nun dringend eine Aufklärung. “Es stellt sich die Frage, ob man hier nicht so genau hinschauen konnte oder nicht so genau hinschauen wollte, ob es zu zivilen Opfern gekommen ist”, sagte sie. Darüber hinaus fordert sie eine Untersuchung auch bei weiteren Bundeswehr-Einsätzen in Afghanistan. Dabei müsse insbesondere der Frage nachgegangen werden, “ob es Verwundete und Tote innerhalb der Zivil-Bevölkerung nach solchen Operationen” gegeben habe.

Das Bundesverteidigungsministerium hat auf mehrere Anfragen der Monitor-Redaktion bisher nicht geantwortet.

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Aufarbeiten – kreativer Umgang mit Trauma

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Manches an Ausrüstungsgegenständen bleibt auch nach Ende der Dienstzeit im privaten Besitz. Uniformteile sollen aufbewahrt werden, falls noch Reserveübungen stattfinden. Bei manchen anderen Andenken ist schlichtweg emotional nicht möglich, diese Dinge einfach auf den Müll zu werfen oder dauerhaft aus dem Leben zu entfernen.

Ende Mai hörte ich erstmals von einer Bewältigungsmethode, die amerikanische Soldaten nutzen, um ihre Erlebnisse zu verarbeiten.

Im Rahmen einer Kunstaktion haben traumatisierte Soldaten – so schilderte mir eine Freundin – zunächst ihre Uniformen geschreddert und dann aus der geschredderten Masse Leinwände bzw. Papier gefertigt. Darauf malten sie dann und fanden so einen künstlerischen Umgang mit den Aspekten des Traumas

Symbolische Akte entlasten die Seele

Mein Weg ist heute ein anderer. Mir fiel und fällt es immer noch schwer, die Dinge zu entsorgen, die aus der Militärzeit übrig sind. Vor allem, weil mir bewusst ist, dass diese Zeit so prägend war, dass ich mit dem “entsorgen” nicht von jetzt auf gleich Abstand schaffen kann. Die Erinnerungen und Gedanken werden bleiben – ob ich das nun will oder nicht.

Um eine Art Zwischenstand erreichen zu können habe ich die Einsatzkiste, die immer noch lästig Platz im Kellerabteil einnimmt heute hervor gekramt und ihr eine neue Funktion gegeben. Da ich mir zwar vorstellen kann, auch zukünftig an Bundeswehrthemen zu arbeiten, aber nie wieder Uniform tragen will habe ich die verbliebene Ausrüstungsteile, die sich dazu eigneten als Basis dafür genommen, das etwas neues Wachsen kann.

Ebenfalls hilfreich ist die Kooperation mit den Dokumentarfilmern von hyperboleTV, einem von drei filmischen Dokumentationsprojekten an dem ich im letzten Jahr mitgewirkt habe und noch mitwirke. Von den kurzen Spots aus der Reihe “Frag ein Klischee” sind insgesamt drei geplant – zwei wurden bereits veröffentlicht:

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Zwischenstand Wehrdienstbeschädigung

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Bundeswehr versendet Akte an medizinischen Dienst. Akte derzeit auf dem Rückweg vom medizinischen Dienst. Kommunikation zwischenzeitlich mit mir: NULL. Keine Einladung zum medizinischen Dienst.

Mein Anwalt schildert eine Mitarbeiterin, die offenbar vom Anruf genervt ist, darauf hinweist, das der Prozess dadurch auch nicht zu beschleunigen sei und das sie ohnehin viel zu tun habe.

Dauer es beschriebenen Vorgangs: mehr als ein Jahr.

Ich habe keine Ahnung über Umfang und Inhalt der Akte oder auch nur den Hauch einer Vorstellung, wie es weitergehen soll.

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… Reflexion …

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In den letzten Wochen geriet ich wieder zunehmend unter Druck. Schon rund drei Monate bevor die Zahlungen seitens der Bundeswehr endgültig enden kamen Ängste hoch, die mich belasten.

Angst kann ein Antrieb sein – mich aber drängt sie zur Flucht in andere Aktivitäten oder Kompensation.

Rational – Analytisch

Zu einem Zeitpunkt, an dem in mir alles schreit, die Traumatisierung und die Erlebnisse rund um den 27.09.2008 zu einem Abschluss zu bringen zwingen mich äußere Umstände und der “Erwerbsarbeit-Finden-Müssen-Druck” dazu, etwas anderes zu tun. Alles fühlt sich falsch an – egal welchem Thema ich mich widme und einen Zwischenweg sehe ich nicht.

Je mehr der Druck zunimmt, desto weniger bin ich in der Lage einen Ausgleich zu schaffen. Kollegen bescheinigen mir Befangenheit – ist das ein Zustand in dem ich die journalistische Abschlussarbeit erstellen soll? Der Abbruch des Studiums ist die einzig logische Konsequenz, um diesen Druck zu nehmen.

Derweil verschärft sich die Situation im privaten Umfeld. Eine Beziehung führen oder aufbauen zu wollen, wenn die notwendige Aufmerksamkeit schlichtweg nicht da ist kann nicht funktionieren. Zu vieles, was ich vernachlässige …

Unterstützung und Entlastung sind durch die Bundeswehr nicht zu erwarten. Obwohl ich dachte, ich hätte mit der Übergabe meiner Wehrdienstbeschädigung diesen Prozess aus der Hand gegeben brachte heute ein Telefonat die Erkenntnis, das der Anwalt auch nur auf Input wartet und nun nur bei den entsprechenden Stellen nachfragen kann.

Da helfen auch die Bekundungen des Wehrbeauftragten von der Podiumsdiskussion am Mittwoch Abend nicht, die Veteranenpolitik würde jetzt angegangen. Ich geh an dem Scheiß langsam kaputt und bin durch den Druck, der sich aufbaut nicht in der Lage überhaupt zur Ruhe zu kommen.

Die notwendige Zeit für die Aufarbeitung erhalte ich nicht, während das soziale Umfeld leidet und gerade wieder das, was vielversprechend aussah vor die Hunde geht. Was helfen würde steht in diesem Artikel – die Rahmenbedingungen dafür stimmen nicht.

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